fortbildung

Akne

Auslöser und Ursachen einer Akne

Es handelt sich um eine häufige, multifaktorielle, hormonabhängige Erkrankung der Haut, die von

  • erhöhter Talgdrüsenaktivität (Hyperseborrhoe) gesteigerter Verhornung (Hyperkeratose)
  • mikrobieller Hyperkolonisation und
  • eventuell Entzündungsreaktionen


gekennzeichnet ist.

Die Verhornungen an den Talgausführungsgängen stören oder unterbinden den Abfluss von Talg, dieser staut sich, und es bildet sich ein offener Komedo oder ein geschlossener Komedo (Mitesser, Aknepickel).

Die vorhandenen Bakterien vermehren sich in dieser Umgebung übermäßig, bauen den Talg ab, und es entstehen freie Fettsäuren mit reizenden und entzündungsfördernden Eigenschaften.

Gemeinsam mit weißen Blutkörperchen bildet sich Eiter und die mit Eiter gefüllten Hohlräume können platzen oder ins umliegende Gewebe einschmelzen.

Die Entzündung breitet sich dann im angrenzenden Gewebe aus und zerstört dieses. Das sich bildende Reparaturgewebe besitzt nicht mehr ganz die Eigenschaften des ursprünglichen Gewebes und es kommt zur Narbenbildung.

Es werden noch weitere Auslöser diskutiert wie

  • immunologische Störungen bei der schwerwiegenden Akne conglobata
  • das Rauchen scheint sich negativ auszuwirken, da Raucher häufiger von Akne betroffen sind als Nichtraucher

Nach oben

Kennzeichen einer Akne

Die Akne tritt meist mit der Pubertät auf (hormonelle Umstellung), klingt mit dem 20. Lebensjahr ab und ist fast immer mit dem 30. Lebensjahr verschwunden.

Sie ist typischerweise auf Gesicht, Stirn, Wange, Kinn, oder eventuell auch auf dem oberen Bereich der Brust und des Rückens lokalisiert (das sind die stärksten seborrhoischen Zonen).
 
Es sind immer die Talgdrüsenfollikel mit Komedonenbildung betroffen. Offene Komedonen sind durch erweiterte Poren mit an der Oberfläche schwarz gefärbtem Talg gekennzeichnet.

Geschlossene Mitesser sind leicht erhabene Papeln oder Knötchen, in deren Mitte hautfarbener Talg durchschimmert.

Es können darüber hinaus rötliche, entzündete Pickel auftreten, die mit Talg und Eiter gefüllt sind und als Pusteln bezeichnet werden.

Der Inhalt der entzündeten Pusteln kann in das umgebende Gewebe einschmelzen und zu größeren entzündeten, knotigen Veränderungen führen, die schließlich in Narben enden.

Als Spätkomplikation ist eine Vernarbung möglich, das Risiko dazu wird durch manuelles  Ausdrücken der Zysten verstärkt.

Expertenseite: Bezeichnungen für Veränderungen der Haut in der Dermatologie (sog. Effloreszenzen = "Ausblühungen")

Nach oben

Verschiedene Formen der Akne

Man teilt zunächst in drei Formen ein:

Leichte Akne oder Komedonen-Akne
Die Akne zeigt sich in Form von Komedonen, die offen und/oder geschlossen sein können. Es treten maximal 5 entzündliche, kleine Effloreszenzen pro Gesichtsseite auf.

Die leichten Formen der Akne werden aus rechtlichen Gründen häufig mit "unreine Haut" übersetzt. (Ein Mittel gegen unreine Haut ist eindeutig kein Arzneimittel sondern ein Kosmetikum und fällt deshalb nicht unter das Arzneimittelrecht).

Mittelstarke Akne, Akne papulo-pustulosa Schweregrad 1 und 2
Neben Mitessern treten kleine Knötchen und kleine, unter 5 mm große Eiterpusteln auf. Die Anzahl darf 20 entzündliche Effloreszenzen pro Gesichtsseite nicht überschreiten.

Schwere Akne, Akne papulo-pustulosa Schweregrad 3 und 4 und Akne conglobata
Es finden sich bis zu 40 entzündete Effloreszenzen pro Gesichtsseite oder es entwickeln sich größere Entzündungen, wobei benachbarte Talgdrüsen betroffen sind und immer größere Abszesse entstehen. Dann ist nach dem Abheilen mit mehr oder weniger großen Narben zu rechnen, die sich nicht mehr zurück bilden.

Weitere Formen der Akne:

Kosmetika-Akne
Sie entsteht, wenn die Haut mit fetten Produkten wie Fettsalben abgedeckt wurde, welche die Ausführungsgänge der Talgdrüsen verstopfen.

Medikamentöse Akne
Einige Arzneimittel können eine Akne hervor rufen. Dazu gehören männliche Geschlechtshormone, aber auch orale Kontrazeptiva mit androgener Restwirkung, ferner Kortikosteroide, hochdosierte Vitamin-B-Präparate (Vitamine B6 und B12) und andere.

Kontaktakne (Akne venenata)
Sie entsteht nach dem Kontakt mit komedogenen Substanzen wie chlorierten Kohlenwasserstoffen, Öl oder Teer (Berufsakne). Man könnte auch die Kosmetika-Akne zu dieser Form zählen.

Aufgekratzte Akne der jungen Mädchen (Akne excoriee)
Sie tritt bei jungen Mädchen auf, die sich an geringfügigen Hautunreinheiten zu schaffen machen und durch Drücken, Quetschen oder Kratzen die eigentlichen Veränderungen hervor rufen

Akne der Neugeborenen
Sie klingt nach wenigen Wochen von selbst ab. Auslöser sind vermutlich mitgegebene mütterliche Hormone

Nach oben

Wann zum Arzt?

Eine reine Komedonen-Akne und eine leichte papulo-pustulöse Akne mit wenig entzündlichen Pusteln (weniger als 10 bis 20 pro Gesichtsseite) ist in Selbstmedikation behandelbar. Andernfalls sind rezeptpflichtige Arzneimittel nötig, insbesondere bei starker Akne mit flächigen Entzündungen und dem Risiko der Narbenbildung.

Ein Arztbesuch ist empfehlenswert, wenn die selbst ergriffenen Maßnahmen nach 8 Wochen keinen Erfolg gebracht haben.

Personen mit trockener Haut oder Neurodermitis sollten einen Arzt aufsuchen, da es sich möglicherweise um keine Akne handelt, und weil die eingesetzten Präparate dann besonders auf den Hauttyp abgestimmt sein sollten.

Eine Akne, die bei jungen Frauen deutlich in Bezug zu hormonellen Vorgängen steht, sollte ärztlich vom Gynäkologen oder Dermatologen behandelt werden. Das ist der Fall, wenn

  • die Akne einen zeitlichen Bezug zum Zyklus hat 
  • eine im Gesicht auftretende Behaarung (Hirsutismus) eine hormonelle Störung anzeigt

Wenn eine sogenannte Akne erstmalig bereits im Kindes- oder erst im Erwachsenenalter auftritt, ist eine Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen nötig (z.B. periorale Dermatitis,  Rosacea).

Nach oben

Aknemittel

Nicht rezeptpflichtige:

Benzoylperoxid (lokal)
Meist in Konzentrationen von 5 % verwendet, bei sehr empfindlicher Haut 2,5 oder 3 %, an Brust oder Rücken auch 10 %; BPO wirkt zuverlässig antimikrobiell, keratolytisch und entzündungshemmend.

Es kann vor allem zu Beginn der Therapie zu vorübergehendem Wärmegefühl oder Brennen und Austrocknen der Haut kommen.

Falls exzessive Trockenheit oder Schälen auftritt dann sollte man zunächst

  • BPO weniger häufig auftragen, beispielsweise alle 2 Tage
  • eine weniger austrocknende Grundlage oder
  • eine geringere Stärke versuchen

Hautirritationen werden durch lange Kontaktzeit oder häufige Anwendung begünstigt.
Die kürzeste Kontaktzeit zeigen: Lotionen dann Cremes dann Gele (diese sind am stärksten irritierend)

Wenn nach 4 Wochen Therapie z.B. mit einer Lotio 5 % noch kein gewünschter Effekt auftritt, dann sollten potentere Benzoylperoxid-Präparate gewählt werden wie eine Creme oder ein Gel 5 %, eventuell können auch 10 %ige Zubereitungen versucht werden.


Ammonium- oder Natriumbituminosulfonat/Schieferöle
Sie hemmen die Talgdrüsensekretion, wirken schwach antibiotisch und fördern die Hautdurchblutung.

Schieferöl kann auch oral gegeben werden.

Abrasiva wie Aluminiumoxid oder Polydimethylsilikonharz
Sie entfernen zwar kleinere Hautunreinheiten aber keine Mitesser. Bei entzündlichen Effloreszenzen dürfen sie nicht eingesetzt werden. Bei Präakne oder unreiner Haut, eventuell auch zur Nachbehandlung nach erfolgreicher Aknetherapie.

Tioxolon und Octipirox (lokal)
Sie wirken keratolytisch und werden deshalb auch bei schuppender Kopfhaut in Kosmetika eingesetzt.

Zink (systemisch)
Nachdem sich etwa 20 % des im Körper vorhandenen Zinks in der Haut befinden, wird viel über den Einsatz bei Hautkrankheiten und auch bei Akne spekuliert.

Hefe (systemisch)
Die alternative Medizin sieht einen engen Zusammenhang zwischen dem Zustand des Darms, des Immunsystems und Hauterscheinungen. Entsprechend ist der - umstrittene - Einsatz von Hefe zu erklären. In jedem Fall ist ein mehrmonatiger Einsatz nötig.


Rezeptpflichtig sind:

Lokale Antibiotika
Erythromycin, Clindamycin; sie wirken nicht nur gegen die Bakterien, sondern besitzen auch entzündungshemmende Eigenschaften. Sie werden gerne in Kombination mit Benzoylperoxid oder Retinoiden verwendet.

Lokale Retinoide
Tretinoin, Isotretinoin, Adapalen; sie lösen Hornzellen ab und wirken als Schälmittel, wodurch der Talg besser abfließen kann.
Die Auflösung der Hornschicht führt zu einem stärkeren Wasserverlust über die Epidermis und damit zu einer Austrocknung der Haut.

Azelainsäure
Sie wirkt ebenfalls komedolytisch und entzündungshemmend.

Ferner kommen systemisch zum Einsatz:
Antibiotika wie Tetracycline, Erythromycin
Retinoide wie Isotretinoin
Hormone/Antiandrogene wie Cyproteronacetat

 

Nach oben

Anwendungshinweise

Jede Aknetherapie bringt erst im Verlauf von Wochen und Monaten einen deutlichen Erfolg. Häufig ist eine Erstverschlimmerung, ein Aufblühen der Akne als erste Reaktion der Haut zu beobachten.

Das bedeutet für die Apotheke: Von Anfang an sind die Patienten zusätzlich zu motivieren und über den möglichen Verlauf der Behandlung aufzuklären.

Lokaltherapie:

Es ist immer die gesamte Fläche zu behandeln und nicht nur einzelne Läsionen.
Die topische Behandlung erfolgt am besten mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur abendlichen milden Reinigung, beispielsweise 30 bis 60 Minuten danach.

Benzoylperoxid
Anwendung 1 - 2 mal täglich, bei niedrig dosierten Präparaten auch 3 mal;
Sonnenlicht kann die Hautreizung verstärken;
nicht gleichzeitig mit Tretinoin oder Isotretinoin anwenden, da die beiden Retinoide durch Benzoylperoxid zerstört werden;
nicht auf Schleimhäute oder in die Augen bringen;
auf die Bleichwirkung an Haaren oder Kleidungsstücken achten .

Abrasiva ("Rubbelcremes")
Am besten abends auf der angefeuchteten Haut ca. 30 Sekunden lang verreiben und anschließend mit viel Wasser abspülen.

Tretinoin, Isotretinoin
Zu Beginn eher 1 mal täglich am besten abends auftragen;
Steigerung auf 2 mal täglich möglich;
intensives Sonnenlicht meiden;
nach der Anwendung gründlich die Hände waschen.


Systemische Therapie:

Tetracycline
Sich nicht starker Sonneneinstrahlung aussetzen;
Einnahme nicht gemeinsam mit Calcium, Milch oder Antazida;
eine mögliche Abnahme der Wirkung von oralen Kontrazeptiva ist möglich.

Isotretinoin
Die Einnahme zum Essen bringt eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit mit sich als die Nüchterneinnahme.
Während der Therapie muss ein zuverlässiger Empfängnisschutz gewährleistet sein.
Während der Therapie können Haut und Schleimhaut stark austrocknen.

Folgende Möglichkeiten können diese Situation lindern:

  • bei trockenen Augen keine Kontaktlinsen tragen
  • eventuell Tränenersatzflüssigkeit verwenden
  • Lippenpomade schützt die Lippen
  • ein Nasengel befeuchtet die Nasenschleimhaut  

Nach oben

Kosmetische Behandlung

Es sollten die grundsätzlichen Pflegehinweise bei vermehrter Talgproduktion (fettigem Hautzustand, Seborrhoe) befolgt werden:

Sorgfältige Reinigung mit warmem Wasser und Syndetseifen mit leicht saurem pH-Wert. Alkalische Seifen sind zu vermeiden, da sie die Talgdrüsenausgänge leicht verstopfen können.

Eine Entfettung mit alkoholbasierten Lösungen ist bei wenig empfindlicher Haut möglich. Sie sollte jedoch nicht zu intensiv betrieben werden, da als Reaktion mit einer verstärkten Talgproduktion gerechnet werden muss.

Zur Pflege dürfen nur Cremes mit wenig Fett als O/W- Emulsion eingesetzt werden.

Mit schmirgelnden Rubbelcremes kann eine zu starke Verhornung vermieden werden. Allerdings darf man deren Wirkung nicht überschätzen, da man mit ihrer Hilfe die Ausgänge der Talgdrüsen nur schwer erreichen kann.

Masken, beispielsweise mit Heilerde, entfernen überschüssige Hornteilchen.
Mitesser sollte man frühzeitig entfernen, auch um die Porenwände zu schonen. Die Komedonen werden nach Erweichen der Haut mit einem Dampfbad entfernt. Mögliche Zusätze wären Kamillenextrakt oder Apfelessig.
Anschließend helfen Adstringenzien, erweiterte Poren zu verkleinern.

Achtung: Pickelquetschen im Gesicht unbedingt vermeiden!
Fachpersonal kann geschlossene Komedonen mit steriler Kanüle/Lanzette öffnen und ausdrücken.

Es gilt: nicht zu viel pflegen oder reinigen! 

Nach oben

Alternative Medizin

Die orthomolekulare Medizin setzt auf Gaben von Zink und Vitamin A (Vitamin A nicht mit Retinoiden kombinieren!), eventuell auch Selen.

Präparate zum Aufbau einer gesunden Darmflora sollen prinzipiell bei Hauterkrankungen hilfreich sein.

Phytotherapeutisch setzt man Pflanzenauszüge mit adstringierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften ein wie Walnuss, Stiefmütterchen, Hamamelis oder Kamille.

In der Homöopathie bevorzugt man Konstitutionsmittel, deren Einsatz eine ausführliche Anamnese voraussetzt. Als Mittel zur Akutbehandlung sollte sich am ehesten Kalium bromatum eignen, Hepar sulfuris wird bei eitrigen Geschwüren in der Haut eingesetzt.

Als sehr originelle Methode für echte Genießer sei die Behandlung mit Eigenurin genannt: die entsprechenden Stellen auf der Haut werden mit eigenem Urin auf einem Wattebausch betupft. 

Nach oben

Expertenseite: Bezeichnungen für Veränderungen der Haut in der Dermatologie (sog. Effloreszenzen = Ausblühungen)

Pustel, Bläschen, Blase:
mit Flüssigkeit (Serum, Eiter, Blut) gefüllter Hohlraum, der erhaben ist
Pustel: bis stecknadelkopfgroßes (Eiter-)Bläschen
Vesikula: Bläschen bis erbsgroß
Bulla: Blase mehr als erbsgroß 

Papel, Knötchen, Knoten:
umschriebene, das Hautniveau überragende Erhabenheit,  die relativ fest und von unterschiedlicher Farbe, Oberfläche und Konsistenz sein kann
Papel: bis erbsgroßes Knötchen
Nodulus: Knötchen größer als erbsgroß, jedoch unter 1 cm Durchmesser
Nodus: Knoten, über 1 cm Durchmesser

Komedo, Mitesser:
Pfropf aus Hornlamellen und Talg, der sich im Ausführungsgang von Haarfollikeln bildet; es gibt offene Formen, mit schwarzer Oberfläche, und geschlossene.

Urtica:
Quaddel, meist flüchtige, juckende Erhabenheit (wie nach Kontakt mit Brennesseln)

Abszess:
abgekapselte, bakteriell bedingte Eiteransammlung mit Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, (Druck)Schmerz

Macula: Fleck, im Hautniveau liegende umschriebene Farbveränderung
Narbe:  kann bei größeren Eiterpickeln in tieferen Hautschichten entstehen  wenn eine größere Anzahl von Zellen zerstört ist;  das Reparaturgewebe hat andere Eigenschaften und sieht  etwas anders aus als das ursprüngliche Gewebe

Nach oben

Expertenseite: Die Rolle der Hormone

Männliche Hormone wie Testosteron (sog. Androgene) stimulieren die Produktion der Talgdrüsen. Eine Hemmung der Androgenaktivität reduziert die Talgproduktion zwischen 15 und 60 Prozent.

Manche Patientinnen klagen über eine zyklusabhängige Verschlechterung ihrer Haut. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Östrogenspiegel im Blut zum Ende der Periode drastisch absinkt. Da Frauen dauernd kleine Mengen an Androgenen produzieren, ist zu diesem Zeitpunkt das Hormongleichgewicht zum Testosteron verschoben, und die Talgproduktion steigt.

Im Gegensatz zu männlichen Personen kann man bei Frauen die Androgen-Situation  beeinflussen. Man kann hier Stoffe mit Gestagenwirkung geben, die gleichzeitig antiandrogene Eigenschaften besitzen.

Arzneistoffbeispiele sind Cyproteronacetat, Chlormenadinonacetat, Desogestrel oder Gestoden.

Diese antiandrogenen Stoffe werden meist kombiniert mit Östrogenen gegeben; sie sind dann als orale Kontrazeptiva im Handel.

Auf zwei häufig in hormonellen Kontrazeptiva eingesetzte Gestagene sollte bei Aknepatientinnen geachtet werden, nämlich Norgestrel und Levonorgestrel: Beide Stoffe weisen eine androgene Wirkkomponente auf und erhöhen somit die Sebumproduktion.

Eine Wirkung der Antiandrogene ist wie bei anderen Aknemitteln auch erst nach längerer Anwendungsdauer, oft erst nach mehreren Monaten zu erwarten. 

Nach oben

Expertenseite: Antibiotika bei Akne

Antibiotika richten sich primär gegen Propionibacterium acnes, ein Bakterium das zu den normalen Bewohnern der Haut bzw. der Haarfollikel zählt.

Diese Bakterien können sich unter bestimmten Bedingungen (vermehrte Talgproduktion, Luftabschluss, z.B. in geschlossenen Komedonen) stark vermehren.

Dies führt zu einer größeren Menge an Stoffwechselprodukten, welche eine Entzündung fördern. Eine Bekämpfung der Bakterien beugt demnach zukünftigen Läsionen vor, indem sie die  entzündlichen Stimuli reduziert.

Der Zusatz von Zink in topischen Zubereitungen soll das Auftreten von Resistenzen verringern, mit denen grundsätzlich immer bei einer lange dauernden antibiotischen Therapie gerechnet werden muss.

Nach oben

Expertenseite: Vitamin-A-Derivate bzw. Retinoide

Die Retinoide Vitamin-A-Säure (=Tretinoin), Acitretin, Adapalen und Isotretinoin führen zu einer erleichterten Ablösung von Hornzellen, was den Talg leichter abfließen lässt, und sie verringern die Talgproduktion. Während der ersten 3 Wochen rötet oder schuppt sich die Haut und sie brennt.

Die erwünschte Wirkung setzt erst nach 4 bis 6 Wochen ein. Allerdings muss man zunächst mit einem Aufblühen der Akne rechnen, weil sich vorhandene Mitesser in entzündliche oder eitrige Pusteln umwandeln. Diese an sich unerwünschten Erscheinungen sind jedoch die Vorboten der erwünschten Wirkung.

Die Retinoide binden an intrazelluläre Rezeptoren, welche dann mit DNA-Sequenzen in Wechselwirkung treten, die Synthese bestimmter Proteine ankurbeln und damit das Wachstum und die Differenzierung einer Zelle beeinflussen können.

Die Retinoide erfüllen während der Embryonalentwicklung vielfältige Funktionen als Signalmoleküle im noch nicht ausdifferenzierten Gewebe. Sie spielen eine Rolle bei der Ausbildung der Extremitäten, der Augen und des ZNS.

Oral gegebene Retinsäure ist hoch teratogenen. Auch die über eine lokale Applikation resorbierte Menge kann zu Missbildungen führen.

Aus diesem Grund muss eine Schwangerschaft während der Anwendung mit zuverlässigen Methoden ausgeschlossen werden.

Nach oben

Expertenseite: Akne und UV-Licht

UV-Licht kann die Bildung von Mitessern und damit ein Aufblühen der Akne fördern. Mit der chronischen Lichteinwirkung verdickt sich auch die Hornhaut, was den Talgabfluss behindert.

Durch die keratolytische Wirkung vieler Aknemittel und die dünner werdende Hornschicht nimmt in jedem Fall die Lichtempfindlichkeit zu.

Es sollte also der Sonnenschutz nicht vernachlässigt werden; zu achten ist jedoch auf nicht komedogene Mittel wie Gele oder Lösungen zum Aufsprühen. Solarienbesuche sind nicht zu empfehlen.

Benzoylperoxid kann fototoxische Reaktionen auf der Haut auslösen. (Das Gleiche gilt für Tretinoin und für Tetracycline.)


Die Retinoide Tretinoin und Isotretinoin sind fotolabil, sie verlieren also an Licht schnell an Wirkung. Das Auftragen am Abend trägt dieser Problematik Rechnung.

Anzumerken ist, dass kontrolliertes UV-Licht zur Aknetherapie eingesetzt wird. Die Haut wird mit einer Dosis knapp unterhalb der Erythemschwelle bestrahlt. In der Folge schuppt sie sich wie nach einem leichten Sonnenbrand (Keratolyse).

Nach oben