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Calcium und Magnesium
Calcium: Physiologische Funktion
Der Körper enthält gut 1 kg Calcium, wovon 99 % in den Knochen zu finden ist. Calcium ist damit nicht nur der mit Abstand häufigste Mineralstoff im Körper, Calcium ist der wesentliche Bestandteil der harten Substanz in Knochen und Zähnen
Wichtig
Die Knochen sind nichts Inertes oder Unveränderliches. Die Knochenmasse wird ständig auf- und wieder abgebaut. Knochenfresszellen (Osteoklasten) bauen ab und setzen Calcium frei, Knochenmutterzellen (Osteoblasten) entnehmen dem Blut Calcium und bauen Knochenmasse auf.
Der Blutspiegel von Calcium wird exakt reguliert.
Bei niedriger Zufuhr von Calcium kann im Wachstum nicht ausreichend Knochenmasse aufgebaut werden oder Calcium wird zur Erhaltung des Blutspiegels dem Knochen entnommen, Knochen wird also abgebaut.
Bei hoher Zufuhr wird Calcium im Knochen eingelagert, vermehrt über die Niere ausgeschieden oder die Resorption verringert.
Weitere Funktionen von Calcium:
- Calcium ist nötig für die Blutgerinnung
- Calcium stabilisiert die Zellmembranen
- Calcium ist bedeutsam für die Muskelkontraktion ("elektromechanische Kopplung") und die Übertragung von Nervenimpulsen
eine Reihe von Enzymen benötigt Calcium - Calcium fungiert im Zellinneren als "second messenger" bei der Informationsübertragung von membranständigen Rezeptoren zur Zellmaschinerie
Bedarf und Aufnahme von Ca
Der tägliche Bedarf liegt
- für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren bei 1200 mg
- für Erwachsene bei 1000 mg
Calcium ist in bedeutenden Mengen enthalten in
- Milchprodukten
- einigen Sorten von grünem Gemüse
Expertenseite: "Calciumreiche Nahrungsmittel"
Die Calcium-Resorption wird beeinträchtigt durch
- Oxalsäure-haltige Gemüse
- Phytin in Weizenkleie oder Vollkornprodukten
- Phosphat-haltige Nahrung (Wurst) oder Getränke (Cola, Limonaden)
- eventuell auch durch Ballaststoffe
ferner durch
- Einnahme von Glucocorticoiden
- Östrogenmangel
- Coffein und eine hohe Eiweißzufuhr steigern die Calcium-Ausscheidung über die Niere, die Calcium-bindenden Stoffe wie Phosphat, Oxalsäure oder Phytin erhöhen den Verlust über den Stuhl (als unlösliche Calciumverbindungen).
Calciumversorgung / Risikogruppen und direkte Kundenansprache
Calcium gehört zu den Mineralstoffen, mit denen breite Bevölkerungskreise - teilweise in gravierendem Ausmaß - unterversorgt sind.
Über alle Altersgruppen betrachtet werden im Durchschnitt nur 600 bis 900 mg aufgenommen.
Der Bedarf wird also nur zu rund zwei Dritteln gedeckt! Ein nicht kleiner Personenkreis dürfte somit gerade die Hälfte oder weniger der empfohlenen Aufnahme mit der Nahrung erreichen.
Es bleibt bei vielen Personen eine Lücke von 500 bis 800 mg Calcium täglich!
Das größte Defizit tritt bei Jugendlichen, hier insbesondere bei weiblichen Jugendlichen auf.
Expertenseite: "Die Bedeutung der maximal erreichten Knochenmasse"
Ferner sind strenge Vegetarier betroffen.
Die schlechte Versorgung von Senioren steht in einem Zusammenhang mit der geringeren Vitamin D-Bildung durch die Haut. Die kombinierte Gabe von Calcium mit Vitamin D erweist sich als sinnvoll.
Zielgruppen einer Supplementierung
Die vorher genannten Risikogruppen unter den Apothekenkunden sollten direkt auf die Möglichkeit angesprochen werden, Calcium ergänzend einzunehmen.
Fragen Sie nach Nahrungsgewohnheiten und argumentieren Sie aus der Sicht des Kunden.
Begründen Sie, warum Sie jemandem Calcium empfehlen und ordnen Sie den Kunden einer Risikogruppe zu und empfehlen Sie eine dem individuellen Risiko angepasste Dosierung:
Beispiel:
männliche Jugendliche: jeden zweiten Tag 500 mg
männliche Senioren: 500 mg pro Tag
weibliche Jugendliche, junge Frauen: zwischen 500 und 1000mg pro Tag
ältere Frauen: 1000 mg Calcium plus Vitamin D
Mögliche Mangelsymptome
Akute Symptome sind eher selten, da sich der Körper jederzeit des riesigen Calcium-Depots im Knochen bedienen kann.
Als Folge einer niedrigen Calcium-Zufuhr kann der Körper in der Jugend nicht die optimale Knochenmasse aufbauen oder er entnimmt in höherem Alter den Knochen übermäßig viel.
Da der Zuwachs an Knochenmasse bis zum 30. Lebensjahr erfolgt, ist darauf zu achten, dass
- in jungen Jahren mit Hilfe von ausreichend Calcium ausreichend Knochenmasse aufgebaut wird
- in höherem Lebensalter der Abbau von Knochenmasse nicht durch eine zu geringe Aufnahme von Calcium beschleunigt wird.
Als mögliche Symptome eines Mangels werden genannt:
- Müdigkeit
- Muskelkrämpfe
- brüchige Nägel
- trockene, schuppige Haut
Calcium in der orthomolekularen Medizin
Kunden könnten vom Einsatz von Calcium gelesen oder gehört haben in Zusammenhang mit folgenden Anwendungsgebieten:
- bei Allergien, prophylaktisch gegen Sonnenallergie, bei allergischer Rhinitis
- bei Bluthochdruck (auch gemeinsam mit Magnesium)
- prophylaktisch und als Rezidivprophylaxe bei Kolonkarzinom
- gegen Muskelkrämpfe (auch gemeinsam mit Magnesium)
- bei Rheuma, um der durch Gucocorticoide verminderten Calciumresorption entgegen zu wirken
- in der Schwangerschaft, zur Vermeidung einer späteren Osteoporose, eines schwangerschaftsbedingten Hochdrucks und einer Präeklampsie (siehe auch Magnesium)
- sowie natürlich zur Senkung des Osteoporoserisikos und zur Behandlung von Osteoporose
Ein Einnahmeversuch kann auch in Erwägung gezogen werden bei Nagel- oder Haarproblemen.
Auswahl des Arzneistoffs und der Darreichungsform
Die Bioverfügbarkeit von Calcium ist abhängig von der Versorgungslage und vom eingesetzten Salz bzw. Anion. Sie variiert zwischen 20 und 40, eventuell sogar 60 %.
Die eingesetzten Salze unterscheiden sich entsprechend den Molekulargewichten in ihrem prozentualen Anteil an Calcium - und damit auch im Preis. So enthält Calciumcarbonat rund 40 % Calcium , Calciumgluconat nur 9 %. Bei allen organischen Salzen muss insgesamt mehr "Masse" als beim Carbonat verwendet werden, um beispielsweise 500 mg Calcium zu erhalten.
Im nüchternen Zustand erzielen Gluconat, Lactat oder Citrat die höchste Bioverfügbarkeit. Das Calciumcarbonat wird mit Hilfe von Magensäure in das resorbierbare und lösliche Chlorid überführt. Ein Säuremangel wird sich hier ungünstig auswirken.
Insgesamt dürfte bei einer Einnahme zu den Mahlzeiten die Auswahl des Salzes eher keine Rolle spielen.
Calcium-Dauerkunden - und das sollten die meisten sein, denn eine wirksame Calcium-Substitution gelingt nur durch die Anwendung über längere Zeiträume - schätzen es, wenn die verwendeten Arzneiformen nach ihrem Geschmack sind und sie schätzen hin und wieder eine geschmackliche Abwechslung. Hier hilft nur Ausprobieren und einmal etwas Neues versuchen.
Sie sollten in der Apotheke auch über die Geschmacksrichtungen der angebotenen Präparate informiert sein!
Expertenseite: "Calciumreiche Nahrungsmittel"
Als calciumreich werden Nahrungsmittel bezeichnet, durch die mit einer üblichen Portion mindestens 15 Prozent des täglichen Bedarfs zugeführt werden.
Dazu zählen:
- Milch (200 g, 240 mg)
- Joghurt (150 g, 190 mg)
- Käse (50 g, zwischen 180 und 450 mg)
- Grünkohl (200 g, 420 mg)
- Broccoli (200 g, 210 mg)
- Spinat (200 g, 240 mg)
Die Werte in Klammern geben die angenommenen Portionsgrößen und die Calciumgehalte an.
Expertenseite: "Die Bedeutung der maximal erreichten Knochenmasse"
Die Osteoporose ist definiert als Erkrankung des Knochenstoffwechsels, bei der die Knochendichte am Schenkelhals deutlich geringer ist als üblich.
Die Knochendichte erreicht bis zum 25. oder 30. Lebensjahr ihr Maximum. Dann nimmt die Knochendichte altersbedingt ab. Eine geringe Knochendichte ist mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche verbunden.
Eine hohe, bis zum 30. Lebensjahr erreichte maximale Knochendichte schützt demnach vor Osteoporose. Es ist also anzustreben, dass insbesondere jüngere weibliche Personen durch die Aufnahme ausreichender Mengen an Calcium ihr individuelles Osteoporoserisiko senken.
Expertenseite: "Die Bedeutung von Vitamin D"
Vitamin D ist wichtig für die Resorption von Calcium aus dem Darm ins Blut. Außerdem sorgt es für ausreichend hohe Calciumkonzentrationen im Blut, indem es den Knochen demineralisiert und indem es die Calciumrückresorption in der Niere erhöht.
Es verbessert also die Calcium-Bilanz des Körpers, sofern ausreichend Calcium im Darm zur Verfügung steht.
Die tägliche Zufuhr sollte bei etwa 400 I.E. liegen, was ein großer Teil der Bevölkerung auch erreicht. Allerdings produziert auch die Haut unter mäßiger Sonnenlichtbestrahlung eine erhebliche Menge Vitamin D.
Bei Senioren und eventuell Säuglingen ist die UV-Exposition häufig nicht ausreichend, so dass eine Supplementierung mit Vitamin D empfohlen wird. Mit Problemen einer Überdosierung ist erst bei einem 50fachen Überschreiten der empfohlenen Dosis von 400 - 1000 I.E. zu rechnen.
Magnesium
Physiologische Funktion
Der Körper enthält gut 20 g Magnesium, wovon ein großer Teil im Zellinneren und der Rest im Knochen eingelagert ist. Nur ein verschwindend geringer Anteil des Gesamtbestands findet sich im Blut bzw. Plasma (Magnesium ähnelt in dieser Hinsicht dem Kalium).
Aus diesem Grund ist es schwierig, einen Magnesiummangel mit Hilfe einer Blutuntersuchung zu diagnostizieren; die geringe Konzentration im Blut gibt einfach zu wenig Information über die intrazellulären Verhältnisse ab.
Magnesium
- stabilisiert das Ruhepotenzial von erregbaren Zellen; das sind in erster Linie Muskel- und Nervenzellen
- hemmt die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin und wirkt demnach übermäßigem Stress entgegen
- ist an einer unüberschaubaren Zahl von Stoffwechselvorgängen beteiligt;
- rund 300 intrazelluläre Enzyme brauchen Magnesium, um optimal zu funktionieren
Bedarf und Aufnahme von Mg
Magnesium wird bei normaler Versorgungslage zu 20 bis 30 Prozent in oberen Dünndarmabschnitten resorbiert.
Der Tagesbedarf liegt bei 300 bis 400 mg. Dies entspricht einer resorbierten bzw. über die Niere ausgeschiedenen Menge von rund 100 mg pro Tag.
Bei Arzneimitteln findet man oft die Mengenangabe in Millimol (mmol). Bei einem Molekulargewicht von 24,3 für Magnesium ergeben sich für 10 mmol 243 mg Magnesium.
Magnesium neigt als zweiwertiges Kation ebenso wie Calcium zu Komplexbildung mit negativ geladenen Molekülen, allerdings sind die gebildeten Komplexe tendenziell weniger stabil als die von Calcium.
Solche Komplexbildner wären Phytate aus Getreide, Phosphate aus Wurstprodukten und Getränken oder Oxalat aus Gemüse oder eventuell auch Arzneistoffe (siehe "Mögliche Risiken" - Wechselwirkungen).
Magnesiumversorgung / Risikogruppen
Der Durchschnittswert der geschätzten Magnesiumaufnahme quer durch alle Bevölkerungsschichten liegt knapp über dem oben angegebenen Tagesbedarf. Somit gilt im Durchschnitt die Magnesiumversorgung als gesichert.
Allerdings muss man damit rechnen, dass bei Einzelnen die als optimal angesehene Aufnahmemenge deutlich unterschritten wird.
Zu den Risikogruppen zählen vor allem Personen, bei denen mit einer erhöhten Magnesiumausscheidung über die Niere gerechnet werden muss.
Das sind
- Personen, die dauernd Diuretika oder Corticosteroide einnehmen
- Personen mit einer ebenfalls diuretisch wirkenden, kritisch hohen Alkoholaufnahme
- Erhöhte Magnesiumverluste treten bei Sportlern über den Schweiß auf.
Die Resorption von Magnesium kann bei chronischen Darmentzündungen oder chronischem Durchfall vermindert sein.
Magnesium in der orthomolekularen Medizin
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Magnesium wird gerne als natürlicher Calciumantagonist bezeichnet. Es wirkt gefäßerweiternd und blutdrucksenkend, löst Spasmen der Herzkranzgefäße und wirkt Herzrhythmusstörungen entgegen. Die antisympathotone Wirkung schützt vor Herzinsuffizienz und stressbedingten Störungen.
Geburtshilfe
Magnesium wird hier sehr häufig eingesetzt, vor allem als intravenöse Infusion. Es beugt einer Präeklampsie ("Schwangerschaftsvergiftung", EPH-Gestose) vor, senkt die Krampfneigung und den Blutdruck.
Daneben findet oral angewandtes Magnesium Anwendung bei
- Muskel- oder Wadenkrämpfen
- prämenstruellem Syndrom (PMS); hier auch in Kombination mit Vitamin B6
- Migräne; dabei dient Magnesium der Prophylaxe, denn es soll die Anfallshäufigkeit und die Intensität der Anfälle senken
- Eine Hypokaliämie und auch eine Hypokalzämie treten häufig gemeinsam mit einer Hypomagnesiämie auf. Deshalb findet man die Empfehlung, eine vermehrte Kalium- bzw. Calciumzufuhr mit der Gabe von Magnesium zu verbinden.
Auswahl des Arzneistoffs
Das einfachste und billigste Magnesiumsalz ist das Oxid, welches auch den höchsten Gewichtsanteil an Magnesium besitzt.
Wie bei Carbonaten gilt, dass zur Resorption ausreichend Säure vorhanden sein muss.
Organische Magnesiumsalze wie das Citrat, (Hydrogen-)Aspartat oder Orotat sind nicht nur unabhängig von der Säurekonzentration im Magen löslich, sie werden auch besser im Dünndarm resorbiert.
Dem Orotat spricht man darüber hinaus eine eigenständige, günstige pharmakologische Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu.
Expertenseite: "Magnesiumreiche Nahrungsmittel"
Es werden solche Lebensmittel als magnesiumreich bezeichnet, die mit einer üblichen Portion zu mehr als 10 Prozent des Tagesbedarfs beitragen.
Dazu gehören insbesondere:
- ungeschälter Reis (60 g, 70 mg)
- Haferflocken (60 g, 80 mg)
- weiße Bohnen ( 70 g, 90 mg)
- Weizenvollkornmehl (60 g, 80 mg)
- Vollkornbrote (175 g, 95 mg)
- Weizen- und Roggenmischbrote (175 g, 50 bis 70 mg)
- Kartoffeln (250 g, 50 mg)
Die Werte in Klammern geben die angenommenen Portionsgrößen und die Magnesiumgehalte an.
Expertenseite: "Präeklampsie und Schwangerschaft"
Eine Präeklampsie ist ein Zustand eines erhöhten Risikos während der Schwangerschaft. Sie ist gekennzeichnet durch Bluthochdruck und Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Proteinurie). Häufig treten daneben noch Ödeme auf. Daher kommt die früher gebräuchliche Bezeichnung EPH-Gestose (Schwangerschaftstoxikose), wobei E für Edema, P für Proteinuria und H für Hypertonie steht.
Die Präeklampsie geht mit einem erhöhten Risiko für das ungeborene Kind und die Mutter einher. Gefürchtet ist die Eklampsie, die sich daraus entwickeln kann.
Die Eklampsie ist durch Krampfanfälle der Schwangeren bis hin zum Koma gekennzeichnet.
Eine Sonderform der Eklampsie stellt das sogenannte HELLP-Syndrom dar. Dazu gehören Hämolyse, erhöhte Mengen an Leberenzymen und verringerte Thrombozytenzahl mit Blutgerinnungsstörung.
Die Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren sollen u.a. eine Präeklampsie und die damit verbundenen Risiken frühzeitig erkennen. Meist wird eine Einweisung der Schwangeren in ein Krankenhaus sinnvoll sein.