Zertifikatskurs Diabetes

Abnehmen für jeden Geschmack – Diäten im Überblick

Bei übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes stellt die Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion einen wichtigen Pfeiler im Behandlungskonzept. In der Regel bedarf es einer hohen Motivation der Betroffenen, ihre Lebensgewohnheiten dauerhaft zu ändern. Daher sollte eine diätische Kost optimal auf die individuellen Vorlieben und Bedürfnisse des Abnehmwilligen abgestimmt sein.

Fettreduzierte Kost, „Low Fat“

Die Fettaufnahme wird auf ca. 60 g/d verringert, was einer Kalorienreduktion von etwa 500 kcal entspricht, damit ist eine Gewichtssenkung von ca. 3,2-4,3 kg innerhalb von 6 Monaten möglich. Der Gewichtsverlust ist umso größer, je höher das Ausgangsgewicht und der vorherige Fettverzehr waren. Kohlenhydrate dürfen unbegrenzt aufgenommen werden. Diese Kost gilt als relativ ausgewogen, da sie auf einen hohen Anteil aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten setzt und ist geeignet, um nach dem „Abspecken“ das Körpergewicht langfristig zu stabilisieren (z. B. Weight-Watchers-Programme ).

Mäßig kalorienreduzierte Mischkost

Neben Fett wird auch der Verzehr von Eiweißen und Kohlenhydraten reduziert. Dabei sollten die „erlaubten“ Kohlenhydrate einen niedrigen glykämischen Index aufweisen. Dieser gibt an, wie schnell der Blutzucker- und somit auch der Insulinspiegelspiegel nach dem Verzehr kohlenhydratreicher Lebensmittel ansteigen. Mit der insgesamt angestrebten Kalorienzufuhr von 500-800 kcal weniger pro Tag kann innerhalb eines Jahres etwa 5,1 kg Gewicht abgebaut werden. Diese Diätform gilt als bevorzugte Standardtherapie der DAG (Deutsche Adipositas Gesellschaft), weil sie Genuss mit langfristiger Wirkung verbindet, ohne dass Mangelerscheinungen auftreten (z. B. Brigitte-Diät, LliD = leichter leben in Deutschland).

Mahlzeitenersatz mit Formulaprodukten

1-2 Hauptmahlzeiten pro Tag werden flexibel durch Formulaprodukte (Eiweißgetränke, Riegel, etc.) mit definiertem Energiegehalt (150-200 kcal pro Mahlzeit) ersetzt. Ansonsten wird eine ausgewogene Mischkost eingehalten. Bei einer täglichen Energiezufuhr von 1200-1600 kcal ist nach 3 Monaten ein Gewichtsverlust von durchschnittlich 6,5 kg zu erwarten. Auch bei übergewichtigen diabetischen Patienten hat sich dieses Konzept als langfristig wirksam und sicher erwiesen.

Formula-Diät

Die Ernährung wird für begrenzte Zeit komplett auf Formulaprodukte umgestellt. Durch die sehr niedrige Energiezufuhr kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einem starken Gewichtsverlust. Diese Kostform kommt nur bei Menschen mit BMI ≥ 30 in Frage, die aus medizinischen Gründen kurzfristig Gewicht abnehmen müssen. Spätestens nach 12 Wochen sollte auf eine kalorienreduzierte Mischkost umgestellt werden. Wegen möglicher Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Schwindel oder Konzentrationsstörungen wird angeraten, die Diät unter Aufsicht von Fachleuten durchzuführen.

Kohlenhydratarme Kost, „Low Carb“

Minimale Mengen an Kohlenhydraten, dafür Fett und vor allem Eiweiße sollen den Körper dazu „zwingen“, mehr Fett zu verbrennen. Kurzfristig stellt sich ein guter und rascher Gewichtsverlust ein, gleichzeitig verbessern sich alle Parameter des Glukose- und Lipidstoffwechsels. Diese Kost wird jedoch nur für den initialen Gewichtsverlust empfohlen, da gesicherte Langzeitdaten fehlen. Zudem bemängeln Fachleute die teils einseitige Nahrungsauswahl. Schließlich begünstigt der hohe Eiweiß- und Fettanteil atherosklerotische Gefäßveränderungen und ist für Patienten mit Nierenerkrankungen nicht ohne Risiko (z. B. Atkins-Diät, moderater gestaltet sich das Bodymed®-Konzept.

Radikaldiäten

Von Radikaldiäten raten Fachleute vor allem für diabetische Patienten ab, weil der damit verbundene hohe Eiweiß- und Blutsalzverlust zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Auch sollten die Risiken des Jo-Jo-Effektes nicht außer Acht gelassen werden. Nähere Informationen zum Thema „Jo-Jo-Effekt erhöht möglicherweise das Diabetes-Typ-2-Risiko“ finden Sie hier.

Autorin

Franziska Wartenberg