Zertifikatskurs Diabetes

Ernährung bei Diabetes mellitus

Vitamine und Mineralstoffe

Der Bedarf eines Diabetikers an Vitaminen unterscheidet sich nicht von dem eines gesunden Menschen. Lediglich auf die Vitamine A, C und E sollte ein besonderes Auge geworfen werden. Die diabetische Stoffwechsellage geht vermehrt mit oxidativem Stress einher, so dass antioxidative Vitamine als Radikalfänger einen effektiven Zellschutz ausüben. Es gibt darüber hinaus Hinweise, dass verschiedene Vitamine, wie Vitamin D und Niacin, protektive Wirkungen bei Diabetes erzielen. Auch hinsichtlich der Mineralstoffe und Spurenelemente gelten prinzipiell die gleichen Empfehlungen wie für Nichtdiabetiker. Bei schlechter Blutzuckereinstellung kann es aufgrund der erhöhten Urinausscheidung zu Mineralstoffverlusten kommen. Diese gilt es auszugleichen. Zudem liegt bei Diabetikern häufig ein reduzierter Zinkstatus vor.

„Glyx“-Gefühl für Nahrungsmittel

Patienten sollten hinsichtlich des glykämischen Index von Nahrungsmitteln ihre individuelle Blutzuckerwirksamkeit zunächst einmal ausprobieren, indem sie sich kleine Testmahlzeiten zusammenstellen und den Blutzucker nach 60, 120 und 180 Minuten messen. Mit der Zeit werden sie ein Gefühl dafür entwickeln, welche Nahrungsmittel anhand des GI gegeneinander ausgetauscht werden können. Cave! Lebensmittel mit niedrigem GI sind nur dann eine geeignete Wahl, wenn auch die anderen Inhaltstoffe die Anforderungen gesunder Kost erfüllen und beispielsweise nicht hohe Mengen ungünstiger Fette enthalten. Die Bedeutung des GI liegt darin, Nahrungsmittel aus ähnlichen Nahrungsmittelgruppen zu vergleichen.

Beispiele für GI in Lebensmitteln

hoch 100 – 70 % mittel 70 – 55 % niedrig < 50 %
Brezeln, Malzzucker, Honig, Cornflakes, Minutenreis, Weißbrot, Baguette, Bier, Knäckebrot, Graubrot, gebackene Kartoffeln, Cola, Spätzle, Eiernudeln Haferflocken, Bananen, Haushaltszucker, Roggenbrot, Rosinen, Milchspeiseeis, Gnocchi, Salzkartoffeln, ungesüßte Obstsäfte Vollkornbrot mit ganzen Körnern, Parboiled-Reis, Milch, Joghurt, Hülsenfrüchte, Nüsse, Frischkornmüsli, Fruktose, heimisches Obst und Südfrüchte

Keine "Extrawurst" für Menschen mit Diabetes

Diabetiker brauchen keine speziellen Lebensmittel. Schon gar nicht Schokolade mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“.  

Konfitüre, Müsliriegel, Tomatenketchup, Schokolade – die Produktpalette an Lebensmitteln, die laut ihrer Aufschrift „für Diabetiker geeignet“ oder „ im Rahmen eines Diätplans bei Diabetes mellitus geeignet“ sind, ist lang. Offenbar wollen viele Hersteller Diabetiker davon überzeugen, dass ihre Produkte für zuckerkranke Menschen genau das Richtige sind. Das allerdings trifft nicht zu. Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“ sind nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keineswegs für eine diabetesgerechte Ernährung zu empfehlen und können Diabetikern sogar schaden, betont die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG).  
Die Experten der DDG fordern, ebenso wie die International Diabetes Federation (IDF), europaweit diese Kennzeichnungen nicht mehr zuzulassen. Gremien der Europäischen Union beraten derzeit in Brüssel über Gesetzesvorlagen, in denen klar geregelt werden soll, was erlaubt ist und was nicht.  
Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“ sind vor allem Produkte, in denen Haushaltszucker durch Fruchtzucker oder Zuckeralkohole ersetzt wurde. Sie stammen aus einer Zeit, in der Ärzte Diabetikern empfohlen haben, Haushaltszucker zu meiden. Diese Empfehlung jedoch gilt wissenschaftlich längst als überholt. Heute sind sich Mediziner, Ernährungsexperten und Wissenschaftler darüber einig, dass Menschen mit Diabetes – egal ob Typ 1 oder 2 – ganz „normale“ Lebensmittel essen können und sollen.  
Abgesehen davon, dass sie die Spezial-Angebote für überflüssig halten, fürchten die  Experten auch, dass die vermeintlich geeigneten Produkte Diabetiker dazu verführen könnten, zu viel von diesen zu essen. Viele der angebotenen Lebensmittel enthalten nämlich hohe Anteile ungünstiger Fette und sind deshalb „echte Dickmacher“. Und das ist gefährlich. Schließlich haben viele Zuckerkranke, insbesondere Typ 2-Diabetiker, ohnehin Probleme mit ihrem Gewicht. Nicht zuletzt ist Übergewicht ein wesentlicher Risikofaktor für viele Krankheiten, vor allem aber für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  Zudem wird das Erlernen eines gesunden Ernährungsverhaltens durch die Verwendung dieser Produkte erschwert.
Auch die Angaben von Broteinheiten  (BE) auf „Diätlebensmitteln“ schätzen Diabetologen kritisch ein. So wirken sich Zuckeraustauschstoff-BE anders auf den Blutzucker aus als BE aus Kohlenhydraten. Folglich besteht die Gefahr, auf Grund von solchen Angaben den Insulinbedarf falsch einzuschätzen.  
Tipp: Sagen Sie Ihren Kunden, Sie sollen sich nicht zum Kauf von speziellen Diabetiker-Lebensmitteln verführen lassen. Das ist nicht nur überflüssig, die Produkte sind in der Regel auch teurer als andere Lebensmittel. Grundsätzlich ist für Diabetiker gesund, was für andere Menschen auch gesund ist.

Der richtige Dreh

Wer sich mit dem Thema Gewichtsmanagement persönlich oder beruflich auseinandersetzt, wünscht sich nicht selten einen raschen Zugang zu zweckdienlichen Informationen. Als praktische Helfer machen sich dabei spezielle Drehscheiben nützlich. Sei es zur Ermittlung des Bodymaßindex (BMI) oder für die Bestimmung des Kaloriengehaltes von 250 g Grillhähnchen – mit den beweglichen Segmenten lässt sich schnell die gewünschte Auskunft einholen. Meist entfällt auf diese Weise auch lästiges Rechnen – die runden Karten zeigen nach persönlicher Voreinstellung auf einen Blick das jeweilige Ergebnis. Da es sich häufig um Werbeaccessoires handelt, kann es sich gerade in der Apotheke lohnen, entsprechende Firmen darauf ansprechen. (z. B. der Kalorien- & Bewegungs-Kompass von Formoline L 112 oder die drehbare Karte zur Bestimmung des BMI von Berlin-Chemie Menarini).

Autorin

Franziska Wartenberg

Quellen

www.diabetes.de, „Ernährungstipps“; G.-W. Schmeisl, „Schulungsbuch für Diabetiker“, Urban & Fischer-Verlag, 6. Auflage, 2009; Dr. med. M. Töller, W. Schumacher, „Richtig essen bei Diabetes“, Hirzel-Verlag, 3. Auflage, 2009