Zertifikatskurs Diabetes
Urintests – Ergänzung, aber kein Ersatz
Gelegentlich werden im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder zur Therapiebegleitung außer der Blutzuckerkontrolle ergänzende Urintests durchgeführt, um die diabetische Stoffwechsellage umfassender abschätzen zu können. Verschiedene Schnelltests – auch vom Patienten durchzuführen – liefern Hinweise zu möglichen Entgleisungen und ersten Folgeschäden an der Niere. Die Auswertung der Teststreifen erfolgt über den Vergleich einer Farbskala am Behältnis.
Urinzucker
- Im Gegensatz zur Blutzuckeruntersuchung wird mit diesem Test nicht der aktuelle Stand des Zuckerstoffwechsels sondern nur eine durchschnittliche Zuckerausscheidung wiedergegeben.
- Ab einem Blutzuckerspiegel von 160-180 mg/dl kann die Niere die Glukose nicht mehr vollständig zurückhalten – der Zucker lässt sich jetzt auch im Urin feststellen (Nierenschwelle). Diese Nachweisgrenze steigt mit zunehmendem Alter und bei Nierenfunktionsstörungen an, so dass in diesen Fällen der Blutzucker erst ab Werten von 250 mg/dl ausgeschieden wird; in der Schwangerschaft kann die Nierenschwelle auch erniedrigt sein und falsch-positive Werte anzeigen.
- CAVE! Diabetesbedingte Spätschäden bilden sich bereits unterhalb der Nierenschwelle, weshalb für eine optimale Stoffwechseleinstellung immer der Blutzucker auschlaggebend sein sollte.
Azeton (Ketonkörperbestimmung)
- Zu empfehlen vor allem für Typ-1-Diabetiker und Patienten mit hohen Blutzuckerwerten (über 250 mg/dl), da diese besonders zur Übersäuerung des Blutes neigen.
- Angezeigt werden mittlere bis schwere Stoffwechselentgleisungen, z. B. Ketoazidose.
- Der Nachweis von Azeton als wichtigstem Ketonkörper im Urin ist ein Warnsignal für länger andauernde Über- oder teils auch Unterzuckerung. Aufgrund des Insulinmangels wird auf die Fettreserven zurückgegriffen, die nur unvollständig abgebaut werden, so dass Ketonkörper entstehen. Diese sind über Blut- und Urintests, aber auch über die Atemluft nachweisbar.
- Keton darf innerhalb von 6 Stunden nicht mehr nachweisbar sein. Danach muss die Stoffwechselentgleisung im Krankenhaus behandelt werden.
Albumintest
- Auch als Mikroalbumintest bezeichnet, dient er zur Überprüfung der Nierenfunktion.
- Ist die Filterfunktion der Niere beispielsweise durch diabetische Schäden beeinträchtigt, wird das Eiweiß Albumin, welches sich normalerweise nur im Blut befindet, bereits in geringen Mengen im Urin nachweisbar.
- CAVE! Falsch-positive Werte können sich z. B. aufgrund von Harnwegsinfekten, Fieber oder Hypertonie ergeben.
Eine weitere Möglichkeit, den Verlauf der Blutzuckereinstellung zu beurteilen, ergibt sich mit der Bestimmung des Fruktosamins (an Bluteiweiß gebundener Traubenzucker) im Rahmen einer klinischen Blutuntersuchung. Ähnlich wie beim HbA1c-Wert werden hier glykierte Serumproteine, v.a. das Albumin, ermittelt. Diese „verzuckerten“ Eiweiße besitzen jedoch nur eine Halbwertszeit von etwa 14 Tagen und sagen als „Schnelltest“ etwas über die kurzfristige Blutzuckereinstellung der letzten 2-3 Wochen aus. Anhand des Fruktosaminspiegels (hat übrigens nichts mit dem Fruchtzucker Fruktose zu tun) lässt sich gerade die Neueinstellung eines Typ-1-Diabetikers gut bewerten. Ein Normbereich ist allerdings aufgrund hoher individueller Variationen nicht eindeutig festgelegt. Die Werte sollten sich idealerweise zwischen 200 und 285 µmol/l befinden.
Autorin
Franziska Wartenberg
Literatur
G.-W. Schmeisl, „Schulungsbuch für Diabetiker“, Urban & Fischer-Verlag, 6. Auflage, 2009
Dr. B. Ruhland, „Diabetes. Bescheid wissen – besser leben“, Hirzel-Verlag, 15. Auflage, 2009