Zertifikatskurs Diabetes

Fix (und) fertig (11-2010)

Vor der Injektion mit dem Pen bedarf es ein paar kleiner Handgriffe, um das Gerät startklar zu machen. Wird Verzögerungsinsulin oder Mischinsulin verwendet, muss der Pen vor dem Spritzen 10-mal langsam geschwenkt und 10-mal zwischen den Händen gerollt werden. Anschließend wird die Pen-Nadel aufgesetzt. Dazu zieht man die Schutzfolie von der äußeren Nadelkappe ab und setzt die Kanüle gerade auf das Gewinde des Patronenhalters. Je nach Nadeltyp wird die Nadel aufgeschraubt oder -gesteckt. Danach nimmt man die äußere und die innere Nadelkappe ab. Zur Funktionskontrolle wird empfohlen, über den Drehknopf ein bis zwei Insulineinheiten einzustellen. Bei senkrecht nach oben gerichteter Pen-Nadel wird nun der Injektionsknopf gedrückt. Tritt Insulin aus, ist das System bereit zur Anwendung. Jetzt muss nur noch die richtige Insulindosis eingestellt und anschließend injiziert werden. Haften kleine Luftbläschen an der Wand der Insulinpatrone, hilft meist ein leichtes Klopfen an den Patronenhalter des Pens, um die Bläschen zu lösen. Sie steigen dann auf und wandern vor die Nadel, von wo aus sie sich einfach herausdrücken lassen.

Muss bei einem wiederbefüllbaren Pen die Patrone gewechselt werden, kann beim ersten Mal ein Blick ins Handbuch des jeweiligen Gerätes hilfreich sein. In der Regel werden folgende Schritte durchgeführt:

  • den unteren Teil des Insulinpens abschrauben, in dem sich die leere Patrone befindet
  • Patrone herausnehmen und die Gewindestange zurückschieben
  • eine neue Patrone mit dem schmaleren Ende (Gummiseptum) voran in den Patronenhalter schieben und den Pen wieder zusammenschrauben
  • jetzt eine neue Pen-Nadel aufschrauben oder aufstecken und die Funktion des Pens überprüfen

Insulinspritzen sicher anwenden

Insulinspritzen werden heute nur noch selten verwendet. Dennoch ist es für jeden insulinpflichtigen Diabetiker wichtig, sich mit der Handhabung dieser Injektionshilfen auszukennen. Schnell kann es sein, dass der Pen im Urlaub oder am Wochenende kaputt geht und auf die Schnelle kein Ersatzgerät verfügbar ist. Ein kleiner Vorrat an Insulinspritzen sei daher jedem Patienten empfohlen. Es muss immer beachtet werden, die passenden Spritzen für das jeweilige Insulin zu verwenden: U-100-Spritzen für 100 I.E.-Insulin und U-40-Spritzen für 40I.E.-Insulin. Pens enthalten übrigens immer 100 I. E. konzentriertes Insulin!

Aufziehen aus einer Ampulle/Patrone:

  1. NHP-Verzögerungs- oder Mischinsuline vor dem Aufziehen homogenisieren.
  2. Anfangs die Menge an Luft in die Spritze aufziehen, die später an Insulin gespritzt werden soll.
  3. Dann die Nadel durch das Gummiseptum stechen und die Luft in die Ampulle oder Patrone drücken.
  4. Jetzt die Ampulle oder Patrone samt Spritze umdrehen und die gewünschte Menge Insulin plus 5 zusätzliche Einheiten „kopfüber“ aufziehen.
  5. Zum Schluss die zu viel aufgezogene Menge Insulin zusammen mit möglichen Luftbläschen wieder in das Behältnis zurückdrücken und anschließend die Spritze herausziehen.

Muss ein Mischinsulin hergestellt werden, ist zu beachten, dass zuerst das klare Normal- oder Analog-Insulin in die Spritze aufgezogen wird und erst dann das trübe Verzögerungsinsulin dazukommt. Es darf dabei nach dem Aufziehen des ersten Insulins kein Insulin aus der Spritze in das Behältnis des Verzögerungsinsulins gelangen. Das Verzögerungsinsulin muss demnach exakt bis zum Eichstrich der Gesamtmenge abgemessen werden – ohne die Zugabe von 5 IE, denn ein Zurückspritzen der Flüssigkeit bis zur gewünschten Einheit ist hierbei nicht erlaubt. Übrigens sollten die beiden, zum Herstellen eines Mischinsulins verwendeten Insuline von der gleichen Firma stammen.

So sag ich es meinem Kunden – wenn der Blutzucker trotz Insulinsubstitution nicht stimmt

So sag ich es meinem Kunden – was muss beim Umgang mit Insulinpens beachtet werden?

Bei der Beratung in der Apotheke ist es oft erforderlich, Patienten komplexe Zusammenhänge kurz und verständlich zu erklären. Bringen Sie dabei Ihr Fachwissen ganz einfach auf den Punkt. Schon mit wenigen Worten lassen sich erklärende Antworten zu jenen Fragen formulieren, die Ihnen im Patienten-Gespräch begegnen könnten.

Mein Arzt hat mir empfohlen, das NHP-Mischinsulin morgens in den Bauch und abends in den Oberschenkel zu spritzen. Warum?

In den Bauch gespritztes Insulin wird schneller ins Blut aufgenommen als in den Oberschenkel gespritztes Insulin. Ihr Mischinsulin enthält schnell wirkendes Normalinsulin und langsam wirkendes NHP-Insulin. Morgens möchte man zum Frühstück die schnelle Wirkung des Normalinsulins noch besser ausnutzen und spritzt daher in den Bauch. Abends steht der lang wirksame Insulinanteil im Vordergrund, dessen Wirkung durch Injektion in den Oberschenkel noch etwas mehr verzögert wird.

Ich spritze mein Mahlzeiteninsulin immer in den Bauch. Muss ich etwas dabei beachten?

Es ist wichtig, dass Sie nicht immer an derselben Stelle injizieren. Versuchen Sie ein Spritz-Muster zu verwenden. Zwischen den Injektionsstellen sollten 2 bis 3 cm Abstand sein. Es wäre gut, erst wieder nach einem Monat auf genau dieselbe Stelle zu treffen.

Mein Arzt hat mir zum Ausprobieren verschieden lange Pen-Nadeln mitgegeben. Wann soll ich denn welche benutzen?

Die jeweilige Nadellänge richtet sich nach der Injektionsstelle und der Dicke des dort befindlichen Unterhautfettgewebes. Wenn Sie in den Oberschenkel spritzen, sollte die Länge der Nadel nicht mehr als 8 mm betragen. Außerdem müssen Sie eine Hautfalte bilden und am besten schräg einstechen, um keinen Muskel zu erwischen. Längere Nadeln (10­–12,7mm) sind hauptsächlich für Injektionen in den Bauch bei sehr dicken Menschen gedacht.

Der Diabetologe hat gesagt, ich soll die Nadeln vom Pen jedes Mal wechseln. Ist das denn nötig?

Wenn eine Insulinnadel bereits einmal verwendet wurde, ist ihre Spitze stumpf und die Gleitschicht, die das Pieken angenehmer machen soll, ist abgenutzt. Verwenden Sie die Nadel weiter, wird die nächste Injektion wahrscheinlich schmerzhaft. Außerdem besteht die Gefahr, dass Sie mit der Zeit Beulen oder Dellen an Ihren bevorzugten Spritzstellen haben werden. Das Gewebe verhärtet an diesen Bereichen. Wechseln Sie also mit jeder Injektion auch die Nadel. Der Arzt darf Ihnen so viele verordnen, wie für Ihre Insulintherapie notwendig sind.

Ich fliege demnächst in den Süden. Wie soll ich mein Insulin transportieren?

Nehmen Sie sowohl Ihren Pen als auch die Nachfüllpatronen mit ins Handgepäck. Im Frachtraum, wo Ihr Koffer normalerweise transportiert wird, kann es sehr kalt werden. Insulin verträgt jedoch keine frostigen Temperaturen. Außerdem könnte Ihr Koffer abhanden kommen. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt eine Bescheinigung ausstellen, dass Sie insulinpflichtiger Diabetiker sind. Dann dürfte es bei der Zollabfertigung keine Probleme geben. Im Urlaubsland sollte das Insulin nicht bei Temperaturen über +30°C aufbewahrt werden.

Mein Pen ist kaputt. Kann ich das Insulin auch in eine Insulinspritze ziehen und injizieren, so, wie ich es früher immer gemacht habe?

Sie können für diesen Fall herkömmlichen Insulinspritzen gut verwenden. Achten Sie nur bitte darauf, dass Sie Spritzen mit den passenden Einheiten verwenden, also in dem Fall U-100-Injektionsspritzen. In Pens und Patronen sind nämlich immer U-100-Insuline enthalten.

Quelle

Franziska Wartenberg