Zertifikatskurs Diabetes
Metformin – Die Basissubstanz
Neue Erkenntnisse zum Wirkungsmechanismus und bei der Indikation
Aufgrund seiner antihyperglykämischen und kardiovaskulär protektiven Wirksamkeit ist Metformin weltweit die Basissubstanz in der Therapie des Typ-2-Diabetes. Die nicht insulinotrope Wirkung des Metformins beruht auf einer Hemmung der endogenen Glukoseproduktion, insbesondere der hepatischen Glukoneogenese sowie auf einer Steigerung der Glukoseaufnahme in die peripheren insulinsensitiven Gewebe.
Aus Furcht vor Laktazidosen schließen die gegenwärtigen Kontraindikationen (KI) eine Vielzahl von Typ-2-Diabetikern von einer Therapie mit Metformin aus, obwohl manche der klassischen KI sich heute sogar als Indikationen darstellen. Die derzeit von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfohlenen KI betonen Krankheitszustände, die über eine gestörte renale Ausscheidung zur Akkumulation von Metformin führen bzw. über schwere Sauerstoffmangelerscheinungen im Gewebe oder gestörten hepatischen Laktatabbau erhöhte Laktatspiegel hervorrufen können. Neuere Daten stellen jedoch die traditionellen KI infrage. Da das Auftreten von Laktazidosen bei Typ-2-Diabetikern mit und ohne Metformin-Therapie mit jeweils ca. 9 pro 100 000 Patientenjahre identisch ist, besteht keine medizinische Beweisgrundlage, dass eine Metformin-Therapie mit einem erhöhten Risiko für Laktazidosen verknüpft ist. Ebenso wurde trotz häufiger Missachtung gravierender KI keine damit einhergehende Steigerung des Auftretens von Laktazidosen registriert. Die Metformin-Therapie bei geriatrischen Diabetikern mit expliziten KI führte zu günstigeren metabolischen Parametern als bei der Kontrollgruppe ohne Metformin. Laktazidosen fanden sich nicht. Meta-Analysen zeigten, dass im Vergleich zu anderen oralen Antidiabetika – insbesondere Rosiglitazon – Metformin mit einer reduzierten kardiovaskulären Sterblichkeit und nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz verbunden war. Aufgrund der aktuellen Datenlage sind zumindest höheres Lebensalter sowie die ausgeglichene Nieren- und Herzinsuffizienz als KI für Metformin nicht mehr aufrechtzuerhalten. Metformin weist eine geringe Lipophilie und kurze Plasmahalbwertszeit (1,5–4,9 h) auf; es wird unverändert über die Niere ausgeschieden.
Da Metformin nicht über das genetisch polymorphe hepatische CYP-System metabolisiert wird, existieren auf dieser Basis keine Interaktionen mit anderen Pharmaka.
Vortrag PD Dr. med. Andreas Holstein „Paradigmenwechsel und Kontroversen in der oralen Therapie“, 6.11.2009, Gemeinsame Tagung der DDG und DAG, Berlin
Quelle
Current congress zur Gemeinsamen Tagung der DDG und DAG in Berlin am 6.11.2009, Karl Demeter Verlag im Georg Thieme Verlag KG, modifiziert von Franziska Wartenberg