Zertifikatskurs Diabetes

Immer unter Kontrolle (13+14-2010)

In den letzten Jahren brachte die so genannte sensorunterstützte Insulintherapie gute Erfolge hinsichtlich stabiler Blutzuckerwerte bei Kindern und Jugendlichen. Bei diesem Prinzip überwacht ein ins Unterhautfettgewebe eingebrachter Sensor kontinuierlich den Blutglukosespiegel und zeigt die ermittelten Daten auf einem Display an. Drohen zu hohe oder zu niedrige Werte, wird der Patient akustisch gewarnt. Gerade im Spiel vergessen Kinder, auf ihre Blutzuckerwerte zu achten. Einige dieser Geräte lassen sich an eine Insulinpumpe koppeln, so dass bei unerwünschten Schwankungen die Insulinzufuhr schnell korrigiert werden kann. Trotz besserer HbA1c-Werte haben Kinder und Jugendliche aber häufig Probleme damit, diese Sensoren ständig zu tragen. Untersuchungen sollen erst noch herausfinden, für welche jungen Diabetiker diese Geräte besonders geeignet sind.

Es muss nicht immer Typ-1-Diabetes sein

Neben der häufigsten Diabetesform unter Kindern und Jugendlichen, dem Typ-1-Diabetes, gibt es auch andere Arten, die aufgrund genetischer Defekte schon bei sehr jungen Patienten auftreten. Sie kommen zwar seltener vor, können für Betroffene aber lebensbedrohlich werden. Manifestiert sich die Zuckerkrankheit bereits in den ersten 6 Lebensmonaten, sprechen Ärzte auch von neonatalem Diabetes mellitus. Hier kann ein Gendefekt ursächlich für eine Entwicklungsstörung der Bauchspeicheldrüse oder der Beta-Zellen sein. Auch dem MODY (Matury Onset Diabetes of the Young oder Erwachsenen-Diabetes im Kindesalter) liegen Erbgutfehler der Beta-Zellfunktion zugrunde. Das Krankheitsbild beim MODY ähnelt denen eines Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen, die Kinder sind jedoch nicht übergewichtig. Der Begriff MODY wird nicht mehr überall verwendet. Oft ist diese Erkrankungsform der Diabetes-Typ-3-Gruppe zugeordnet, die weitere Arten von Zuckerstoffwechselstörungen unterschiedlicher Ursachen zusammenfasst. Eine eingeschränkte Lebenserwartung haben Kinder, die unter dem DIDMOAD-Wolfram-Syndrom leiden. Hier führt ein Gendefekt zum Ausfall des Proteins Wolframin, das in allen Zellen des Körpers benötigt wird. Anfangs erkranken die betroffenen Kinder an einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus. Einige Jahre später treten zusätzlich Sehverluste auf und das Hörvermögen nimmt ab. Auch die Blasenentleerung kann beeinträchtigt sein. Wissenschaftler hoffen, mit der Entschlüsselung des Krankheitsmechanismus spezifische Therapien gegen diese genetisch bedingten Erkrankungen entwickeln zu können.

Franziska Wartenberg

Quellen: Gesundheitsbericht 2010 diabetes.de; www.diabetes-deutschland.de; P. Hien, B. Böhm, „Diabetes-Handbuch“, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 5. Auflage, 2007;Pressemitteilung zur 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, Mai 2010

Empfohlener Anteil der Nahrungskomponenten bei der täglichen Energiezufuhr für Kinder ab 4 Jahren (Kinder bis zu 4 Jahren benötigen eine höhere Zufuhr von Fett und Protein als ältere Kinder).

Nahrungsbestandteil Anteil an der täglich zugeführten Gesamtenergie in Prozent
Kohlenhydrate gesamt 40-60%
Saccharose <10%
Fette gesamt max. 35%
Gesättigte Fettsäuren <10%
Einfach ungesättigte Fettsäuren 10-max. 20%
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren <10%
Eiweiße 10-20%
Fasergehalt der Nahrung 5g/Tag
Salzgehalt der Nahrung <6g/Tag

Franziska Wartenberg

Quelle: Evidenzbasierte Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Schulung als Erlebniswochen

Eine gute Blutzuckereinstellung ist die Voraussetzung, um diabetesbedingte Folgeerkrankungen und Akutkomplikationen zu vermeiden. In speziellen Schulungen lernen junge Diabetes-Patienten und ihre Eltern sämtliche Fertigkeiten der selbständigen Therapiedurchführung: von der Blutzuckermessung über die richtige Ernährung bis hin zur angepassten Insulingabe. Auch besondere Situationen, wie Diabetes im Schulalltag oder in der Pubertät werden gezielt betreut. Häufig schließt sich an den Krankenhausaufenthalt nach der Erstdiagnose eine Reha-Behandlung an. Die Inselklinik Haus Gothensee in Heringsdorf auf der Insel Usedom bietet dafür ein Programm der besonderen Art: In so genannten erlebnispädagogischen Schulungen wird den jungen Diabetikern nicht nur theoretisches Wissen über die Erkrankung vermittelt, sondern das Erlernte mit Aktivitäten kombiniert. Zwischen Erlebnissen, wie z. B. Mountainbiken, Segeln oder Schiffsausflügen, werden die Patienten immer wieder angehalten, theoretisch Erlerntes unmittelbar praktisch umzusetzen, zu überprüfen, zu verinnerlichen und somit zu automatisieren. Der Behandlungsplan ist individuell abgestimmt. Sowohl frisch manifestierte Diabetespatienten – zumeist nach initialer Akutbehandlung im Krankenhaus, Patienten zur Einstellung auf und Umstellung der Insulinpumpentherapie als auch Betroffene von Diabetes in Kombination mit Adipositas werden in dieser Klinik betreut und nach den Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) geschult.

Eine ähnliche Kombination bietet das Projekt „Erlebniswoche für Kinder mit Diabetes“ von diabetesDE mit Unterstützung der Bundesweiten Fördergemeinschaft Junger Diabetiker e.V. (BFJD) an. Während der Woche lernen bis zu 20 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren, mit der Krankheit im Alltag umzugehen. Dabei werden sie von sechs Erwachsenen betreut. Die kleinen Patienten treffen andere junge Diabetiker, treiben zusammen Sport, ernähren sich gesund und nehmen an Schulungen teil. Sie sollen lernen, dass ihr Leben genauso lebenswert ist wie das nicht kranker Kinder. Die Erlebniswoche wird vom 17. bis 22. Oktober 2010 auf der Burg Rabenstein mit Rittersaal und Falknerei in Fläming (Brandenburg) stattfinden. Eltern können ihre Kinder im Alter zwischen 7 und 12 Jahren dafür anmelden. diabetesDE unterstützt das Projekt aus Spendengeldern, so dass die Familien lediglich eine Selbstbeteiligung von 125 Euro (Mitglieder diabetesDE) bzw. 200 Euro (Nichtmitglieder) zu zahlen haben.

Franziska Wartenberg

Quelle: Informationen der Fachklinik für Kinder-und Jugendmedizin im Haus Gothensee, Heringsdorf/Usedom; Pressemitteilung diabetesDE, www.diabetes.de

Frühzeitige Insulin-Therapie bei Diabetes Typ 3 verlängert Lebensdauer

Berlin – Ein Viertel der Menschen mit der Erbkrankheit Mukoviszidose oder zystische Fibrose (CF) erkrankt bereits im Kindesalter an einem Diabetes mellitus Typ 3. Neueste Daten zeigen, dass sich eine frühzeitige Diabetes-Diagnose und -Behandlung positiv auswirkt. diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) raten Betroffenen deshalb zu einer konsequenten Insulin-Therapie.

CF ist die häufigste unheilbare Erbkrankheit. Etwa 8000 Menschen sind in Deutschland daran erkrankt. Der Gendefekt führt in verschiedenen Organen zur Bildung eines zähen Sekrets. In der Lunge begünstigt dies häufige und schwerwiegende Infektionen, an denen die Patienten früher oft bereits im Jugendalter starben.

Dank der verbesserten Therapie ist die Lebenserwartung von Patienten in den letzten Jahren auf durchschnittlich 36 Jahre gestiegen. Dadurch erlangen andere Folgen der Erbkrankheit zunehmend Bedeutung. „Die häufigste Begleiterkrankung ist ein Diabetes mellitus, an dem bis zu 30 Prozent der Patienten im Verlauf ihres Lebens erkranken”, erläutert PD Dr. med. Manfred Ballmann von der Abteilung Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Insulinmangel bei CF-Patienten entsteht durch die Bildung von Sekret in der Bauchspeicheldrüse. Es verstopft die Ausführungsgänge und schädigt die benachbarten Inselzellen, in denen Insulin und andere Hormone gebildet werden. Diese Form des Diabetes mellitus wird dem Diabetes Typ 3 zugeordnet.

„Diabetes beginnt bei 25 Prozent der CF-Patienten bereits im frühen Kindesalter“, erläutert Ballmann in einem Fachzeitschriften-Artikel. Sinnvoll sei deshalb ein jährlicher oraler Glukosetoleranztest (OGT) ab dem zehnten Lebensjahr. Die frühe Diagnose ist wichtig, weil Diabetes die Lungenfunktion verschlechtern kann. Der Verlust von Lungenfunktion kann selten wieder hergestellt werden. Vor allem weibliche Patienten hatten bisher eine niedrigere Lebenserwartung, wenn sie zusätzlich an Diabetes erkrankten. Die neuen Zahlen zeigen, dass dies heute nicht mehr der Fall ist. Ballmann führt diesen Erfolg auf die frühzeitige Diabetes-Therapie zurück. Die Gabe von Insulin ist bisher die einzige geprüfte Diabetes-Therapie für CF-Patienten. In klinischen Studien wird derzeit auch die Wirkung von Blutzucker senkenden Tabletten, die sogenannten oralen Antidiabetika, überprüft.

Unter dem Namen Diabetes Typ 3 sind Diabetes-Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen zusammengefasst. Dazu gehört Diabetes als Folge von Erkrankungen wie CF, Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Infektionen. Auch Tumore, Operationen, genetische Defekte oder Medikamente können einen Diabetes Typ 3 auslösen.

Quelle: Pressemitteilung 14.4.2010, www.diabetes.de, (M. Ballmann, Mukoviszidose und Diabetes, Diabetologe 2010; 6: 16-22; DOI 10.1007/s11428-009-0437-6)

So sage ich es meinem Kunden – was muss bei Kindern mit Diabetes beachtet werden?

Bei der Beratung in der Apotheke ist es oft erforderlich, Patienten komplexe Zusammenhänge kurz und verständlich zu erklären. Bringen Sie dabei Ihr Fachwissen ganz einfach auf den Punkt. Schon mit wenigen Worten lassen sich erklärende Antworten zu jenen Fragen formulieren, die Ihnen im Patienten-Gespräch begegnen könnten.

Bei meinem Kind wurden zu hohe Blutzuckerwerte festgestellt. Der Arzt meint, es hätte Typ-1-Diabetes. Kann das sein? Es ist doch erst 5 Jahre alt? Hat es zu viele Süßigkeiten gegessen?

Der Typ-1-Diabetes kann schon in sehr jungen Jahren auftreten, manches Mal sogar bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Ursachen sind nicht bekannt, doch diese Art von Diabetes wird keinesfalls durch zu viele Süßigkeiten hervorgerufen. Sie müssen sich keine Vorwürfe machen. Künftig wird es jedoch sehr wichtig sein, die Ernährung ihres Kindes genau im Auge zu behalten.

Mein Kind hat Diabetes und soll künftig mit Insulin behandelt werden. Was tun, wenn es sich weigert?

Ein stabiler Blutzucker ist für Ihr Kind sehr wichtig. Nur damit lässt sich die Gefahr von Folgeerkrankungen und lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen verringern. Versuchen Sie, ihr Kind spielerisch in die Blutzuckermessung oder die Insulingabe einzubeziehen. Es wird lernen, dass die Behandlung seiner Erkrankung zu seinem normalen Alltag dazugehört. Je mehr es selbst dabei machen kann, umso größer wird die Akzeptanz.

Was mache ich, wenn mein Kind im Kindergarten ist?

Sprechen Sie auf jeden Fall mit den betreuenden Personen und klären Sie sie über die notwendigen Behandlungen auf. Manche Kindergärtnerinnen kennen sich mit Insulingaben und Blutzuckermessungen aus oder sind bereit, es zu lernen. So können sie auch schnell auf mögliche Stoffwechselentgleisungen bei ihrem Kind, wie Unterzucker, reagieren.

Darf mein Kind mit Typ-1-Diabetes herumtoben?

Es ist wichtig, dass Ihr Kind genauso unbeschwert sein kann, wie andere Kinder in seinem Alter. Dazu gehört auch Toben und Eis essen. Über regelmäßiges Blutzuckermessen und eine darauf abgestimmt Insulinzufuhr lassen sich auch sportliche Aktivitäten gut „managen“.

Mein Kind ist erst 2 Jahre alt und soll schon eine Insulinpumpe bekommen. Ist das sinnvoll?

Insulinpumpen ahmen die natürliche Insulinfreisetzung, wie sie bei gesunden Menschen abläuft, am besten nach. Gerade für kleine Diabetiker ist die Pumpe eine sehr gute Therapieform. Sie müssen nicht so häufig spritzen, trotzdem erhält Ihr Kind die Insulinmengen, die es braucht. Sie können den Grundbedarf an Insulin in das Gerät einspeichern und zu den Mahlzeiten per Knopfdruck noch Insulin dazugeben.

Mein Kind ist zu dick. Kann das später zum Problem werden?

Mal ganz abgesehen davon, dass Ihr Kind sich wahrscheinlich jetzt schon unwohl fühlt, weil es vielleicht von anderen Kindern gehänselt wird und nicht so herumtoben kann, nimmt die Gefahr von Stoffwechselerkrankungen mit starkem Übergewicht zu. Einige fettleibige Jugendliche leiden bereits unter Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes. Mit einem ausgewählten Ernährungs- und Bewegungsprogramm können Sie das Ihrem Kind ersparen.