Zertifikatskurs Diabetes

Reise-Checkliste für Diabetiker (18-2010)

  • Insulin-Fertigpens und -Patronen; blutzuckersenkende Tabletten (doppelte Menge)
  • Insulinpen, gegebenenfalls Ersatzpen
  • Pen-Nadeln, Lanzetten, Teststreifen (doppelte Menge)
  • Stechhilfe, Blutzuckermessgerät, Ersatzbatterien- und gerät
  • Einmalspritzen U100, wenn Pen oder Pumpe ausfallen (wer ansonsten U40 Insulin verwendet, benötigt U40 Einmalspritzen)
  • eventuell Blutzuckerteststreifen, die anhand einer Farbskala abgelesen werden (funktionieren ohne Gerät)
  • bei hohem Unterzuckerrisiko: Glukagon-Set
  • evtl. Keton-Teststreifen
  • Kühltasche für Insuline und Pens
  • Traubenzucker, Snacks, Verpflegung
  • Attest vom Arzt über mitgeführten Diabetiker-Bedarf http://www.diabetes-ratgeber.net/Diagnose/Attest-fuer-Flugreisende-Problemlos-durch-den-Sicherheitscheck-20920.html
  • Diabetiker-Ausweis, bevorzugt in der Sprache des Reiselandes, mindestens in englischer Sprache bzw. Diabetiker-Reiseausweis (erhältlich beim Diabetologen)
  • eventuell Broteinheiten- und Kohlenhydrataustauschtabelle mit Angaben zu fremden Speisen http://www.diabetes-world.net/Portal-fuer-Patienten-und-Interessierte/Services/Hilfreiches/Nachschlagewerke.htm?ID=2462
  • Auslandskrankenschein/Auslandskrankenversicherung
  • wichtige Adressen zu Diabetes-Ärzten/-Kliniken und der Deutschen Botschaft im jeweiligen Reiseland
  • bei Bedarf: Impfausweis

... was noch in die Reiseapotheke gehört:

  • weitere Dauermedikamente
  • Mittel gegen Fieber, Schmerzen, Erbrechen und Durchfall (im Vorfeld mit Arzt besprechen, wie die Insulin- bzw. Tablettendosis bei Fieber oder Brech-Durchfällen angepasst werden sollte)
  • Elektrolyte (nach Brech-Durchfällen)
  • Sonnen- und Insektenschutzmittel
  • Gele oder Cremes gegen Sonnenbrand und Juckreiz
  • Desinfektionsmittel (Wunden, Oberflächen)
  • Pflaster
  • Druckschutzpflaster für Füße

Übrigens: Hier finden Interessierte einen Diabetes-Dolmetscher für folgenden Sprachen:

Englisch – Französisch – Italienisch – Türkisch – Spanisch – Niederländisch – Polnisch – Portugiesisch

Sport, Insulin und Broteinheiten geschickt kombinieren

Um Hypoglykämien beim Sport zu vermeiden, ist es meist notwendig, die Insulindosis zu reduzieren oder Kohlenhydrate extra zuzuführen. In welchem Umfang diese Maßnahmen erfolgen müssen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Art, Intensität und Dauer der Muskelarbeit: kurzes Krafttraining oder langanhaltender Ausdauersport; der Energie- und Kohlenhydratverbrauch nimmt mit Intensität und Dauer der Muskelarbeit zu, denn je mehr Muskelgruppen in Aktion sind, umso stärker fällt der Blutzucker ab. Außerdem kann sich die Steigerung der Insulinwirkung durch den Sport noch ein bis zwei Tage nach dem Training bemerkbar machen.
  • Einflüsse auf die Insulinverfügbarkeit durch Umgebungstemperaturen (in der Wärme wirkt Insulin schneller), Injektionsort (Muskel=rasche Insulinwirkung, Unterhautfettgewebe=langsamere Insulinwirkung) und Zeitpunkt der Injektion (am besten in der Abklingzeit der Insulindosis Sport treiben)
  • Art des Insulins und der Insulintherapie: die Insulindosis lässt sich unter der intensivierten konventionellen Insulintherapie und unter der Pumpentherapie am einfachsten an sportliche Aktivitäten anpassen
  • der gegenwärtige Trainingszustand
  • aktueller Blutzucker und Zeitpunkt der letzten Mahlzeit vor der sportlichen Bewegung, sowie die Art und Menge der zugeführten Kohlenhydrate

Letztlich muss jeder Diabetiker durch häufige Blutzuckerselbstkontrollen und eventuell dem Führen eines Sport-Tagebuchs herausfinden, in welchem Ausmaß sich die körperliche Aktivität auf seinen persönlichen Blutzucker auswirkt. Folgende Vorschläge sind daher lediglich Anhaltspunkte für Maßnahmen, mit denen sich Hypoglykämien beim Sport vermeiden lassen.

  • Bei Aktivitäten von kurzer Dauer (eine halbe bis eine Stunde) und geringer bis mittlerer Intensität (z. B. normales Radfahren, Gartenarbeit) genügt es, zusätzliche BE (Broteinheiten) zu sich zu nehmen (etwa je 2 BE vor und nach der Betätigung), bei Bedarf und Möglichkeit kann auch das zuletzt injizierte Mahlzeiten-Insulin (kurz oder ultrakurz wirksam) um ca. 10-20% reduziert werden
  • Bei Aktivitäten von längerer Dauer und intensiver Bewegung (z. B. Fußballspielen, Joggen) sollte immer die Insulindosis reduziert werden: kurz und ultrakurz wirksames Insulin um 30-60%, Mischinsulin um 10-20%
  • Bei ganztägigen Aktivitäten (z. B. Skiwanderung, Radtouren) sollten Normal- und Basalinsulindosen um bis zu 50% verringert werden, häufig ist es auch sinnvoll, zwischendurch zusätzliche Kohlenhydrate zuzuführen (z. B. Cola, Fruchtsäfte, Müsliriegel, Obst, Brot)
  • Bei ganztägigen Aktivitäten sowie Sport am Nachmittag oder Abend sollte das Basalinsulin abends um 10-50% reduziert werden, da noch Stunden nach dem Training leere Glykogenspeicher in Muskeln und Leber aufgefüllt werden und dafür Glukose verstärkt aus dem Blut aufgenommen wird
  • Ist es für ganztägige Aktivitäten schwierig bis unmöglich, die Insulindosis zu reduzieren, müssen alle 20-30 Minuten zusätzliche Kohlenhydrate mit hoher Energiedichte in kleinen Mengen (je 1-2 BE) getrunken oder gegessen werden

Spezielle Fälle

Analog-Insuline:

  • die Dosis ultrakurz wirksamer Insuline (Lispro (Humalog®, Liprolog®), Aspart (NovoRapid®), Glulisine (Apidra®)) bei Sportbeginn und bis zu drei Stunden nach der Injektion und einer Mahlzeit um 25 bis 75% reduzieren, später sollte die Insulindosis nicht mehr verringert, dafür mehr Kohlenhydrate zugeführt werden
  • lang wirksame Insuline (Glargin (Lantus®), Detemir (Levemir®)) sollten bei kurzzeitigen Aktivitäten nicht vermindert werden, da im Falle des Ausbleibens der sportlichen Betätigung Nachteile für den Zuckerstoffwechsel entstehen, Hypoglykämien sollten besser durch zusätzliche BE und Reduktion der kurzwirksamen Insuline abgefangen werden
  • lang wirksame Insuline vor ganztägigen Sportaktionen um 20-40% und danach um 10-20% vermindern

Auf den (Zeit) punkt gebracht

Wie stark der Blutzucker bei sportlichen Aktivitäten abfällt, hängt unter anderem auch vom Zeitpunkt der Bewegung ab. Wird unter hohen Insulinspiegeln Sport getrieben, wie beispielsweise drei bis vier Stunden nach dem Spritzen eines Mischinsulins, sinkt der Blutzucker schneller als in der Abklingphase des injizierten Hormons. Daher wird empfohlen, unter einer konventionellen Therapie bevorzugt am Nachmittag zu trainieren, wenn die Spritze vom Vormittag langsam abklingt, die Abenddosis aber noch nicht injiziert wurde. Bei der intensivierten konventionellen Therapie sind körperliche Aktivitäten ab etwa zwei bis drei Stunden nach der letzten, vor einer Mahlzeit gespritzten Dosis (kurz oder ultrakurz wirksames Insulin) optimal. Insulinpumpenträger können für die Zeit der Muskelarbeit eine geringere Basalrate in das Gerät programmieren: > 1-2 Stunden Sport: Basalrate von Normalinsulin 2 Stunden vorher, die Basalrate von Analog-Insulin 1 Stunde vorher halbieren. Je nach Dauer und Intensität der Aktivitäten sollte die Pumpe noch bis zu 14 Stunden nach Sportende mit 10-50% reduzierter Basalrate laufen. Dauert die körperliche Anstrengung nicht länger als 2 Stunden, darf die Pumpe für diese Zeit auch ganz abgelegt werden.

Prominent bemerkt

Grundsätzlich ist es möglich, trotz Diabetes auch Hochleistungssport zu betreiben. Dies bewiesen zum Beispiel die Eishockeynationalspielerin Claudia Grundmann, der mehrfache Weltmeister im Kickboxen Detlev Kraft und der Olympiasieger im Gewichtheben Matthias Steiner.

Franziska Wartenberg

Quellen:

Dr. B. Ruhland, „Diabetes. Bescheid wissen – besser leben“, Hirzel-Verlag, 15. Auflage, 2009

Aktuelle Praxis-Leitlinie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG): „Diabetes, Sport und Bewegung“

www.diabetes.de