Zertifikatskurs Diabetes
Schulungen der besonderen Art (17-2010)
Unabhängig davon, ob Patienten schon länger mit Diabetes leben oder die Stoffwechselerkrankung erst im Alter bekommen, muss das selbständige Blutzuckermanagement erlernt und immer wieder aufgefrischt werden. Herkömmliche Diabetes-Schulungen sind jedoch nicht bei allen geriatrischen Patienten effektiv. Häufig übersteigen Lehrinhalte und Lerntempo die kognitiven Fähigkeiten der Senioren – schnell können sich Frust und Motivationsverlust breit machen. Aus diesem Grund wurde von der Arbeitsgruppe um Dr. Dr. med. Andrej Zeyfang, Diabetologe und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), eine speziell auf ältere Patienten zugeschnittene Diabetes-Schulung entwickelt. In der „Strukturierten Geriatrischen Diabetiker-Schulung (SGS)“ werden Informationen verständlich und altersgerecht vermittelt. Die Unterrichtseinheiten finden in Kleingruppen (4-6 Personen) statt und dauern nicht länger als 45 Minuten. Inhalte werden mehrfach wiederholt, wobei praktische Übungen im Vordergrund stehen. Ein Kernziel der Schulungen ist es, die Lebensqualität älterer Diabetiker zu verbessern. Ist es aufgrund starker geistiger und physischer Einschränkungen nicht mehr sinnvoll, den Patienten zu schulen, müssen die versorgenden professionellen Pflegekräfte aus der Altenhilfe entsprechend instruiert werden. Nach dem Konzept des Internisten und Diabetologen Dr. med. Alexander Friedl, stellvertretender Vorsitzender der AG Diabetes und Geriatrie der DDG, können sich die Pflegekräfte mit „Fortbildung Diabetes in der Altenpflege (FoDiAl)“ in einer zweitägigen Veranstaltung qualifizieren. In neun Themenblöcken wird unter anderem die Wirkung verschiedener Medikamente erläutert und auf die Ernährungsgewohnheiten älterer Patienten eingegangen. Anhand von Fallbeispielen und Übungen lernen die Altenpfleger und -pflegerinnen theoretische Aspekte auf die Praxis zu übertragen.
Impfen im Alter? – auf jeden Fall!
Bei der Frage, wie sinnvoll eine regelmäßige Immunisierung älterer Menschen ist, sind sich die Fachleute einig – gerade Impfungen gegen saisonale und epidemisch auftretende Erkrankungen können die Lebenszeit deutlich verlängern. Dr. med. Alexander Friedl vom Geriatrischen Zentrum in Stuttgart erklärt, dass sich dadurch die Sterberate älterer Menschen im Winter um 50 Prozent halbiert. Die Grippeimpfung (gegen Influenza) sollte jedes Jahr im Zeitraum zwischen September und November erfolgen. Ebenfalls für Senioren dringend empfohlen ist eine Impfung gegen Pneumokokken, die alle sechs Jahre aufgefrischt werden sollte. Hinzu kommen Immunisierungen, die jeder Mensch in regelmäßigen Abständen von 10 Jahren durchführen lassen sollte, z. B. gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung.
Diese Empfehlungen gelten auch für Diabetiker.
Passendes „Werkzeug“ für Senioren
Je älter ein insulinpflichtiger Diabetiker ist, umso schwieriger kann es für ihn werden, die täglichen Blutzuckerkontrollen und Injektionen korrekt durchzuführen. Meist ist die Sehkraft beeinträchtig und das Gefühl und die Kraft in den Händen lassen nach. Viele Firmen bedenken bei der Entwicklung von Blutzuckermessgeräten und Insulinpens die möglichen geriatrischen Gebrechen ihrer älteren Kundschaft. Große Displays und deutlich sichtbare Zahlen ermöglichen das Erkennen von Messwerten und das Einstellen der geforderten Insulindosis. Häufig unterstützen akustische Klickgeräusche die Handhabung der Geräte. Mit der Bereitstellung von Insulin-Einmal-Pens entfällt das – für sehbehinderte Diabetiker manches Mal umständliche – Wechseln der Insulinpatrone. Oft lassen sich die Injektion-auslösenden Knöpfe bei speziellen Produkten extra leicht herunterdrücken, so dass die gesamte Insulinmenge ohne großen Kraftaufwand gespritzt werden kann. Viele Hersteller von Blutzucker-Teststreifen sind dazu übergegangen, Sensoren ohne notwendige Vorab-Codierung bereitzustellen. Außerdem ist für die neuen Geräte eine deutlich kleinere Blutmenge pro Teststreifen erforderlich. Besonders praktisch für Menschen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten sind Teststreifen, die in einer Vorratstrommel in das Messgerät eingelegt werden.
Kriterien, die bei der Wahl eines seniorengerechten Blutzuckermessgerätes bedacht werden sollten:
- großes und gut erkennbares Anzeigendisplay
- einfache Handhabung von Teststreifen und Teststreifenbehälter
- Teststreifen möglichst ohne erforderliche Codierung
- einfaches Bedienen der Geräte
- geringe erforderliche Blutmenge
- problemloser Batteriewechsel
- einfache Reinigung
Tabelle 1 Produktbeispiele für Injektionshilfen mit seniorenfreundlichen Eigenschaften
| Produktbeispiel | Eigenschaften |
| KwikPen™ (Fertigpen der Firma Lilly) | Sanfte Injektion mit geringem Kraftaufwand |
| BerliPen® areo (wiederbefüllbarer Pen der Firma Berlin-Chemie) | sicheres Dosieren durch exaktes Einrasten und deutliches Klicken |
| InnoLet® (Fertigpen der Firma NovoNordisk) | Form einer Eieruhr, großes Display und große Zahlen, einfaches Bedienen |
| ClikStar® (wiederbefüllbarer Pen der Firma Sanofi-Aventis) | geringer Kraftaufwand beim Injizieren, gut lesbares, kontrastreiches Dosisfenster, fühlbares und hörbares Klicken |
Franziska Wartenberg
Quellen:
Vortrag Dr. med. A. Friedl, Gemeinsame Tagung DDG/DAG, Berlin, Nov. 2009;
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2008;
Vortrag Dr. Dr. med. Andrej Zeyfang, Jahrestagung der DDG Mai 2010,
Produktinformationen der pharmazeutischen Hersteller
So sage ich es meinem Kunden – was müssen ältere Menschen mit Diabetes oder betreuende Personen beachten?
Bei der Beratung in der Apotheke ist es oft erforderlich, Patienten komplexe Zusammenhänge kurz und verständlich zu erklären. Bringen Sie dabei Ihr Fachwissen ganz einfach auf den Punkt. Schon mit wenigen Worten lassen sich erklärende Antworten zu jenen Fragen formulieren, die Ihnen im Patienten-Gespräch begegnen könnten.
Ich nehme seit vielen Jahren Tabletten gegen Bluthochdruck, zu hohe Cholesterinwerte und Diabetes. Mein Blutzucker lässt sich nicht mehr gut einstellen und der Arzt rät, künftig Insulin zu spritzen. Muss das sein?
Unter den vielen Medikamenten, die Sie einnehmen, können Wechselwirkungen auftreten, so dass der gewünschte Behandlungserfolg beeinträchtigt wird. Indem Sie Insulin spritzen, können Sie das Problem wenigstens für die Diabetesbehandlung umgehen. Außerdem lässt sich der Blutzucker mit der Gabe von Insulin meist besser einstellen als über orale Antidiabetika.
Seit vielen Jahren spritze ich mir selbst Insulin. Mittlerweile kann ich aber die Zahlen nicht mehr so gut erkennen und meine Hände sind auch etwas steif geworden. Brauche ich jetzt einen Pflegedienst?
Sprechen Sie erst einmal mit Ihrem Arzt darüber, vielleicht kann er Ihnen ein anderes Insulin verordnen. Es gibt beispielsweise einen Fertigpen, der aussieht wie eine Eieruhr und auch so ähnlich bedient wird. Die erforderlichen Insulindosen lassen sich besser einstellen und erkennen und die Injektion geht auch leichter als bei einigen anderen Insulinpens. Wenn Sie damit gut zurecht kommen, brauchen Sie noch keine fremde Hilfe.
Ich soll meinen Blutzucker mit Insulin einstellen, aber dieses häufige Blutzuckermessen und Spritzen schaffe ich einfach nicht. Gibt es da keine Alternative?
Es gibt eine Therapieform, die so genannte konventionelle Therapie, bei der wird morgens und abends ein Mischinsulin gespritzt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob dieses Schema auch für Sie in Frage kommt. Wichtig ist, dass Sie regelmäßige Mahlzeiten zu sich nehmen und einen weitgehend konstanten Tagesablauf haben.
Beim letzten Arztbesuch wurde mir gesagt, ich müsste künftig Insulin spritzen. Dafür soll ich jetzt eine Schulung mitmachen. Mit meinen 72 Jahren kann ich mir aber viele Dinge nicht mehr so gut merken – bringt dieser Unterricht dann überhaupt etwas?
Es gibt eine spezielle Schulung für Senioren, bei der Ihnen Schritt für Schritt die Anwendung von Blutzuckermessgeräten und Insulinspritzen erklärt wird. Es wird alles öfter wiederholt und geübt, bis Ihnen die Handgriffe in „Fleisch und Blut“ übergehen. Sie werden dort gut aufgehoben sein.
Ich habe immer HbA1c-Werte zwischen 7 und 8 Prozent. Mein Arzt meint, die wären in Ordnung. Jetzt habe ich aber gelesen, dass dieser „Langzeitzuckerwert“ unter 7 Prozent liegen sollte. Welche Aussage stimmt nun?
Prinzipiell ist es richtig, dass die HbA1c-Werte für einen guten Zuckerstoffwechsel unter 7 Prozent liegen sollten. Oftmals erreichen Patienten „mit viel Lebenserfahrung“, also im Alter, diese Werte nicht mehr, ohne das Risiko von Unterzuckerung in Kauf zu nehmen. Außerdem liegen bei einigen älteren Diabetikern bereits Erkrankungen der Niere vor, so dass leicht höhere Blutzuckerwerte durchaus akzeptabel sein können.