Zertifikatskurs Diabetes
Depression und Diabetes – eine häufige Kombination (22-2010)
Viele Diabetiker, egal welchen Typs, leiden unter Depressionen. Die Erkrankung der Seele wird jedoch häufig nicht erkannt und bleibt selbst im Gespräch mit dem Arzt ein Tabuthema. Wer diabetische Patienten aufmerksam beobachtet, kann vielleicht einige Anzeichen erkennen, die auf psychische Probleme hindeuten. Früh erkannt lassen sich Depressionen relativ gut behandeln.
- Zurückgezogenheit, Verlust früherer Interessen, soziale Kontakte werden vernachlässigt
- Hoffnungslosigkeit, innere Leere
- Antriebslosigkeit, einfache Tätigkeiten, wie Blutzuckermessen, stellen ein Problem dar
- Angstzustände, Minderwertigkeitsgefühle, bis hin zu Suizidgedanken
- Konzentrationsstörungen, stetes Abschweifen von aktuellen Themen oder die Gedanken kreisen nur um ein bestimmtes Thema
- Psychosomatik: körperliche Beschwerden, wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen-Darm-Störungen, Herzprobleme
- Schlafstörungen, Appetitlosigkeit
- Veränderter Gesichtsausdruck, die Mimik ist eingeschränkt, die Stimme leise und ohne „Melodie“
Untypische oder übermäßige Fröhlichkeit und Überaktivität, womit manche Betroffene ihre seelischen Probleme überspielen
„Knock out“ bei Herz und Kreislauf
Das autonome Nervensystem versorgt alle nicht willkürlich beeinflussbaren Körperbereiche, wie innere Organe, Blutgefäße und Drüsen. Treten diabetesbedingte neuropathische Störungen auf, können sich diese auf verschiedene Weise bemerkbar machen. So verlieren Blutgefäße beispielsweise ihre Fähigkeit, sich reflexartig zu verengen. Damit geht eine wichtige Kontrollfunktion über den Blutdruck und die Durchblutung der Organe verloren. Auch der Abkühlungsmechanismus durch die reflektorische Schweißsekretion wird verringert. So kommt es, dass Diabetiker rosige, warme Füße haben und an verschiedenen Körperstellen „unnatürlich“ viel schwitzen. Wird aufgrund neuropathischer Schäden die Regulation der Herzfrequenz beeinträchtigt, drohen Herzrhythmusstörungen. Man schätzt, dass mehr als die Hälfte aller Diabetiker mit einer Erkrankungsdauer von mehr als 20 Jahren mit autonomer diabetischer Neuropathie unter Arrhythmien leiden. Verringert sich dann die Pumpleistung des Herzens, besteht die Gefahr des plötzlichen Herztods. Dieses Risiko ist für Diabetiker viermal höher als für Nicht-Diabetiker. Außerdem kann eine so genannte Frequenzstarre auftreten, so dass sich Herzfrequenz und Blutdruck nicht mehr an die jeweilige Lebens- und Belastungssituation anpassen. Schädigungen an schmerzleitenden Nervenbahnen lassen Herzinfarkte ohne typische Symptome auftreten, man spricht von „stummen“ Herzinfarkten.
Unbehagen in Darm und Magen
Von der diabetischen autonomen Neuropathie kann auch der Verdauungstrakt betroffen sein. Schluckbeschwerden weisen auf eine Bewegungsstörung in der Speiseröhre hin – Völlegefühl, Sodbrennen oder Übelkeit können hingegen ein Indiz für Gastroparese (Magenlähmung) sein. Leitet der Magen normalerweise den Speisebrei durch peristaltische Bewegungen Richtung Dünndarm weiter, ist dieser Transport bei Diabetikern mit Gastroparese verzögert, weil Schädigungen der vegetativen Nerven die Bewegungen der Magenmuskeln beeinträchtigt haben. Durch die langsamere Beförderung der Nahrung gelangen die Kohlenhydrate erst verspätet ins Blut. Wurde vorher mahlzeitenbezogenes Insulin gespritzt, drohen bei einer Gastroparese direkt nach dem Essen Unterzuckerungen. Erst nach Stunden, wenn die Kohlenhydrate endlich resorbiert wurden, steigt der Blutzucker an, dann jedoch meist relativ unkontrolliert. Die Folgen sind häufig auftretende Blutzuckerschwankungen. Bei einer leichten Magenlähmung hilft manches Mal schon die Ernährungsumstellung auf mehrere kleine Portionen am Tag. Gegen Völlegefühl oder Übelkeit sind pflanzliche Magentropfen ganz effektiv. Antazida oder H2-Blocker können Sodbrennen lindern. Wer Mahlzeiten-Insulin spritzt, also kurz oder ultrakurz wirksames Insulin, sollte dies am Besten zum oder erst nach dem Essen injizieren. In einigen Fällen kann es praktisch sein, die Dosis zu halbieren und einen Teil des Insulins erst eine Stunde später zu spritzen. Auch der Darm kann von neuropathischen Schädigungen betroffen sein. Diabetiker leiden dann unter Durchfällen oder Verstopfungen oder beidem im Wechsel. In seltenen Fällen kommt es zu Blasen- oder Mastdarmlähmungen, mit einer Harn- oder Stuhlinkontinenz in der Folge.
So sage ich es meinem Kunden – Diabetes, Sexualität und Psyche
Bei der Beratung in der Apotheke ist es oft erforderlich, Patienten komplexe Zusammenhänge kurz und verständlich zu erklären. Bringen Sie dabei Ihr Fachwissen ganz einfach auf den Punkt. Schon mit wenigen Worten lassen sich erklärende Antworten zu jenen Fragen formulieren, die Ihnen im Patienten-Gespräch begegnen könnten.
Seit einiger Zeit habe ich keine Lust mehr, mit meinem Mann zu schlafen. Hin und wieder hatte ich sogar Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und die Scheide ist auch trocken. Der Gynäkologe meinte, die Wechseljahre sind bei mir noch nicht eingetreten. Kann es etwas mit meinem Diabetes zu tun haben?
Langfristig kann es durch Diabetes zu Schädigungen bestimmter Nerventeile kommen. Leider betrifft das auch Nerven in sensiblen Bereichen. Vielleicht können Sie Ihren Diabetologen oder/und Frauenarzt darauf ansprechen. Es gibt Gleitgele oder Cremes, die den Verkehr erleichtern können. Auch ein Beckenbodentraining kann helfen, die Schmerzen zu verringern. Wichtig ist, den Blutzucker stabil und im Normbereich zu halten.
Ich bin in den letzten Monaten immer so leicht gereizt und dann auch wieder niedergeschlagen. Dabei war ich immer ein fröhlicher Mensch. Was ist nur los mit mir?
Als Diabetiker haben Sie es sicher nicht immer einfach, das tägliche Blutdruckmessen, Insulinspritzen und Kohlenhydrate-Zählen in den Alltag zu integrieren. Auch die Angst, etwas falsch zu machen, kann sehr belastend sein. Reden Sie auf jeden Fall mit Ihrem Diabetologen oder betreuenden Arzt darüber und scheuen Sie sich nicht, vielleicht auch einen ausgebildeten Psychologen zu Rate zu ziehen. Gehen Sie häufig an die frische Luft und versuchen Sie, sich an möglichst vielen schönen Dingen zu erfreuen. Um die Stimmung aufzuhellen, können Sie auch ein Johanniskrautpräparat ausprobieren.
Seit ein paar Monaten habe ich immer mal wieder Aufstoßen, Völlegefühl und Übelkeit. Außerdem spielt mein Blutzucker verrückt. Muss ich mit meinem Insulin neu eingestellt werden?
Ihre Beschwerden könnten auf eine Gastroparese – eine Magenlähmung – hinweisen. Dabei wird der Speisebrei langsamer als normal in den Dünndarm befördert. So gelangen natürlich auch die Kohlenhydrate verzögert ins Blut. Wenn Sie Ihr Mahlzeiteninsulin normal vor dem Essen spritzen, kann es nach einiger Zeit zum Unterzucker und Stunden später zum Überzucker kommen. Am besten klären Sie diese Beschwerden mit dem Arzt ab. Vermutlich werden Sie Ihr Spritzschema etwas abändern müssen.