Zertifikatskurs Diabetes
Nervenschäden können auch „Einzelfälle“ sein (21-2010)
Diabetische Neuropathie betrifft in der Regel nicht nur wenige Nervenabschnitte, sondern das gesamte periphere Nervensystem. Sehr selten kann es jedoch zur Schädigung nur einzelner Nerven kommen. So treten in wenigen Fällen Störungen einzelner Hirnnerven auf, die z. B. zur Beeinträchtigung der Augenmuskeln führen können. Diese Erkrankung trifft überwiegend ältere Diabetiker. Auch Lähmungen der mimischen Muskulatur durch Störungen einzelner Gesichtsnerven wurden schon beobachtet. Schmerzen und Sensibilitätsstörungen an der Bauchwand sind klinische Anzeichen für die ebenfalls seltene Mononeuropathie von Rumpfnerven.
Gefühlsarm oder schlecht durchblutet
Das diabetische Fußsyndrom ist häufig durch eine Mischung aus neuropathischen und arteriosklerotischen (angiopathischen) Fußschäden gekennzeichnet. Einzeln betrachtet weisen der neuropathische und der angiopathische Fuß Unterschiede auf.
Neuropathischer Fuß
- das Empfinden von Berührung, Temperatur oder Reizeinflüssen ist vermindert
- Verletzungen und Druckstellen bleiben häufig über längere Zeit unbemerkt
- der Patient hat warme und rosige Füße
- die Füße sind in der Regel normal durchblutet
- es kommt zu Schwielen oder offenen Stellen mit hoher Infektionsneigung am Fuß
- die Geschwüre können unter entsprechenden Maßnahmen wieder abheilen
Angiopathischer (ischämischer) Fuß
- Beine und Füße sind schlecht durchblutet
- die Füße sind blass oder bläulich verfärbt und kalt
- der Patient kann sowohl Schmerzen als auch Berührungen etc. empfinden
- aufgrund der gestörten Durchblutung können Schmerzen in den Beinen (z. B. Schaufensterkrankheit) auftreten
- es kommt zum Absterben von Gewebe, vor allem an den Zehen
- auftretende Geschwüre heilen nur sehr schlecht ab
Franziska Wartenberg
Neue und vereinfachte Kriterien könnten Früherkennung verbessern
HbA1c-Test erleichtert Erstdiagnose Typ-2-Diabetes
Berlin – Die Diagnose eines Typ-2-Diabetes mellitus wird für Patienten und Ärzte einfacher. Bisher erfolgte die Bestimmung des Blutzuckers am Morgen und auf nüchternen Magen. Ein Blutzuckerbelastungstest mit mehreren Blutentnahmen folgte anschließend, wenn die erste Untersuchung die Diagnose nicht eindeutig bestätigte oder ausschloss. Nach den neuen Empfehlungen der Deutscher Diabetes-Gesellschaft (DDG), diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus reicht künftig in vielen Fällen die einmalige Bestimmung des sogenannten HbA1c -Werts.
Der HbA1c-Wert misst den Anteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den sich Zuckermoleküle oder Glukose angelagert haben, am Gesamthämoglobin. Die Höhe dieses Anteils hängt vom Blutzuckerspiegel ab. Anders als dieser unterliegt der HbA1c -Wert keinen tageszeitlichen Schwankungen, sondern gibt den mittleren Plasmaglukosespiegel der vergangenen acht bis zwölf Wochen wieder.
Die Bestimmung des HbA1c -Werts ist kein neuer Test. Er wird seit drei Jahrzehnten zur Kontrolle der Blutzuckereinstellung von Typ-1- und Typ-2-Diabetikern verwendet. Neue Studien zeigen, dass er unter bestimmten Voraussetzungen auch zur Erstdiagnose bei Verdacht auf Typ-2-Diabetes eingesetzt werden kann. Der Vorteil ist, dass nur eine einzige Blutentnahme erforderlich ist. Sie kann unabhängig von der Tageszeit erfolgen, auch wenn der Patient vorher etwas gegessen hat.
Der HbA1c -Test könnte insbesondere bei älteren Menschen sinnvoll sein und dazu beitragen, die Erkrankung frühzeitiger zu erkennen, erläutern die Autoren der gemeinsamen Stellungnahme der DDG, diabetesDE und des Kompetenznetzes Diabetes mellitus. Bisher sind viele Betroffene schon jahrelang an Typ-2-Diabetes erkrankt, bevor die Diagnose gestellt wird. Unbehandelt kann die Stoffwechselerkrankung die Lebensqualität vermindern und die Lebenszeit verkürzen.
Ist der HbA1c -Wert 6,5 Prozent oder höher, liegt ein Typ-2-Diabetes vor. Liegt der Wert unter 5,7 Prozent, ist ein Diabetes mellitus ausgeschlossen. Bei Menschen mit einem Wert zwischen 5,7 bis 6,4 Prozent sollte weiterhin der Nüchternblutzucker und – je nach Ergebnis – eventuell auch der Blutzuckerbelastungstest durchgeführt werden.
Der neue Test hat auch Einschränkungen. So können Eisenmangel, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen oder eine Schwangerschaft den HbA1c -Wert so beeinflussen, dass dieser zur Diabetes-Diagnose nicht sicher genug ist. Eine wesentliche Voraussetzung ist weiterhin ein standardisiertes und zertifiziertes Messverfahren für den HbA1c -Wert, das internationale Fachgesellschaften in den letzten Jahren erarbeitet haben. In Deutschland ist es bereits häufig verbreitet, wird jedoch noch nicht überall angewendet.
Quelle: Pressemitteilung diabetesDE (Deutsche Diabetes-Gesellschaft), 16.9.2010
So sage ich es meinem Kunden – Diabetische Neuropathie und Diabetisches Fußsyndrom
Bei der Beratung in der Apotheke ist es oft erforderlich, Patienten komplexe Zusammenhänge kurz und verständlich zu erklären. Bringen Sie dabei Ihr Fachwissen ganz einfach auf den Punkt. Schon mit wenigen Worten lassen sich erklärende Antworten zu jenen Fragen formulieren, die Ihnen im Patienten-Gespräch begegnen könnten.
Seit einiger Zeit merke ich ein Kribbeln in den Beinen. Manchmal ist es auch ein Gefühl, als würden die Fußsohlen brennen. Kann das mit meinem Diabetes zusammenhängen?
Langfristig kann ein zu hoher Blutzuckerspiegel die so genannten peripheren Nerven schädigen. Oft sind die Beine und/oder Füße betroffen. Auch wenn man keine Schmerzen verspürt, kann das Kribbeln und Brennen an den Fußsohlen auf mögliche Störungen hinweisen. Weisen Sie Ihren Arzt unbedingt auf diese Missempfindungen hin.
Mein Arzt sagt, ich hätte schon Nervenschäden durch die schlechten Blutzuckerwerte. Ich merke aber nichts. Kann man etwas dagegen tun?
Sie sollten unbedingt auf eine optimale Einstellung des Blutzuckers achten. Messen Sie regelmäßig Ihren Glukosespiegel im Blut und versuchen Sie, sich diabetesgerecht zu ernähren. Auch Bewegung ist wichtig. Ist Ihr Zuckerstoffwechsel gut eingestellt, können Sie weitere Nervenschädigungen vielleicht verhindern oder mindestens hinauszögern. Außerdem sollten Sie auf eine gute Fußpflege achten und die Füße regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen.
Ich habe für meine Schmerzen in den Beinen vom Diabetes-Arzt ein Antidepressivum verordnet bekommen. Aber ich leide nicht unter Depressionen. Soll ich es trotzdem nehmen?
Da die Schmerzen vermutlich auf Nervenschäden in Ihren Beinen und/oder Füßen zurückgehen, ist die Verordnung sinnvoll. Es hat sich erwiesen, dass Antidepressiva wie auch Mittel gegen Epilepsie gegen die Nervenstörungen bewährt haben und die Schmerzen lindern können.
Der Arzt empfiehlt mir, künftig bequemere und nicht zu enge Schuhe zu tragen. Muss ich jetzt auf meine Pumps verzichten?
Eine gefährliche Folgeerkrankung des Diabetes kann die Entwicklung des diabetischen Fußes sein. Zu enge Schuhe bewirken Druckstellen, aus denen bei diabetischen Füßen langfristig schlecht heilende Geschwüre entstehen können. Bequemes Schuhwerk ohne Enge und am besten ohne Nähte schützt Ihre Füße vor Schwielen und Druckstellen. Zum Ausgehen und für wenige Stunden dürfen Sie aber sicher Ihre Pumps tragen, wenn Sie bisher noch keine Auffälligkeiten an den Füßen hatten.