Zertifikatskurs Diabetes
Zu hoher Zucker geht ins Auge (20-2010)
Diabetische Retinopathie und Makulopathie sind Augenleiden, die relativ häufig als Folge eines jahrelang gestörten Zuckerstoffwechsels auftreten können. Daneben gibt es noch weitere Erkrankungen des „Fensters“ nach außen, bei denen nicht immer zuerst an einen Diabetes als Ursache gedacht wird.
Katarakt (Grauer Star): kommt im Vergleich zu gesunden Menschen bei Diabetikern etwas häufiger vor und kann auch junge Patienten treffen. Es kommt zur Linsentrübung und nachlassender Sehschärfe. Die Trübung zeigt eine besondere, für den Augenarzt leicht erkennbare Konfiguration und betrifft meist den hinteren Pol der Linse. Damit lässt sich häufig der diabetische vom altersbedingten Katarakt unterscheiden.
Sekundärglaukom („Grüner Star“): die Nervenfasern im Sehnerv und in der Netzhaut werden allmählich zerstört. Aufgrund mangelnder Durchblutung kann das Kammerwasser nicht ausreichend abfließen und der Augeninnendruck steigt an. Diabetiker erkranken nicht wesentlich häufiger als gesunde Menschen. Eine Sonderform, die nur bei Diabetikern auftritt, ist das so genannte Neovaskularisierungsglaukom. Durch die im Verlauf der proliferativen Retinopathie gebildeten neuen Blutgefäße kommt es zur Verlegung der Abflusswege des Kammerwassers und damit zu erhöhtem Augeninnendruck. Der Sehverlust schreitet weiter fort und es können zunehmend Schmerzen auftreten.
Farbsinnstörungen: sie treten bei Diabetikern häufiger auf als bei gesunden Menschen. Vor allem Blau und Gelb werden oft falsch wahrgenommen. Problematisch kann dies für Patienten im Umgang mit ihrem Diabetes werden, wenn Blutzucker- oder Urinteststreifen mit Farbskala zur Auswertung herangezogen werden.
Refraktionsänderungen: Entgleisungen des Zuckerstoffwechsels können dazu führen, dass die Linsen anschwellen und sich damit die Brechkraft des Auges ändert. Der Patient kann kurzfristig weit- oder kurzsichtig werden. Ist der Blutzucker wieder stabil, stellt sich auch die normale Brechkraft wieder ein.
Franziska Wartenberg
Quelle: www.diabetes-auge.de
Zeit für eine Augenuntersuchung
Prinzipiell sollten sich Diabetiker mit manifestem Diabetes mellitus unabhängig vom Erkrankungstyp einmal im Jahr vom Augenarzt untersuchen lassen. Besteht schon eine diabetische Retinopathie, gibt der Arzt die weiteren Untersuchungsintervalle vor. Kinder mit Typ-1-Diabetes müssen nur dann vor dem 11. Lebensjahr augenärztlich getestet werden, wenn ihr Diabetes bereits seit 5 Jahren besteht. Für werdende Mütter mit Diabetes gilt: sofortige Untersuchung der Augen bei Feststellung der Schwangerschaft und dann alle 3 Monate. Sollte während der Schwangerschaft eine Retinopathie entstehen oder fortschreiten, entscheidet der Arzt über weitere Untersuchungstermine. Patienten, bei denen ein Typ-2-Diabetes festgestellt wurde, sollten ebenfalls umgehend zum Ophthalmologen. Auch vor einer geplanten und nach einer sehr raschen Blutzuckersenkung sollten Patienten vom Augenarzt überwacht werden, da sich eine bestehende Retinopathie in dieser Zeit vorübergehend verschlechtern kann.
Franziska Wartenberg
Quelle: Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur diabetischen Retinopathie
Hammes HP. et al. Diabetische Retinopathie, Diabetologie 2009, 4; S. 131-135
Stadien der diabetischen Nephropathie
Die diabetische Nephropathie entwickelt sich – anfangs oft unbemerkt – über Jahre hinweg. Es werden fünf verschiedene Krankheitsstadien unterschieden:
Stadium 1: Zunächst kommt es zur Vergrößerung und gesteigerten Funktion der Niere, der Patient bemerkt nichts.
Stadium 2: Es entstehen winzige Verdickungen des Gewebes im Bereich der Nierenkörperchen. Auch dieses kann vom Patienten nicht festgestellt werden.
Stadium 3: Die Nierenkörperchen sind so stark verdickt, dass ihre Filterfunktion nachlässt. Kleine Eiweiße (Albumine) werden vermehrt mit dem Harn ausgeschieden und lassen sich über Urin-Schnellteststreifen nachweisen. Meist steigt jetzt auch der Blutdruck an und weist auf eine Nierenschädigung hin.
Stadium 4: Im weiteren Verlauf kommt es zum kontinuierlichen Eiweißverlust. Es treten Störungen im Wasser- und Salzhaushalt auf und der Körper wird anfälliger für Infekte.
Stadium 5: Stoffwechselprodukte können nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden. Es kommt zum Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz) – der Patient wird dialysepflichtig.
Franziska Wartenberg
Quellen: www.diabetes-deutschland.de
Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur diabetischen Nephropathie, Haslacher C. et al. Diabetische Nephropathie, Diabetologie 2009, 4; S. 127-130
„Nierenschutz“ durch den Patienten
Hohe Blutzuckerspiegel und Bluthochdruck machen der Niere zu schaffen und können über Jahre hinweg unbemerkt reichlich Schaden anrichten. Neben einer optimalen medikamentösen Einstellung ist es Diabetikern möglich, selbst weitere Maßnahmen zu ergreifen, um schwere Störungen des lebenswichtigen Organs zu verhindern oder aufzuhalten.
Blutzucker: Stabile und gute Blutzuckerwerte sind das A und O für eine gesunde Niere. Eine gute Einstellung kann nachweislich die Entwicklung und das Fortschreiten diabetischer Nephropathie verhindern (HbA1c-Werte <6,5 Prozent, 48 mmol/mol).
Blutdruck: Da der Blutdruck den geschädigten Gefäßen extra zusetzt, sind Normwerte unter 130 mm/Hg besonders wichtig. Schon ab Werten darüber steigt das Risiko für eine Nierenschädigung stark an. Liegt bereits eine Nierenschwäche vor, sind Werte unter 120 mm/Hg anzustreben.
Ernährung: Abbauprodukte von Nahrungseiweiß werden über die Niere ausgeschieden. Bei beginnendem Nierenschaden sollte deshalb auf eiweißreiche Kost verzichtet werden – z. B. Fleisch, Fisch, Milch oder Wurst nicht im Übermaß verzehren. Weil Kochsalz einen hohen Blutdruck begünstigt, sollte auch damit sparsam umgegangen werden.
Rauchen: Konsequenter Nikotinverzicht kann Nierenschäden aufhalten. Nikotin greift die Blutgefäße an und erhöht außerdem den Druck in den Gefäßknäueln der Niere, so dass deren Filterleistung abnimmt.
Gewichtsreduktion: Mit dem Verlust überflüssiger Pfunde lassen sich nicht nur das Lebensgefühl, sondern auch Blutzucker, Blutdruck – und Blutfettwerte verbessern. Und das schützt letztlich die Niere vor Funktionsstörungen.
Urintest: Eiweiß im Urin kann harmlose Gründe haben, aber auch auf beginnende Nierenfunktionsstörungen hinweisen. Einmal jährlich sollten Diabetiker deshalb einen Urinschnelltest (Albumintest) durchführen, der einfach und sicher auf mögliche Probleme an der Niere hinweist.
Medikamente: Aufgepasst bei Arzneistoffen, die bevorzugt über die Niere ausgeschieden werden. Funktioniert das Filterorgan nicht mehr ausreichend, kann es zur Ansammlung der Wirkstoffe im Blut und damit zu gefährlichen Effekten kommen. Besondere Vorsicht gilt deshalb bei verschiedenen rezeptfreien Arzneimitteln, wie z. B. den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen. Vor ihrer Anwendung sollte der Arzt befragt werden. Auch wenn eine Untersuchung mit Röntgenkontrastmitteln geplant ist, sollte vorher Rücksprache gehalten werden.
Franziska Wartenberg