02.01.2007
archiv: Arzneimittel & Co
Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen

Sutent®
Sunitinib ist ein Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor und unter dem Namen Sutent® für die Behandlung fortgeschrittener, vorbehandelter Nierenzellkarzinome und gastrointestinaler Stromatumoren (GIST) eingeführt worden. Zur Therapie des Nierenzellkarzinoms stand bislang vor allem Interferon-alpha zur Verfügung, Standardtherapie bei GIST ist der selektive Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib.
Sunitinib wird einmal täglich über vier Wochen oral in Form von Hartkapseln eingenommen, gefolgt von einer zweiwöchigen Therapiepause. Unter der Behandlung kann es zu Erschöpfung, gastrointestinalen Beschwerden, Störungen des Geschmackssinns und Appetitlosigkeit kommen. Da sich der Wirkstoff in die Haut einlagert, wird eine Gelbfärbung der Haut beobachtet. Diese ist jedoch ungefährlich. Sunitinib blockiert Tyrosinkinasen (Proteine), die durch das Andocken von Wachstumsfaktoren eine Signalkaskade auslösen und dafür sorgen, dass sich während der Entwicklung von Organismen die verschiedenen Gewebe (Blutgefäße, Nervengewebe, Bindegewebe usw.) ausbilden. Bei Krebserkrankungen sind die Tyrosinkinasen häufig gestört oder werden vom Tumor aktiviert, um das eigene Wachstum zu beschleunigen. Sutent® wird derzeit in weiteren klinischen Studien an Patienten mit zahlreichen anderen Krebsarten getestet.
Hersteller: Pfizer.
Ausführliche Info in DAZ Nr. 42, S. 34.

Exjade®
Mit dem neuen Eisenchelatbildner Exjade® (Wirkstoff Deferasirox) ist jetzt eine vereinfachte – nämlich orale – Therapie bei chronischer Eisenüberladung infolge häufiger Bluttransfusionen möglich. Die bisherige Standardtherapie bestand aus einer, über bis zu zwölf Stunden dauernden, subkutanen Infusion von Deferoxamin (Desferal®) an fünf bis sieben Tagen pro Woche (Pumpe in die Bauchdecke).
Der neue Wirkstoff Deferasirox ist als Tablette zur Herstellung einer Suspension erhältlich. Diese wird vor der Einnahme in einem Glas Wasser oder Orangensaft suspendiert und anschließend einmal täglich auf nüchternen Magen (mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit) eingenommen. Durch die hohe selektive Bindung an dreiwertiges Eisen wird die Ausscheidung von überschüssigem Eisen aus dem Körper gefördert. Zu einer Eisenüberladung kann es durch häufige Bluttransfusionen kommen, die zur Behandlung von z. B. bestimmten Anämieformen lebensnotwendig sind.
Hersteller: Novartis Pharma.
Ausführliche Info in DAZ Nr. 41, S. 28.

Savene®
Dexrazoxan (Savene®) ist ein Eisenchelatbildner für die Behandlung einer Extravasation durch Anthracycline. Unter Extravasation (häufig synonym zu Paravasation verwendet) versteht man den Austritt von Blut oder Lymphflüssigkeit aus einem Gefäß und seine anschließende Verteilung im Gewebe. Unter Chemotherapeutika wie Anthracyclinen kann es dabei zu schweren Gewebeschäden (ausgedehnten Weichteilnekrosen) kommen. Dexrazoxan wird einmal täglich auf drei aufeinanderfolgenden Tagen intravenös gegeben. Die erste Infusion sollte so bald wie möglich – innerhalb der ersten sechs Stunden nach Extravasation – erfolgen. Der Wirkstoff liegt als Pulver (in Durchstechflaschen) vor, das vor dem Einsatz mit Wasser für Injektionszwecke rekonstituiert (in Lösung gebracht) und mit einem speziellen Savene® Verdünnungsmittel weiter verdünnt werden muss. Savene® ist verschreibungspflichtig und wird nur an krankenhausversorgende Apotheken/Krankenhausapotheken abgegeben.
Hersteller: TopoTarget A/S.

Champix®
mit dem neuen Wirkstoff Vareniclin hat die Zulassung von der Europischen Arzneimittelzulassungsbehörde (EMEA) erhalten. Das neue Medikament zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen soll voraussichtlich ab März 2007 erhältlich sein. Es wird zusammen mit einem Verhaltensprogramm angeboten werden, das den Raucher individuell beim Rauchausstieg unterstützen soll. Champix® wurde speziell für den Rauchausstieg entwickelt. Es enthält kein Nikotin. Der Wirkstoff Vareniclin bindet aber als partieller Agonist an den neuronalen nikotinergen Acetylcholin-Rezeptor, an dem auch Nikotin bindet. Die agonistische Komponente bewirkt über eine Stimulation des Rezeptors die Freisetzung von Dopamin im Gehirn, das Verlangen nach Nikotin und die typischen Nikotin-Entzugssymptome werden reduziert. Durch die antagonistische Wirkung wird der Rezeptor blockiert, das nikotinvermittelte Belohnungsgefühl wird abgeschwächt. Die Einnahme der Tabletten erfolgt in der Regel zweimal täglich, optimalerweise über 12 Wochen. Die Dosis wird nach einem Dosierungsschema individuell auftitriert. Champix® ist verschreibungspflichtig, aber nicht erstattungsfähig.
Hersteller: Pfizer.
Neue Arzneimittel

Glycotana®
ist ein flüssiges homöopathisches Arzneimittel für die Zusatzbehandlung bei Diabetes. Der enthaltene Wirkstoff Syzygium cumini Urtinktur (gewonnen aus den Samenkernen des Jambulbaums) ist als Zusatzmittel bei Zuckerkrankheit durch eine positive Monografie der Kommission D anerkannt. Syzygium cumini zeigt laut Hersteller in Studien blutzuckersenkende sowie lipidsenkende Eigenschaften und ein antioxidatives Potenzial. Enthaltene Spurenelemente wie Zink, Chrom, Vanadium und Kalium unterstützen die antidiabetische Aktivität.
Nach dem homöopathischen Arzneibild Dia¬betes mellitus wird Glycotana® bei den Symptomen starker Durst, Juckreiz der Haut, Schwäche, Glykosurie, diabetische Geschwüre angewendet. Bei akuten Zuständen können alle halbe bis ganze Stunde (höchsten 12-mal täglich) je 5–10 Tropfen eingenommen werden, bei chronischen Verlaufsformen nur ein- bis dreimal täglich.
Hersteller: Harras Pharma Curarina.

Dolorsan® femina
ist ein neues Naproxenpräparat zur Behandlung von leichten bis mäßig starken Regelschmerzen. Naproxen hemmt die Ausschüttung von Prostaglandinen (Botenstoffe, die für die Schmerzen verantwortlich sind) und wirkt entzündungshemmend. In einer Tablette sind 250 mg Wirkstoff enthalten. Als Erstdosis sollten 1–2 Tabletten mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden, weitere Einzeldosis 1 Tablette, Tageshöchstdosis 3 Tabletten.
Hersteller: Opfermann Arzneimittel.

Dolormin Schmerzgel
mit Ketoprofen 2,5 % eignet sich zur äußerlichen Behandlung von Bewegungsschmerzen. Der Wirkstoff dringt schnell durch die Haut zum Wirkort vor und bekämpft die schmerzauslösende Entzündung. Es wird empfohlen, drei- bis viermal täglich jeweils eine kirsch- bis walnußgroße Menge Gel (entsprechend 2–4 g, je nach Größe der zu behandelnden Körperstelle) aufzutragen. Das Schmerzgel ist parfümfrei und auch für empfindliche Haut geeignet.
Hersteller: McNeil.

Granisetron Stada®
ist als Generikum bioäquivalent zu Kevatril® und wie dieses zugelassen zur Prophylaxe von Übelkeit und Erbrechen bei einer Behandlung mit Zytostatika und im Rahmen der Strahlentherapie während einer Krebstherapie (auch für Kinder ab einem Alter von 2 Jahren). Die anti-emetische Wirkung der so genannten Setrone beruht auf einer zentralen Hemmung des im Gastrointestinaltrakt freigesetzten Serotonins durch Blockade der zentralen 5-HT3-Rezeptoren. Der durch das Serotonin ausgelöste emetische Reflex wird blockiert. Die verschreibungspflichtigen Filmtabletten sind im Allgemeinen gut verträglich und können die Lebensqualität der Patienten verbessern.
Hersteller: Stadapharm.

Fosrenol®
mit dem Wirkstoff Lanthancarbonat dient der Behandlung der Hyperphosphatämie bei terminalem Nierenversagen bzw. der Vermeidung einer Hyperphosphatämie bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz unter Dialysebehandlung. Mit nur je einer Kautablette pro Mahlzeit (drei Kautabletten am Tag; Tagesdosen von 1500–3000 mg) wird eine dauerhafte Absenkung des Serumphosphatspiegels in den international empfohlenen Zielbereich bei den meisten Patienten erreicht. Die Compliance wird erleichtert (bei anderen Phosphatbindern ist die Einnahme von bis zu 15 Tabletten pro Tag erforderlich). Lanthancarbonat geht als trivalentes Kation mit Phosphat eine stabile Bindung ein. Das so im Darm aus Nahrungsphosphat gebildete Lanthanphosphat wird dann mit dem Stuhl ausgeschieden. Fosrenol® ist verschreibungspflichtig und in vier verschiedenen Wirkstärken (250/500/ 750/1000 mg) erhältlich.
Hersteller: Shire Deutschland.

Flecainidacetat Stada®
Mit Flecainidacetat Stada® ist ein bioäquivalentes Generikum zu Tambocor® erhältlich. Flecainidacetat Stada® wird zur Behandlung schwerer symptomatischer lebensbedrohlicher Arrhythmien eingesetzt mit dem Ziel, lebensbedrohliche Zustände zu durchbrechen und die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern. Die rezeptpflichtigen Tabletten zu 100 mg sind mit einer Bruchrille versehen, so dass sie leicht in zwei Portionen zu 50 mg geteilt werden können.
Hersteller: Stadapharm.
Hinweise zu Arzneimitteln

Euvegal® 320/160 mg
ist eine hoch dosierte Kombination aus den Trockenextrakten von Baldrianwurzel (320 mg) und Melissenblättern (160 mg) und ersetzt Euvegal® Dragees (Abverkauf, keine Rücknahme, kein Umtausch). Durch die höhere Dosierung reicht die Einnahme einer Filmtablette am Abend bei nervös bedingten Einschlafstörungen aus. Zur Behandlung von Unruhezuständen kann die Dosis auf 2-mal täglich 1 Filmtablette erhöht werden.
Hersteller: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel.

Dobendan Direkt Flurbiprofen 8,75 mg Lutschtabletten
mit der Geschmacksrichtung Honig & Zitrone helfen bei Entzündungen der Rachenschleimhaut. Im Unterschied zu herkömmlichen Mitteln gegen Halsschmerzen hemmt Flurbiprofen als NSAR (nicht-steroidales Antirheumatikum) die Entzündung und den Schmerz, bekämpft hier also lokal ganz gezielt die Ursache einer Halsentzündung. Flurbiprofen ist ein Verwandter des Ibuprofens und hemmt das Enzym Cyclooxygenase, das bei Entzündungen verstärkt gebildet wird. Die Dosierung: Bei Bedarf alle drei bis sechs Stunden eine Lutschtablette im Mund zergehen lassen (maximal fünf Lutschtabletten pro Tag). Hersteller: MCM Klosterfrau.

Mobilat Schmerzspray
Elmetacin Spray mit dem Wirkstoff Indometacin heißt jetzt Mobilat Schmerzspray 1 %. Die Produktqualität und bisher geltende Preise bleiben bestehen: 1 ml (0,8 g) Lösung enthält 8 mg Indometacin, Sprühflaschen sind zu 50 und 100 ml erhältlich. Mit der Namensänderung wurde das Mobilat-Sortiment erweitert; die einheitlichen Produktnamen sollen für eine bessere Orientierung sorgen. Im Zuge der Namensänderung wurde auch die Verpackung des Produkts dem Stada-Design mit der roten Stada-Ecke angeglichen.

Replagal®
Die Zulassung für Replagal® (Agalsidase alfa) wurde von der europäischen Zulassungsbehörde (EMEA) erweitert: Die verschreibungspflichtige Infusionslösung dient der langfristigen Enzym-Ersatz-Therapie bei Patienten mit Fabry-Syndrom (Alpha-Galactosidase-A-Mangel) und schließt jetzt auch Kinder ab sieben Jahren ein. Dadurch wird Agalsidase alfa zur ersten und einzigen Enzymersatztherapie, die Daten für diese Altersgruppe im offiziellen Zulassungstext enthält. Morbus Fabry ist eine lysosomale Speichererkrankung.
Patienten mit Fabry-Syndrom können das wichtige Enzym Alpha-Galaktosidase nicht produzieren bzw. leiden an einem Mangel davon. Ohne dieses Enzym sammelt sich eine Fettsubstanz (Globotriaosylceramid) in Lysosomen der Zellen im ganzen Körper an, was zu Organversagen und lebensgefährlichen Komplikationen führt. Die Erkrankung wird durch ein defektes Gen auf dem X-Chromosom verursacht, wird also bei den meisten Betroffenen vererbt. Die Behandlung mit Replagal® ist erfahrenen Ärzten vorbehalten. Alle zwei Wochen wird Agalsidase alfa als intravenöse Infusion über einen Zeitraum von 40 Minuten verabreicht.
Hersteller: Shire Human Genetic Therapies.

Lyrica®
Das Antikonvulsivum Lyrica® (Pregabalin) hat von der EMEA die Zulassung für die Therapie zentraler neuropathischer Schmerzen erhalten. Dies beinhaltet neuropathische Schmerzen, die z. B. mit Schlaganfällen, Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen einhergehen. Bisher wurde der Wirkstoff bei peripheren neuropathischen Schmerzen, generalisierten Angststörungen und als Zusatztherapie bei fokalen Epilepsien eingesetzt. Durch die Zulassungserweiterung ist Pregabalin europaweit das einzige explizit von der EMEA zugelassene Medikament, das sowohl bei peripheren als auch bei zentralen neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden kann. Die Dosis liegt zwischen 150 und 600 mg täglich, verabreicht in zwei oder drei Einzeldosen. Die Kapseln können während oder zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden. Lyrica® ist rezeptpflichtig.
Hersteller: Pfizer.
Medizinprodukte

Bekunis Balance Darm-Aktiv
enthält Macrogol 4000, ein Polyethylenglykol, in einer neuen Darreichungsform als Brausetablette. Bei Verstopfung und Darmschwäche wird eine Brausetablette in einem Glas Wasser (200 ml) gelöst und getrunken. Der Geschmack ist leicht fruchtig. Das Macrogol bindet das im Glas enthaltene Wasser und transportiert es durch den Verdauungstrakt, wo das Wasser freigesetzt wird. Es löst den verhärteten Stuhl, über eine Auslösung des Defäkationsreflexes erfolgt eine leichte und schmerzfreie Stuhlentleerung. Die Dosis kann bei Bedarf verdoppelt werden, jedoch ist dann auch die Menge an Wasser zu verdoppeln. Ein ca. zweistündiger Abstand zur Einnahme von Arzneimitteln wird empfohlen.
Hersteller: roha arzneimittel.

HemoClin
ist ein Gel zum Einsatz im Analbereich bei Reizungen, Juckreiz, Brennen und Überempfindlichkeitsreaktionen im Zusammenhang mit Hämorrhoiden. Das Gel wird aus Aloe barbadensis gewonnen und basiert auf dem so genannten Bio-Active 2QR-Komplex. Dieser wirkt laut Hersteller wie eine Bakterienblockade: schädliche Mikroorganismen sollen gehemmt und die natürliche Heilung unterstützt werden. Das Gel ist transparent und wirkt kühlend. Es wird empfohlen, HemoClin über zwei Wochen mindestens zweimal täglich in und um den After aufzutragen. Durch ein neuartiges Applikations-System ist das Auftragen des Gels einfach und hygienisch: Der blaue Teil wird kräftig nach unten gedrückt, dabei bewegt sich der weiße Teil des Applikators automatisch nach oben – der Applikator ist mit Gel gefüllt und kann durch Drücken des weißen Teils am Applikationsort entleert werden. Der gebrauchte Applikator sollte nach jeder Anwendung mit warmem Wasser gereinigt werden. HemoClin ist ein Medizinprodukt.
Hersteller: YouMedical/Paracelsia Pharma.