01.04.2006

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PTAheute 04-2006

Harnwegsinfekte - wenn's brennt und drängt

von Christiane Weber, Reutlingen

Vermehrter Harndrang mit Brennen beim Wasserlassen - Blasenentzündungen sind im Apothekenalltag ein Dauerbrenner. Hat man die wichtigsten Punkte im Beratungsgespräch abgeklärt, ist bei diesem Krankheitsbild oft eine Selbstmedikation möglich. Doch wann muss man den Patienten unbedingt zum Arzt schicken? Mit welchen Hinweisen kann man den Betroffenen zusätzlich helfen? Der folgende Artikel will Ihr Beratungswissen rund um dieses brennende Thema auffrischen.Blasenentzündungen sind nach Infektionen der Atemwege die zweithäufigsten Infektionskrankheiten. Über 50% der Frauen machen während ihres Lebens mindestens einmal unliebsame Bekanntschaft mit dieser Erkrankung.

 

Schnupfen in der Blase

Bei einer akuten Blasenentzündung (Zystitis) ist die Schleimhaut, welche die ableitenden Harnwege innen auskleidet, entzündet. In den allermeisten Fällen sind die Verursacher Bakterien, die durch die Harnröhre in die Blase einwandern und sich dort vermehren. Die Erreger stammen gewöhnlich aus der körpereigenen Flora. Allen voran das Darmbakterium Escherichia coli, das für über 80% der Zystitis-Fälle verantwortlich ist. Aber auch Enterokokken, Staphylokokken, Proteus und Pseudomonas gehören zu den Übeltätern. Diese Bakterien irritieren die Blasenschleimhaut, die daraufhin anschwillt, leicht reizbar ist und typische Entzündungszeichen entwickelt. Dabei werden z.B. auch Leukozyten und andere Entzündungszellen auf den Plan gerufen. Im Grunde laufen hier also ähnliche Vorgänge ab wie in der Nasenschleimhaut bei einem Schnupfen. Eine leichte Dehnung durch geringen Füllungsgrad führt bei entzündeter, reizempfindlicher Blase bereits zu intensivem Harndrang.

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Warum es vorwiegend Frauen trifft

Normalerweise ist der vom Urin regelmäßig durchspülte Harntrakt nahezu keimfrei. So finden sich beim gesunden Mann erst im unteren Drittel der 20 bis 25 cm langen Harnröhre die ersten Bakterien. Bei Frauen ist die Harnröhre mit 3 bis 4 cm dagegen sehr viel kürzer. Bakterielle Eindringlinge haben bei "weiblichen Opfern" also einen viel geringeren Infektionsweg bis zur Blase zu überwinden. Hinzu kommt bei Frauen die anatomische Nähe des Harnröhreneingangs zu Vagina und Darmausgang. Erhöhte Gefahr einer Verschleppung per Schmierinfektion besteht daher z.B. bei falscher Analhygiene (stets von vorne nach hinten säubern!). Aber auch beim Geschlechtsverkehr können Erreger in die Harnröhrenmündung gelangen. Nicht umsonst spricht man vom Phänomen der "Honeymoon-Zystitis", also der Flitterwochen-Blasenentzündung, da die Erkrankung nach intensiver sexueller Aktivität erfahrungsgemäß besonders häufig auftritt. Doch auch hormonelle Umstellungen (z.B. durch Schwangerschaft, Wechseljahre), die mit einem veränderten Scheidenmilieu verbunden sind, können zu erhöhter Anfälligkeit für Harnwegsinfekte führen.

Bei Männern erhöht sich das Risiko für Blasenentzündungen erst in höherem Alter mit einer vergrößerten Prostata. Behindert diese den Urinabfluss, so dass regelmäßig Urinreste in der Blase verbleiben, können sich die Bakterien darin ungestört vermehren.

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Typische Symptome

Patienten mit einer akuten, unkomplizierten Blasenentzündung klagen über verstärkten, häufigeren und zwingenden Harndrang trotz geringer Urinmengen. Typisch ist außerdem ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen, das sich am Ende der Entleerung noch verstärkt, wenn sich die entzündeten Schleimhäute bei der Blasenkontraktion berühren. Auch leichte Krämpfe oder Druckschmerzen im Unterbauch können auftreten. Manche Patienten haben das Gefühl, beim Ausscheiden gegen einen Widerstand andrücken zu müssen. Der Urin kann bei einer akuten Zystitis eigenartig riechen, getrübt sein und Schleim oder Blutspuren enthalten. Die Symptome einer akuten Blasenentzündung treten in der Regel schlagartig und heftig auf. Eine leichte vorübergehende Inkontinenz, die sich in tropfenweisem unwillkürlichem Harnabgang beim Husten oder Niesen äußert, kann ebenfalls hinzukommen.

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Hier ist Selbstmedikation möglich

Eine solche "unkomplizierte Blasenentzündung" spielt sich ausschließlich in den ableitenden Harnwegen, also lokal begrenzt ab. Sie gilt als relativ leichte Erkrankung, die ohne deutliches Krankheitsgefühl, ohne allgemeine Schwäche und ohne hohes Fieber abläuft. Bestehen die Blasenbeschwerden seit weniger als fünf Tagen, kann ein Selbstmedikationsversuch unternommen werden. Dieser sollte allerdings von vornherein auf wenige Tage begrenzt werden. Solange unkomplizierte Harnwegsinfekte nicht häufiger als dreimal pro Jahr auftreten und folgenlos auskuriert werden, sind kaum Folgeschäden für Harnwege oder Nieren zu befürchten.

 

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Wann wird's "kompliziert"?

Berichtet ein Patient dagegen, dass seine Blasenbeschwerden von ausgeprägtem Fieber oder Schüttelfrost, intensiven (oft einseitigen) Rückenschmerzen in der Nierengegend, schwerem Krankheitsgefühl und stark blutigem Urin begleitet werden, so sind dies ernstzunehmende Alarmsignale, die auf eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) hindeuten. Die Erreger haben sich dann vermutlich von der Blase über die Harnleiter hoch bis in die Nieren vorgearbeitet. Im Extremfall können sie sogar ins Blut übertreten. Eine Nierenbeckenentzündung ist im Gegensatz zur unkomplizierten Blasenentzündung eine schwerwiegende Krankheit. Sie kann ohne umgehende Therapie rasch gefährlich werden (Nierenversagen!) und zu bleibenden Nierenschäden führen. Hier gibt es in der Apotheke für Betroffene nur einen Rat: So schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen!

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Und keine Selbstmedikation bei...

Eine Harnwegsinfektion gilt außerdem immer dann als "kompliziert" und damit als nicht mehr selbstmedikationsfähig, wenn Kinder, Männer, Schwangere, Diabetiker, Immunsupprimierte oder Patienten mit Dauerkathetern betroffen sind. Das gilt auch dann, wenn sich die Beschwerden harmlos anhören. Doch in diesen Fällen liegen Harnwegsinfekten oft andere Ursachen zugrunde, die ärztlich abgeklärt werden müssen, wie z.B. Harnwegsanomalien oder Urinabflussstörungen (Prostatavergrößerung, Blasen- oder Nierensteine etc.).

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Pflanzliche Durchspülungstherapie

Patienten mit unkomplizierter Zystitis hilft oft eine Durchspülungstherapie mit Phyto-Aquaretika. Darunter versteht man pflanzliche Extrakte, welche die Wasserausscheidung und damit die Nierendurchspülung unterstützen, ohne (im Gegensatz zu Diuretika) in den Elektrolythaushalt einzugreifen. Bakterielle Erreger werden dann mit der erhöhten Urinmenge aus den Harnwegen herausgespült. Bewährt haben sich hierfür z.B. Goldrutenkraut, Birkenblätter, Odermennigkraut, Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter, Schachtelhalmkraut und Queckenwurzelstock. Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe gelten meist Flavonoide. Darüber hinaus werden manchen pflanzlichen Aquaretika wie z.B. der Echten Goldrute auch entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften nachgesagt. Tees haben den Vorteil, dass sie dem Körper gleichzeitig vermehrt Flüssigkeit zuführen.

Doch Vorsicht: Blasen- und Nierentees sind keinesfalls zum eigenmächtigen Dauergebrauch geeignet! Bei Patienten, die wegen Herz- oder Niereninsuffizienz an Ödemen leiden, sind sie sogar kontraindiziert.

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Den Harn desinfizieren

Eine leicht harndesinfzierende Wirkung entfaltet das Arbutin aus Bärentraubenblättern. Um in der Blase wirksame Konzentrationen zu erzielen, sollten entsprechende Tees oder Arzneimittel auch abends gegeben werden. Damit aus Arbutin die eigentlich wirksame Hydrochinon-Verbindung freigesetzt wird, ist ein alkalisches Milieu notwendig. Daher sollten während der Anwendung basische Nahrungsmittel (z.B. Kartoffeln, Gemüse) bevorzugt oder der Harn durch die Einnahme von Natron oder Basenpulvermischungen alkalisiert werden. Da Bärentraubenblättertees aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts die Magenschleimhaut empfindlicher Personen reizen können, sind Kaltauszüge oder Präparate in Drageeform vorzuziehen.

Die Preiselbeere # sie gehört wie die Bärentraube zu den Heidekrautgewächsen kann wegen ihres hohen Tanningehalts ebenfalls der bakteriellen Besiedlung der ableitenden Harnwege entgegen wirken. Trinken von Preiselbeersaft oder die Einnahme entsprechender Präparate soll daher die Rate wiederkehrender Blasenentzündungen senken.

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