25.02.2008

Topthema

PTAheute 5-2008

Heilsame Düfte: Ätherische Öle – sanfter Einfluss auf Körper und Geist

Thema des Monats März

von Ulrike Weber-Fina, Überlingen

Wie kaum ein anderer Sinneseindruck beeinflussen Düfte unsere Gefühle und unser Befinden, rufen Assoziationen und Erinnerungen hervor. Den Einfluss von Düften macht sich ganz besonders die Aromatherapie zunutze. Allerdings geht es bei ihr um mehr als nur ums pure Dufterlebnis oder Wellnessgefühl. Ätherische Öle können gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Körpervorgänge zu beeinflussen und Krankheitserscheinungen entgegenzuwirken.

Nimmt unsere Nase einen Geruchsreiz auf, so gelangt dieser über die Riechnerven direkt ins limbische System. Dieses Hirnareal verknüpft unsere Sinneswahrnehmungen mit Gedächtnisinhalten und mit Gefühlen wie Liebe, Furcht oder Wut und leitet bei bestimmten Reizen entsprechende Reaktionen des Organismus in die Wege. Deshalb versetzt uns unser Körper z.B. bei der Geruchswahrnehmung „Rauch“ sofort in höchste Alarmbereitschaft; beim Geruch verdorbener Speisen wird uns übel; umgekehrt regt der Duft von Essen unsere Speichelsekretion an.


Signale, die durch Geruchsreize im limbischen System ausgelöst werden, führen aufgrund der Verbindung mit anderen Hirnregionen zur Ausschüttung von Hormonen und anderen Botenstoffen, die wiederum die verschiedensten physiologischen Reaktionen auslösen und Regelkreise des Körpers verändern.

Seit man über diese Zusammenhänge Bescheid weiß, wird die Aromatherapie von der Schulmedizin nicht mehr rundweg abgelehnt. Viele Anwendungen ätherischer Öle sind heute auch aus naturwissenschaftlicher Sicht durchaus plausibel.

Schutz und Lockmittel

Ätherische Öle sind leicht flüchtige, lipidlösliche Flüssigkeiten, die meist aus der Stoffklasse der Terpene stammen. Im Gegensatz zu den fetten Pflanzenölen hinterlassen ätherische Öle auf Papier keinen bleibenden Fettfleck. Ätherische Öle bewirken den Duft von Blüten; sie können aber auch in allen anderen Teilen einer Pflanze vorkommen. Gewonnen werden sie mittels Wasserdampfdestillation, Kaltpressung oder Extraktion.

Ätherische Öle gehören zu den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Sie dienen dazu, möglichen Fressfeinden den Appetit zu verderben, gefährliche Bakterien und Pilze auf Abstand zu halten oder aber bestäubende Insekten anzulocken. Auf einige dieser Nutzeffekte setzen auch wir, wenn wir ätherische Öle verwenden: Wir verwenden sie auch zur Keimreduzierung ein und steigern durch ihren Duft unsere eigene Attraktivität.

Die Geruchswahrnehmumg über die Nase ist nicht der einzige Weg, auf dem ätherische Öle wirken – auch wenn das Dufterlebnis immer mit dabei ist. So gehören z.B. ihre Verwendung als Badezusatz, das Auftragen oder Einmassieren in die Haut und die innere Anwendung oder die Inhalation ebenfalls in den Bereich der Aromatherapie.

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Es liegt was in der Luft

Die Raumbeduftung ist sicher die bekannteste aromatherapeutische Anwendungsform. Das gängigste Hilfsmittel für die Verdunstung ätherischer Öle ist die Duftlampe. Allerdings zersetzen sich manche Öle aufgrund der starken Erwärmung durch die Kerze. Eine – wenn auch teurere – Alternative sind elektrische Geräte wie der Aromastreamer, der die Duftmoleküle durch einen Luftstrom verteilt. Billiger ist ein Duftstein aus Ton, auf den das ätherische Öl getropft wird. Die Reichweite des Dufts ist allerdings geringer. Zur kurzfristigen, schnellen Raumbeduftung bieten sich Raumsprays an, in denen das ätherische Öl in Alkohol gelöst ist.

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Von desinfizierend bis sinnlich

Ein Raumduft soll in erster Linie der Luftverbesserung oder der Beeinflussung unserer Gemütsverfassung dienen. Zur Keimreduzierung der Raumluft kann man z.B. Eukalyptus-, Speiklavendel- und Rosmarinöl einsetzen. Deren Inhaltsstoff 1,8-Cineol hat antivirale Eigenschaften. Auch Kiefernnadel- und Fichtennadelöl eignen sich zur Raumluftverbesserung. Wer es richtig frisch mag, dem seien Zitrusöle wie Lemongrass, Grapefruit und Zitrone empfohlen. Diese wirken gleichzeitig aufmunternd und stimmungshebend. Da Zitronenöl auch die Konzentration fördern soll, ist es gut für die Arbeitsplatzbeduftung geeignet. Bei Niedergeschlagenheit und zur Stimmungsregulierung kann man die Öle von Muskatellersalbei, Jasmin und Bergamotte einsetzen. Wer sich eine sinnlich anregende Wirkung wünscht, sollte einmal Ylang-Ylang, Nelke oder Sandelholz ausprobieren.

Hochwertige Ätherisch-Öl-Präparate gibt es z.B. von Bombastus, Primavera und Medicon Aromen.

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Persönlicher Glücksduft

Man kann auch verschiedene Öle mischen – ganz nach eigenen Vorlieben. Ohnehin sollten bei der Duftauswahl immer persönliche Vorlieben und Abneigungen berücksichtigt werden. Denn ein persönlich als unangenehm empfundener Geruch wird kaum die versprochene Wirkung zeigen. Düfte lassen sich aber auch ganz persönlich prägen und nutzen. Hat man vielleicht einmal bei ätherischem Rosenduft wunderschöne Stunden zu zweit erlebt, kann man auch später immer mal wieder an diesem individuellen „Glücksduft“ schnuppern, um die schönen Gefühle von damals herbeizuzaubern. Diese „Dufterinnerung“ stärkt innerlich und hilft so manchen Alltagsfrust zu überwinden.

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Vom Parfüm zum Heilmittel

Die meisten Wirkungen, welche die Aromatherapie den Düften zuschreibt, entstammen der Erfahrungsheilkunde. Vor allem aufgrund der modernen Heilpflanzenforschung lassen sich inzwischen viele Wirkungen wissenschaftlich erklären. Das ist z.B. beim Lavendel der Fall, der gewissermaßen den Erstling in der modernen Aromatherapie darstellt.

Im Selbstversuch entdeckte der in einer französischen Parfümfabrik arbeitende Chemiker René Gattefossé Anfang des vorigen Jahrhunderts einmal, dass Lavendelöl seine Brandwunde schnell und komplikationslos heilen ließ. Der Militärchirurg Jean Valnet behandelte daraufhin Kriegsverwundete mit Lavendelöl. Immer noch gilt Lavendelöl in der Aromatherapie als mildes Antiseptikum und als Stimulans für die Wundheilung.

In erster Linie wird Lavendelöl jedoch bei Schlafstörungen eingesetzt (anerkannt wirksam als Badewasserzusatz, als 10%ige ölige Einreibung für Einreibungen und Wickel oder auch innerlich 1-4 Tropfen auf einem Stück Würfelzucker vor dem Schlafengehen). Seine sedierende Wirkung kann man sich auch durch ein paar Tropfen auf der Bettwäsche zunutze machen. Sogar Hebammen setzen Lavendelöl zur Beruhigung in der Geburtshilfe ein. Die therapeutischen Effekte von Lavendelöl beruhen in erster Linie auf den Ätherisch-Öl-Komponenten Linalylacetat und Linalool.

Übrigens: Aufgrund der nervenberuhigenden Heilwirkungen seines ätherischen Öls wurde der Echte Lavendel vom Naturheilverein Theophrastus zur „Heilpflanze des Jahres 2008“ gekürt.

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Als Bade- oder Massageöl

Will man ätherische Öle als Badezusatz verwenden, benötigt man für ein Vollbad 10 bis 15 Tropfen. Da sie sich nicht in Wasser lösen, müssen sie vorher emulgiert werden. Dafür eignen sich 1 bis 2 Esslöffel Sahne oder Honig bzw. 2 bis 4 Esslöffel Totes-Meer-Salz. Zu einer noch besseren Verteilung der Öle im Wasser verhelfen synthetische Emulgatoren, z.B. der Lösungsvermittler LV41.

Eine Domäne der Aromatherapie ist die Massage. Dazu werden in der Regel 10 bis 20 Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Pflanzenöl, z.B. Mandelöl, Avocadoöl oder Jojobaöl (z.B. als Basisöle von Bombastus) gegeben. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, u.a. Durchblutungsstörungen (Einreibungen mit Rosmarin- und Fichtennadelöl), Blähungen (Bauchmassage mit Pfefferminz- oder Basilikumöl), Haarausfall (Kopfmassage mit Salbei- und Thymianöl), Hexenschuss (Einreibung mit Rosmarinöl), nervöse Störungen (Körpermassage mit Basilikum- und Neroliöl) und Menstruationsbeschwerden (vorsichtige Bauch- und Kreuzmassage mit Kamillen- und Majoranöl).

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Für Haut und Schleimhäute

Für eine Inhalation ätherischer Öle sind insbesondere Erkältungskrankheiten prädestiniert. Die Wirkstoffe erreichen direkt den Ort des Geschehens, ohne den Verdauungsapparat zu belasten. Neben Eukalyptusöl (Vorsicht, nicht bei Kindern anwenden!) werden u.a. Lavendelöl und Teebaumöl eingesetzt (jeweils 1 bis 2 Tropfen auf 1 Liter heißes Wasser).

Für das Auftragen auf die Haut haben vor allem die ätherischen Öle von Lavendel, Kamille, Pfefferminze und Teebaum Bedeutung, z.B. bei Pickeln und Aknepusteln. Allerdings dürfen nur wenige ätherische Öle, darunter die von Teebaum, Manuka, Rose und Lavendel, unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden.
Pfefferminzöl setzt man bei Spannungskopfschmerzen ein. Eine 10-prozentige Lösung in Alkohol hat eine klinisch geprüfte analgetische Wirkung.

Auch Mundspüllösungen sind bei manchen Beschwerden empfehlenswert, z.B. bei Aphthen (Öle von Kamille, Lavendel, Teebaum und Pfefferminze) und Mundgeruch (Pfefferminz-, Salbei- und Geranienöl). 

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Was zu beachten ist

Die wachsende Beliebtheit der Aromatherapie liegt vor allem an dem verbreiteten Wunsch, natürliche Heilmittel einzusetzen, die auch bei Kindern, Schwangeren und in der Altenpflege unbedenklich sind. Tatsächlich treten mit ätherischen Ölen selten Komplikationen auf – vorausgesetzt, sie werden richtig angewendet. Einige Regeln gilt es deshalb zu beachten:

  • Um allergische Reaktionen auszuschließen, sollte man die individuelle Verträglichkeit eines Öls mit dem Test in der Armbeuge überprüfen. Allergie-auslösend können v.a. die Öle von Zimt, Majoran und Thymian sein.
  • Manche Öle, z.B. von Eukalyptus und Pfefferminze, können die Effektivität einer homöopathischen Behandlung gefährden.
  • Die meisten ätherischen Öle dürfen nicht unverdünnt auf die Haut gelangen.
  • Bei Kleinkindern können nur wenige ätherische Öle (u.a. Rose, Kamille, Sandelholz) – niedrig dosiert – verwendet werden.
  • In Schwangerschaft und Stillzeit sind ätherische Öle niedriger zu dosieren, manche Öle sind nicht geeignet (u.a. Rosmarin, Pfefferminze, Salbei).
  • Asthmatiker sollten Öle, die Menthol, 1,8-Cineol oder Campher enthalten, meiden.
  • Epileptiker dürfen viele ätherische Öle nicht verwenden.
  • Einige äußerlich aufgetragene ätherische Öle erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen (z.B. alle Zitrusöle)
  • Die orale Einnahme von reinen ätherischen Ölen sollte am besten nur nach Anweisung eines Therapeuten erfolgen.
  • Ätherische Öle sind verschlossen, dunkel und kühl bis zu 5 Jahre haltbar.
  • Billige Produkte sind meist mit synthetischen Ölen gestreckt. Das verfälschte Öl hält den Duft nicht so lange und hat möglicherweise eine geringere Wirkung.
  • Schwere Erkrankungen dürfen keinesfalls ausschließlich aromatherapeutisch behandelt werden. Die Aromatherapie hat ihre Berechtigung bei leichteren Störungen oder zur begleitenden Behandlung


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Anschrift der Verfasserin

Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin und Fachjournalistin, Zum Saibling 35, 88662 Überlingen 

Literatur bei der Verfasserin

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