05.01.2009

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PTAheute 1+2-2009

Windpocken und Röteln: Nicht immer ein Kinderspiel

Thema des Monats Januar

von Ulrike Weber-Fina, Überlingen

In Kindergärten und Schulen sind sie jetzt wieder an der Tagesordnung: Die klassischen Kinderkrankheiten treten vor allem im späten Winter gehäuft auf. Auch wenn fast jeder Erkrankungen wie die Windpocken kennt, sind Eltern in der Apotheke oft dankbar für nützliche Tipps, z.B. wie man den Juckreiz mildern und die Narbengefahr verringern kann. Auch was beim Umgang mit dieser hoch ansteckenden Virusinfektion zu beachten ist, wann sie richtig gefährlich werden kann und dass es einen Impfschutz gibt, ist noch keinesfalls Allgemeinwissen. Scheuen Sie sich auch nicht, Aufklärung beim Thema Röteln zu betreiben. Diese Kinderkrankheit gerät leicht in Vergessenheit. Das zeigen u.a. die unzureichenden Impfraten bei der zweiten Rötelnimpfung.



Windpocken: ein bezeichnender Name

Ihr Name sagt schon viel: Windpocken (Varizellen) breiten sich buchstäblich mit dem Wind aus. Sie sind so infektiös, dass man sich im Umkreis von mehreren Metern an einem Windpocken-Patienten anstecken kann, der beim Atmen oder Husten die virushaltigen Tröpfchen abgibt. In über 90 Prozent hat der Kontakt mit einem Windpocken-Patienten eine Ansteckung mit dem Varizella-Zoster-Virus zur Folge. Neben der Tröpfcheninfektion ist auch noch eine Übertragung durch virushaltigen Bläscheninhalt als Schmierinfektion möglich.

Die Inkubationszeit der Varizellen liegt zwischen 8 und 28 Tagen, in der Regel beträgt sie gute zwei Wochen. Dabei beginnt die Ansteckungsgefahr schon 1 bis 2 Tage bevor ein Hautausschlag sichtbar wird. Erst wenn alle Bläschen verkrustet sind, kann man sich nicht mehr anstecken. Ein an Windpocken erkranktes Kind ist also rund 10 Tage lang infektiös.

Pusteln sprießen überall

Nach einem uncharakteristischen Vorstadium, bei dem für 1 bis 2 Tage ein leichtes Krankheitsgefühl auftritt, beginnt die eigentliche Erkrankung mit einem juckenden Hautausschlag und Fieber. Die Hautläsionen erscheinen zuerst im Gesicht und am Körperstamm, breiten sich dann aber schnell auf andere Körperteile aus. Besonders unangenehm ist es, wenn auch Kopfhaut und Schleimhäute (Mund, Nase, Genitalien) betroffen sind.

Die anfangs hellroten Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden zu den charakteristischen flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Diese platzen nach einigen Tagen, trocknen aus und heilen unter Krustenbildung ab. Da laufend neue Bläschen nachschießen, treten alle diese Stadien typischerweise gleichzeitig auf.

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Wenn der Juckreiz quält

Am meisten leiden die Betroffenen unter dem hartnäckigen Juckreiz. Wird jedoch gekratzt, können sich Narben bilden, und es besteht die Gefahr einer bakteriellen Superinfektion. Zur Juckreizlinderung eignen sich z.B. das Lokalanästhetikum Macrogollaurylether (Anaesthesulf®-Lotio) sowie der synthetische Gerbstoff Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat (Tannosynt® Lotio, Tannolact® Lotio). Das in diesen Schüttelmixturen als Hilfsstoff enthaltene Zinkoxid wirkt zusätzlich austrocknend. Oft verschreibt der Arzt die Zinkoxid-Schüttelmixtur Lotio alba aquosa. Eine gewisse Juckreizlinderung bewirkt auch aufgetragenes Silicium-Gel (z.B. Sikapur®). Das orale Antihistaminikum Dimetinden (Fenistil® Tropfen) dämpft ebenfalls den Juckreiz. Sein sedierender Nebeneffekt kann bei kleinen Windpocken-Patienten durchaus erwünscht sein. Aus dem homöopathischen Repertoire kommen z.B. Rhus toxicodendron, Sulfur oder Antimonium crudum infrage.

Vorsicht Schwangerschaft!

Bei ansonsten gesunden Personen verlaufen Windpocken in der Regel gutartig. Zu den möglichen Komplikationen zählen Narbenbildung, Mittelohr- und Lungen- sowie Hirnhautentzündung. Das Risiko steigt mit dem Alter. So ist bei Erwachsenen eher mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen als im Kleinkindalter. Bei Personen mit Immunschwäche können sich auch schwere Krankheitsformen mit sogar tödlichem Ausgang entwickeln. Eine Gefahr für das Ungeborene besteht, wenn Frauen während der ersten fünf Schwangerschaftsmonate an Windpocken erkranken. In etwa ein bis zwei Prozent der Fälle sind schwere Fehlbildungen die Folge (fetales Varizellensyndrom). Akut lebensgefährlich sind Windpocken in den ersten Lebenstagen. Infiziert sich eine Frau wenige Tage vor oder nach der Geburt mit dem Virus, hat ihr Neugeborenes ein Risiko von 30 Prozent, an einer Varizellen-Infektion (neonatale Windpocken) zu sterben.

In der Regel verleiht eine einmal durchgemachte Varizellen-Infektion lebenslange Immunität. In ein bis zwei Prozent kommt es allerdings zur Zweiterkrankung. Im späteren Leben kann eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, das im Körper jahrzehntelang in den Spinalganglien überdauert, eine Gürtelrose (Herpes zoster, Zoster) hervorrufen.

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Inzwischen allgemeine Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit August 2004 die Varizellen-Schutzimpfung für alle Kinder und Jugendlichen sowie für bestimmte Risikogruppen (z.B. immunsupprimierte Personen). Kinder sollten möglichst im Alter von 11 bis 14 Monaten geimpft werden. Bis zum vollendeten 13. Lebensjahr genügt derzeit noch eine einzige Impfung (über eine zusätzliche 2. Impfung zur Wirksamkeitsverbesserung wird aber diskutiert). Für ältere Jugendliche und Erwachsene sind 2 Impfdosen im Abstand von mindestens 6 Wochen erforderlich. Beim seit 2 Jahren verfügbaren MMRV (Masern-Mumps-Röteln-Varizellen)-Vierfachimpfstoff (Priorix-Tetra®) sind generell 2 Impfungen notwendig.

Gründe für die Einführung der Varizellenimpfung als Standardimpfung waren die große Erkrankungshäufigkeit, mögliche schwerwiegende Folgen und auch die ökonomischen Belastungen für die Gesellschaft (so können z.B. Eltern von Windpocken-erkrankten Kinder oft längere Zeit nicht arbeiten gehen). Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die eine allgemeine Impfung für nicht gerechtfertigt halten und sogar befürchten, dass es zu einer Verschiebung des Erkrankungszeitpunktes ins komplikationsträchtigere Jugend- und Erwachsenenalter kommt.

Röteln: Gefahr in der Frühschwangerschaft

Größeres Einvernehmen gibt es dagegen bei der Impfung gegen Röteln (Rubella). Sie wurde in Deutschland bereits 1974 eingeführt und von der STIKO ab 1980 als Kombinationsimpfung (mit Masern und Mumps = MMR-Impfung) empfohlen. Frauen in der Frühschwangerschaft sind die Hauptzielgruppe der Rötelnprophylaxe. Infiziert sich eine Frau während der ersten acht Schwangerschaftswochen mit dem Rötelnvirus, erleidet der sich entwickelnde Fötus zu 90 Prozent schwere Schäden – vor allem an Herz, Augen und Ohren (kongenitales Rötelnsyndrom).

Die Impfung sollte möglichst zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat erfolgen. Vor allem der zweite MMR-Impftermin wird noch nicht in ausreichendem Maß wahrgenommen, so dass viele Kinder keinen kompletten Impfschutz haben. Erst bei einer Impfrate von 90 Prozent aller Kleinkinder könnte das kongentinale Rötelnsyndrom ausgerottet werden.

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Unerkannte Virenüberträger

Eine Infektion verläuft bei etwa der Hälfte der Kinder ohne sichtbare Krankheitszeichen. Doch auch sie können das Rötelnvirus weitergeben. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion mit einer Inkubationszeit von 14 bis 21 Tagen. Ansteckungsgefahr besteht bereits eine Woche vor Ausbruch des Hautausschlags. Das Röteln-typische Exanthem mit kleinen hellroten, nicht verschmelzenden, etwas erhabenen Flecken oder Knötchen beginnt im Gesicht und breitet sich über Körper und Extremitäten aus. Er dauert nur 1 bis 3 Tage an. Schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, vor allem im Nacken, können hinzukommen. Oft sind die Symptome nur schwach ausgeprägt oder ähneln denen bei anderen Erkrankungen wie z.B. Masern, Ringelröteln oder Scharlach. Klarheit kann z.B. eine serologische Untersuchung bringen. Insbesondere vor einer geplanten Schwangerschaft empfiehlt es sich, den Röteln-Antikörper-Titer bestimmen zu lassen. 

Quellen

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Anschrift der Verfasserin

Dipl.-Biol. Ulrike Weber-Fina, freie Fachjournalistin, Zum Sailbing 35, 88662 Überlingen

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