26.01.2009

Topthema

PTAheute 3-2009

Schlafstörungen bei Kindern: Mangelnde Schlafhygiene oder Krankheiten als Ursache?

Thema des Monats Februar

von Andrea Lübke, Jülich 

Wenn ein Kind tagsüber müde ist, hat es offensichtlich zu wenig Schlaf bekommen. Aber auch wenn es gereizt, nörgelig und unkonzentriert ist, sollte man überprüfen, ob eine ernstzunehmende Schlafstörung dahinter stecken könnte, denn ständig unruhige Nächte können regelrecht krank machen. Verlangen die besorgten Eltern in der Apotheke Beruhigungsmittel oder Präparate zur Leistungssteigerung ihrer Sprösslinge, denken Sie auf jeden Fall daran, nach der Schlafqualität des Kindes zu fragen!



Behandelt werden muss eine Schlafstörung allerdings erst, wenn sie mindestens einmal pro Woche über einen längeren Zeitraum hinweg auftritt. Bevor man an eine Erkrankung denkt, die hinter den unruhigen Nächten stehen könnte, sollten zunächst die einfachen, aber ganz wichtigen Regeln der Schlafhygiene kontrolliert werden. Sie gelten für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Feste Zeiten und Regeln für einen gesunden Schlaf

  1. Feste Zubettgehzeiten sind für ein Kind wichtig, damit sich sein Körper auf einen geregelten Tagesablauf einstellen kann. Durch Unregelmäßigkeiten kann ein falsches Schlafmuster entstehen, das sich möglicherweise bis zum Erwachsenenalter hält.
  2. Entscheidend ist ebenfalls eine gewohnte Umgebung, die eine ruhige und entspannende Atmosphäre ausstrahlt. Auch bestimmte Rituale wie Vorlesen oder Kuscheln sollten nicht fehlen.
  3. Konflikte und Stresssituationen vor dem Schlafengehen sind nicht gerade förderlich und sollten daher vermieden werden. Schulkinder sollten ihre Hausaufgaben nicht bis in die Abendstunden hinein lösen müssen, weil sie sonst unnötig überdreht sind.
  4. Stress für den kindlichen Organismus ist auch übermäßiger Fernsehkonsum und zu langes Computerspielen. Hier sollten unbedingt feste Regeln eingeführt und das Programm überprüft werden, damit es dem Alter entspricht und das Kind nicht in irgendeiner Weise überfordert.

Kommt es zu Ein- oder Durchschlafstörungen, obwohl diese Dinge beachtet wurden, kommen verschiedene Erkrankungen als Ursache in Frage.

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Schlafapnoe

Bei einer Schlafapnoe kommt es während des Schlafens zu Atemstillständen, die bis zu 20 Sekunden lang dauern können. Gründe dafür sind eine zu starke Erschlaffung der Zungen- oder Gaumenmuskulatur oder vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln. Häufig kann man das daran erkennen, dass die Kinder schnarchen. Bei Neugeborenen und Säuglingen, die unter einer Schlafapnoe leiden, ist die Atmung angestrengt und es treten pfeifende Atemgeräusche auf. Nicht immer sind diese Symptome von einem Schnarchen begleitet. Bei längeren Atempausen bekommen die Kinder blaue Lippen, werden plötzlich blass oder rot im Gesicht und ihr Körper erschlafft. Resolutes, heftiges Wecken und Mund-zu-Mund-Beatmung können die Atemstillstände beenden. Dass dieser Schlaf nicht erholsam ist, kann man sich vorstellen. Auch der Sauerstoffgehalt im Blut ist gravierend vermindert.

Nahrungsmittelallergie

Ein- und Durchschlafstörungen können ebenfalls Reaktionen auf eine Nahrungsmittelallergie sein. Nachts sind die Kinder unruhig und haben Atem- und Verdauungsprobleme. Bei manchen zeigen sich Hautausschläge, migräneartige Kopfschmerzen, Müdigkeit, aber auch Hyperaktivität. Durch die weitgehende Vermeidung der Allergene und eine medikamentöse Therapie kann man den kleinen Patienten Linderung verschaffen. Glücklicherweise klingt diese Art von Schlafstörung häufig im Alter von zwei bis vier Jahren spontan wieder ab.

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Schlafwandeln

Etwa 6% aller Kinder haben bestimmte Phasen, in denen sie schlafwandeln, am häufigsten zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr. Oft sind es auch nur einzelne Episoden, die durch fiebrige Erkrankungen, besondere Belastungen oder Ermüdungen ausgelöst werden können.
Die größte Gefahr besteht darin, dass der Schlafwandler immer geradeaus geht und sich dabei erheblich verletzen oder stürzen kann. Damit es nicht erschreckt und möglicherweise falsch reagiert, sollte ein schlafwandelndes Kind behutsam wieder ins Bett geleitet werden. Beratung holt man sich am besten bei einem Neurologen, ohne aber das Ereignis vor dem Kind zu dramatisieren. In leichten vorübergehenden Fällen bringt Entspannung und Autogenes Training eine Besserung. Bei anhaltenden Problemen werden Diazepam und Psychotherapie miteinander kombiniert.

Nächtliches Einnässen

Von nächtlichem Bettnässen (Enuresis nocturna) spricht man, wenn ein Kind jenseits des 6. Lebensjahres mindestens zweimal pro Woche einnässt. Wenn das Kind zuvor trocken war, könnte die Ursache eine Erkrankung wie ein Harnwegsinfekt sein. Aber auch geistige Entwicklungsstörungen oder Diabetes mellitus werden von einer Enuresis begleitet. Je nach Auslöser können ein Blasentraining, Medikamente oder eine Psychotherapie helfen.
Nächtliches Bettnässen bei Kleinkindern entsteht auch oft durch elterlichen Druck, wenn die Kinder um jeden Preis trocken werden sollen. Vor lauter Angst oder Stress nässen sie dann gerade ein, was natürlich unruhige Nächte beschert.

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Aufwachstörungen durch Albträume

Wenn ein Kind besonders häufig von Albträumen geplagt wird, kann es dafür verschiedene Gründe geben: Stress in der Familie und in der Schule sowie traumatische Erlebnisse, aber auch eine gewisse Veranlagung führen zu dieser Form der nächtlichen Störung. Häufen sich die Albträume, sodass das Kind schließlich Angst vor dem Einschlafen bekommt, sollte auf jeden Fall psychologische Beratung in Anspruch genommen werden, bevor sich andere psychische Probleme entwickeln können. Am besten hat sich übrigens die Maltherapie bei der Bewältigung von Albträumen bewährt.

Nächtliche Angstzustände

Das nächtliche Hochschrecken aus dem Schlaf wird dagegen nicht durch Albträume verursacht. Das Kind sitzt plötzlich im Bett auf, schreit laut und schwitzt. Die Pupillen sind erweitert, Atem und Puls sind beschleunigt, das Gesicht drückt Angst aus. Trösten und Beruhigen hilft überhaupt nicht. Nach einigen Minuten entspannt sich die Situation von allein. Das Kind hat auch am nächsten Morgen keine Erinnerung an diese Episode. Geeignete Maßnahmen sind für diesen Fall feste Schlafenszeiten sowie ein Mittagsschlaf, der den Tiefschlafdruck reduzieren soll. Sollte sich das Kind tagsüber ängstlich zeigen, kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen. Grundsätzlich sollte das Kind dem Arzt vorgestellt werden, um ein Anfallsleiden auszuschließen.

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Sprechen im Schlaf und nächtliches Zähneknirschen

Durch emotionalen Stress oder Fieber kann ein Kind schon mal im Schlaf sprechen. Sollte dieses Phänomen von dauerhafter Natur sein, könnte eine seelische Erkrankung dahinter stecken. Nächtliches Zähneknirschen dürfte eher die Umgebung stören, als das betreffende Kind selber. Dennoch sollte es von einem Zahnarzt auf eventuelle Gebissprobleme untersucht werden. Bei Zähneknirschen durch Stress empfehlen sich Entspannungsübungen.

Andere Schlafstörungen

Manche Kinder leiden unter einem angeborenen zentralen Hypoventilationssyndrom und atmen dadurch im Schlaf zu flach. Ihr Körper reagiert auch nicht auf den Sauerstoffmangel im Blut mit vermehrter Atemanstrengung.
Gutartig sind Zuckungen während des Non-REM-Schlafes bei Neugeborenen. Sie können bereits in der ersten Lebenswoche auftreten und bis zu einigen Monaten anhalten.
Müdigkeit bei Jugendlichen lässt nicht unbedingt auf mangelnde Schlafhygiene schließen. Zum einen steigt der Schlafbedarf während der Pubertät, zum anderen ändern sich die Schlafzeiten. Oft können Jugendliche erst gegen 23.00 Uhr einschlafen und sind entsprechend später am nächsten Tag munter. Früheres Zubettgehen hilft hier leider nicht, wie Studien bewiesen. Das Schlafhormon Melatonin wird bei Jugendlichen erst zwei Stunden später als bei Kindern gebildet. Mit Konzentrationsstörungen muss daher leider gerechnet werden, da die Schulzeiten sich im Allgemeinen nicht nach den Bedürfnissen der Schüler richten.

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Anschrift der Verfasserin

Andrea Lübke
Römerstr. 4a
52428 Jülich
luebke.andrea@freenet.de
http://andrea-luebke.de.tl/

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