22.02.2010

Topthema

PTAheute 5-2010

Nikotin zum Abgewöhnen - Die Nikotinersatztherapie

Thema des Monats März

von Dr. Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Rauchen gefährdet die Gesundheit – diese Erkenntnis hat sich inzwischen herumgesprochen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Rauchen das Risiko nicht nur für Lungenkrebs, sondern auch für viele andere Krebsarten erhöht. Außerdem steigt die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb sollten Sie einen aufhörwilligen Raucher in der Apotheke unbedingt mit einer fundierten Beratung unterstützen! Ein Rauchstopp scheitert aber häufig an Entzugserscheinungen – hier können Nikotinersatzprodukte helfen, damit der Ausstieg aus der Sucht gelingen kann. Der folgende Artikel gibt Ihnen einen Überblick sowie Beratungstipps für die Apotheke.

Vielleicht erscheint es zuerst ein bißchen widersinnig, die Nikotinsucht mit Nikotin bekämpfen zu wollen. Um das Prinzip besser zu verstehen, schauen wir uns zuerst einmal an, was Rauchen im Körper bewirkt: Im Zigarettenrauch hat man außer Nikotin etwa 4000 weitere Stoffe nachgewiesen, von denen viele als krebserregend eingestuft worden sind. Nikotin selbst ist nicht krebserregend, belastet aber das Herz-Kreislauf-System, indem es die Herzfrequenz und den Blutdruck ansteigen lässt. Außerdem fördert Nikotin die Blutgerinnung und erhöht so das Risiko für Thrombosen.

Angenehme Effekte

Für den Raucher wesentlich entscheidender sind aber die Auswirkungen, die Nikotin auf das Gehirn hat. Wenn Nikotin mit dem Zigarettenrauch inhaliert wird, wird es rasch über die Lunge in den Kreislauf aufgenommen und gelangt schnell ins Gehirn. Dort stimuliert es die Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin, so dass die bekannten positiven Effekte entstehen: Der Raucher fühlt sich wacher und leistungsfähiger, hat weniger Hunger, wird entspannter und besser gelaunt. Gleichzeitig und nahezu unbemerkt laufen aber auch noch andere Prozesse ab: Durch die Beeinflussung des Dopamin-Systems wird das Belohnungszentrum des Gehirns aktiviert – so wird der Raucher verleitet, immer wieder Nikotin zuzuführen, um die positiven Gefühle zu wecken. Auch Gehirnbereiche, die an Lernvorgängen beteiligt sind, werden stimuliert: So werden bestimmte Situationen, etwa wenn man mit Freunden bei einer Tasse Kaffee beisammen sitzt, mit dem Rauchen unbewusst in Zusammenhang gebracht – wenn eine solche Situation wieder eintritt, ist der Griff zur Zigarette vorprogrammiert. Der Körper gewöhnt sich auch schnell an die Nikotinzufuhr und verlangt nach mehr. So entsteht eine Abhängigkeit, aus der man nicht leicht ausbrechen kann. Wird die Nikotinzufuhr gestoppt, setzen Entzugssymptome ein: Reizbarkeit und innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten und Verlangen nach Zigaretten machen den Ausstieg schwer.

Entzugssymptome lindern

An dieser Stelle setzt die Nikotinersatztherapie ein: Statt durch Zigaretten wird das Nikotin in anderen Darreichungsformen eingesetzt. Dadurch kann der Nikotinspiegel auf einem Niveau gehalten werden, so dass noch keine oder abgemilderte Entzugssymptome auftreten. Gleichzeitig wird der Körper nicht mit Tabakrauch belastet. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird die Dosierung des Nikotins verringert, bis schließlich das Ziel erreicht ist: Endlich ohne Nikotin! Gegen die psychische Abhängigkeit hilft auch, dass Nikotin aus den Ersatzpräparaten langsamer in den Körper gelangt als mit dem Zigarettenrauch – der Kick bleibt aus, und das hilft dem Raucher, sich vom Nikotin loszusagen.

Für jeden die passende Form...

Eine Übersicht über die erhältlichen Darreichungsformen zur Nikotinersatztherapie findet sich in der Tabelle unten.

Die Auswahl richtet sich nach dem bisherigen Rauchverhalten des Patienten. Wer die Zigaretten eher gleichmäßig über den Tag verteilt hat, braucht auch nach dem Rauchstopp gleichmäßige Nikotinspiegel im Blut, damit es nicht zu Entzugserscheinungen kommt. Hier bieten sich die Nikotinpflaster an, die es für verschiedene Tragezeiten (16 oder 24 Stunden) und in verschiedenen Wirkstärken gibt. Die Hersteller geben jeweils konkrete Empfehlungen, für welchen bisherigen Zigarettenkonsum welche Dosierung angewendet werden soll.

Die anderen Arzneiformen sind eher für Raucher geeignet, die unregelmäßig geraucht haben (etwa in Stress-Situationen). Dabei wird das Nikotin – auch beim Inhaler – über die Schleimhaut von Mund und Rachen aufgenomen. Auch hier sind die Dosierungsangaben zu beachten. Für alle Darreichungsformen gilt: In der Regel sollten die Nikotinersatzpräparate nicht länger als sechs bis neun Monate angewendet werden. Wer es danach immer noch nicht geschafft hat, die Nikotinzufuhr einzustellen, sollte mit seinem Arzt besprechen, ob andere Möglichkeiten der Raucherentwöhnung für ihn in Frage kommen.

Wer ein Nikotinpflaster trägt, darf nicht weiter rauchen – es kann sonst leicht zu einer Überdosierung kommen. Die anderen Darreichungsformen können dagegen auch eingesetzt werden, wenn das erste Ziel ist, die Anzahl der gerauchten Zigaretten zu reduzieren. Dann sollte aber auf jeden Fall die Packungsbeilage beachtet werden, die Dosierungshinweise und Zeitintervalle nennt.

Darreichungsform   Handelsname
Pflaster (TTS)   Nicorette, Nikofrenon, NiQuitin, Nicotinell
Kaugummi   Nicorette, Nicotinell
Lutschtablette   NiQuitin, Nicotinell
Sublingualtablette   Nicorette Mikrotabs
Inhaler   Nicorette

... aber nicht für jeden geeignet

Bei der Beratung in der Apotheke sollten Sie auch kritisch hinterfragen, ob die Selbstmedikation mit der Nikotinersatztherapie für den Kunden auch tatsächlich geeignet ist. Besonders Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetiker, Menschen mit Magengeschwüren oder einer Schilddrüsenüberfunktion sollten die Therapie vorsichtshalber mit ihrem Arzt abklären. Gleiches gilt für Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sowie Schwangere. Die Nikotinersatzpräparate sind erst ab 18 Jahren zugelassen und dürfen deshalb nicht an Jugendliche abgegeben werden. In der Stillzeit darf Nikotin nicht angewendet werden.

Wie sag’ ich’s meinem Kunden?

Wenn Sie geklärt haben, welche Darreichungsform und welche Wirkstärke für den Kunden geeignet sind, sollten Sie noch ein paar Sätze zur Anwendung parat haben. Um Ihnen die Beratung zu erleichtern, haben wir schon ein paar Beratungssätze für Sie formuliert (siehe Kasten).

Hilfreiches Material

Auf den Herstellerseiten www.nicorette.de, www.nicotinell.de und www.niquitin.de finden sich Hintergrundinformationen zur Nikotinersatztherapie und zu den einzelnen Produkten. Teilweise werden auch internetbasierte Programme angeboten, an denen aufhörwillige Raucher teilnehmen können. Herstellerunabhängig ist die Rauchfrei-Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.rauchfrei-info.de, bei der viele Broschüren und weitere Materialien bestellt werden können. Auch hier gibt es die Möglichkeit, sich während des Rauchstopps begleiten zu lassen. Besonders pfiffig ist das Rauchfrei-Startpaket: Neben einer Broschüre und einem Kalender mit vielen Tipps zum rauchfreien Leben enthält es Pfefferminzbonbons (bei Rauchverlangen) sowie einen Igelball, um die Hände zu beschäftigen.

Suchen Sie noch Argumente, um mit Kunden über eine Raucherentwöhnung ins Gespräch zu kommen? Auf den Homepages von Nicorette und Niquitin findet sich ein Rechner, mit dem man belegen kann, wie viel sich durch den Rauchausstieg an Geld sparen lässt – so hat man die Kosten für die Nikotinersatztherapie schnell wieder drin!