29.03.2010
Topthema
PTAheute 7-2010
Sanfte Hilfe für Stubentiger – Heilpflanzen und Homöopathie gegen Infekte
Thema des Monats April

von Andrea Fettweis, Jülich
Wer kann den eigenwilligen Schmusern schon widerstehen, wenn sie sich zutraulich an die Beine schmiegen und uns mit einem charmanten Blinzeln aus ihren schönen Augen bestechen? Katzen können mit ihrer Körpersprache sehr deutlich zeigen, in welcher Stimmung sie sind, aber wenn sie krank werden, ziehen sie sich eher zurück oder werden aggressiv. Allerdings schnurren sie auch, wenn sie Schmerzen haben, um sich zu beruhigen. Als Mensch steht man dann oft verwirrt daneben und weiß nicht so recht, wie man seinem Stubentiger helfen kann.
Nicht selten bekommt ein Tier gerade am Wochenende oder zu Zeiten Beschwerden, in denen ein Tierarzt nicht erreichbar ist. Welche Arzneimittel und Maßnahmen können Sie dem besorgten Frauchen oder Herrchen empfehlen, ohne etwas falsch zu machen? Allopathische Arzneimittel brauchen viel Erfahrung in der Anwendung und eine exakte Diagnose. Mit allgemeinen Maßnahmen und Medikamenten aus Heilpflanzen oder Homöopathie können jedoch auch Symptome diverser Infektionen gefahrlos gelindert werden, um die Zeit bis zu einer fachärztlichen Untersuchung zu überbrücken. Viele Kunden möchten ihre Tiere ohnehin möglichst mit einer sanften Therapie versorgen.
Infektionen an Augen und Bindehaut
Tränende oder vereiterte Augen sind auch bei Katzen ein Hinweis auf eine Entzündung oder Reizung. Gleichzeitig ist das Tier lichtempfindlich und blinzelt häufig. Die Ursachen können mechanische Reizungen durch Fremdkörper oder UV-Strahlung, Allergien, aber auch Viruserkrankungen wie der Katzenschnupfen-Komplex sein. Als erste Maßnahme sollte verkrustetes Sekret mit einem weichen Tuch und isotonischer Kochsalzlösung oder abgekochtem Wasser vorsichtig aufgeweicht und entfernt werden.
Achtung: Keinen Kamillentee verwenden, da er austrocknend wirkt und eventuell eine Allergie auslösen und verschlimmern kann! Zur Beruhigung des gereizten Auges können Spülungen oder Kompressen mit frischen Aufgüssen von Fenchel, Augentrost oder Calendula gemacht werden. Auch Tinkturen von Augentrost, Calendula oder Hypericum können zu 5- bis 10-prozentigen Lösungen verdünnt und dafür verwendet werden. Zusätzlich helfen Belladonna-Homaccord®, Traumeel® oder Oculoheel® als Tabletten und/oder Augentropfen. Engystol® kann bei Virusinfekten, Echinacea compositum® bei bakteriellen Infekten zur Stimulation des Immunsystems gegeben werden.
Entzündungen im Gehörgang und im Mittelohr
Schwarzbraune, krümelige Beläge im Ohr, auch mit Pfropfenbildung, deuten auf eine Infektion im Gehörgang hin. Wenn sich die Katze am Ohr kratzt, könnten Juckreiz oder Schmerzen beteiligt sein. Als Ursachen kommen Fremdkörper, Ohrmilben, aber auch Mischinfektionen mit Pilzen und Bakterien in Frage. Hier hilft zunächst eine Reinigung des Gehörgangs mit physiologischer Kochsalzlösung, Kamillenohrreiniger® oder Bay-o-pet Ohrreiniger®. Die entsprechende Lösung wird in die Ohrmuschel gegeben und nahe am Kopf einmassiert. Anschließend wird die Katze den Kopf schütteln und lockert damit das aufgeweichte Sekret, das dann ausgewischt werden kann. Unter Umständen muss man diesen Vorgang mehrmals wiederholen, bis die Ohrmuschel sauber ist. Zur Behandlung der Infektion kann Calendula-Tinktur in den Gehörgang geträufelt werden. Fällt die Katze durch eine Schiefhaltung des Kopfes, Kopfschütteln und Hörstörungen auf, ist wahrscheinlich das Mittelohr entzündet. Weitere Symptome sind Fieber, eitriger Ausfluss aus dem Ohr und ein gestörtes Allgemeinbefinden. Eine Mittelohrentzündung entsteht durch Keime, die aus dem Rachenraum einwandern, oder durch eine Entzündung des Außenohrs. Sie muss auf jeden Fall vom Arzt behandelt werden, kann aber mit homöopathischen Kombinationspräparaten wie Belladonna Homaccord®, Euphorbium compositum®, Echinacea compositum® und Traumeel® gelindert werden.
Infektionen im Mund- und Rachenbereich
Zahnfleischentzündungen erkennt man an hellrotem Zahnfleisch, Zahnfleischbluten, vermehrtem Speichelfluss, Mundgeruch und vorsichtigem Fressverhalten. Sie müssen unbedingt behandelt werden, da sie sonst Herzmuskel- oder Schilddrüsenerkrankungen auslösen können, wenn die Bakterien oder Viren über den Blutkreislauf zu den entsprechenden Organen gelangen. Entzündungen des Zahnfleischs können auch eine Folgeerkrankung einer FeLV-Infektion (Leukose) sein. Als phytotherapeutische Maßnahme gegen die Entzündungssymptome kann man das Zahnfleisch mit frischen Aufgüssen oder Tinkturen von Kamille, Calendula oder Arnica bepinseln. Homöopathische Unterstützung bekommt das Tier auch hier wieder durch Belladonna Homaccord®, Traumeel® und Echinacea compositum®.
Viral oder bakteriell: Katzenschnupfen
Als Katzenschnupfen-Komplex bezeichnet man eine infektiöse Erkrankung der oberen Luftwege. Er kann durch Viren, aber auch durch Bakterien verursacht werden und ist äußerst ansteckend. Betroffen sind meist junge oder wild lebende Katzen. Verklebte Nasen und Augen, eitriger Ausfluss aus der Nase, häufiges Niesen, aber auch Husten und Fieber sind Symptome, die auf eine solche Erkrankung hinweisen. Das Allgemeinbefinden ist deutlich gestört und das Tier hat wenig Appetit. Kommt zu einer viralen noch eine bakterielle Infektion hinzu, wird die Behandlung wesentlich komplizierter. Die Gefahr einer Austrocknung ist groß, da das Tier oft nicht genügend Nahrung und Wasser zu sich nimmt, weil es durch schmerzhafte Entzündungen im Maulbereich daran gehindert wird. Bei verstopfter Nase muss die Katze durch das Maul atmen, was sie sehr anstrengt. Als allgemeine Maßnahme sollten Augen und Nase mit physiologischer Kochsalzlösung oder abgekochtem Wasser von Sekret befreit werden. Wunde Stellen an der Nase können mit Calendula-Salbe betupft werden. Inhalationen mit Salzwasser und Bestrahlungen mit Rotlicht tun auch einer Katze gut. Bei viralen Erkrankungen kann man zusätzlich eine Kombination aus Euphorbium compositum® oder Engystol® geben, bei bakteriell bedingtem Katzenschnupfen ebenfalls Euphorbium compositum®, auch als Nasentropfen, und Echinacea compositum®. Ein weiteres Symptom des Katzenschnupfen-Komplexes kann eine Bronchitis sein. Auch sie wird mit Inhalationen von Meersalz oder Emser® Salz behandelt. Wenn die Katze es verträgt und akzeptiert, sind Inhalationen mit frischen Aufgüssen von Kamille, Pfefferminz, Salbei, Thymian oder Eukalyptus ebenfalls lindernd. Bei Reizhusten gibt man der Katze abgekühlte Tees aus Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Huflattich, Königskerze, Isländisch Moos oder Süßholz zu trinken.
Magen-Darm-Infektionen bei Katzen
Normalerweise dient Erbrechen bei Katzen dazu, Haarballen loszuwerden, die sich im Magen angesammelt haben. Wenn sich das Tier jedoch stundenlang übergibt, sollte medikamentös eingegriffen werden, da dann eine Infektion zu befürchten ist. Wenn gleichzeitig Durchfall und Fieber über 40 °C hinzukommen, trocknet das Tier schnell aus. Hier sollte man zu einem Fastentag mit anschließender Schonkost und Elektrolytersatz durch fertige Trinklösungen (Korvimin gastro®) raten. Auch Traubenzucker und etwas Salz im Trinkwasser sind hilfreich. Gegen Entzündungen und Krämpfe kann man Aufgüsse aus Kamille, Pfefferminze, Melisse, Süßholz, Gänsefingerkraut und Ringelblume geben. Als Magenschleimhautschutz ist auch Heilerde geeignet, die man in lauwarmem Wasser löst und eingibt (3 Teelöffel pro Tag). Ebenfalls beruhigend sind Schleime aus Leinsamen, Hafer oder Reis. Gegen eine Gastritis bei Katzen können Sie Stullmisan®, Cefagastrin®, Gastritol® und Infitrakt® empfehlen. Bei Darmerkrankungen helfen ebenfalls Stullmisan®, außerdem Dysenteral®, Diarheel®, Durchfallpulver® oder Nux Vomica Homaccord®. Speziell gegen Durchfall gibt man außerdem Aufgüsse von Tormentillwurzel, Heidelbeere oder Eichenrinde.
Infektionen der Harnorgane
Wird das Tier plötzlich inkontinent oder versucht erfolglos zu urinieren, besteht der Verdacht auf eine bakterielle Harn-wegsinfektion. Schmerzen zeigt die Katze durch einen aufgekrümmten Rücken und durch Fauchen beim Verlassen des Katzenklos. Hier steht an erster Stelle die Durchspülungstherapie mit Goldrute, Brennessel, Birkenblättern, Heidekraut, Zinnkraut, Bohnenschalen, Schafgarbe, Wacholderbeeren oder Hauhechel. Alternativ oder zusätzlich können die Symptome mit pflanzlichen Präparaten gelindert werden: Uvalysat®, Nephro Pasc®, Uro Pasc®, Cefanephrin®, Cefasabal® oder Nephro loges®. Als homöopathische Kombinationen gegen die Entzündungen und Reizung stehen z. B. Cantharis compositum®, Uro loges®, Reneel® und Cefaspasmon® zur Verfügung. Sollten sich die Beschwerden nicht bessern, muss unbedingt der Tierarzt konsultiert werden, weil außer einer Infektion auch Harnsteine in Frage kommen, die die Harnwege blockieren können!
Zum Tierarzt bei Viren und Würmern
Einige Kombinationspräparate (s. Kasten oben) können recht vielseitig verwendet werden, daher können Sie Ihren Kunden empfehlen, sie in der Hausapotheke vorrätig zu halten, zumal viele ja auch für den Menschen geeignet sind. Weisen Sie Ihre Kunden darauf hin, dass Sie unbedingt den Tierarzt bzw. den tierärztlichen Notdienst aufsuchen sollten, wenn die genannten Naturheilmittel nicht innerhalb kurzer Zeit zu einer Besserung führen oder die Symptome auf eine gravierende Erkrankung hinweisen! Bei den gefürchteten Virusinfektionen wie Katzenschnupfen-Komplex, Ansteckende Bauchfellentzündung, Leukose, Katzen-Aids, Katzenseuche oder Wurmbefall kann man die Beschwerden mit pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln lediglich ergänzend behandeln, die Erkrankungen aber nicht heilen. Sie gehören immer in die Hände eines Tierarztes. Erinnern Sie Ihre Kunden bei dieser Gelegenheit auch an die entsprechenden Impfungen, damit die Katzen vor den gefährlichen Krankheiten geschützt sind.
Quellen:
Susanne E. Kaiser: Arzneitherapie bei Heimtieren
Erich Reinhart, Christiane Greet-Karsten: Therapeutischer Index der biologischen Tiermedizin