30.05.2011
Topthema
PTAheute 11-2011
Repellentien – Der Schutzschirm gegen Plagegeister
Thema des Monats Juni

von Leonie Hudetz, Bretten
Sommer, Sonne, Sonnenschein – darauf freut sich momentan wohl jeder. Ärgerlich nur, dass ab der ersten Abenddämmerung dann auch wieder all die Plagegeister unterwegs sind, deren Ernährungsgrundlage unser menschliches Blut bildet. Während viele Stechmücken nur lästig sind, gibt es auch stechende Krankheitsheitsüberträger: Hierzulande verbreiten Zecken Lyme-Borreliose und FSME, in tropischen Gebieten lauern Malaria, Gelbfieber und viele weitere Krankheiten. Eine effektive Maßnahme, um sich vor Erkrankungen zu schützen, ist den Kontakt mit dem Überträger zu vermeiden. Deshalb sind sie bald wieder sehr gefragt – die Repellentien.
Das lateinische Wort „repellere“ bedeutet „abwehren, vertreiben“.
Repellentien sind Stoffe, die Insekten und Spinnentiere (z. B. Zecken) fernhalten, sie im Gegensatz zu Insektiziden aber nicht abtöten. Repellentien werden äußerlich aufgetragen und bilden durch Verdunstung einen wenige Millimeter dicken Schutzmantel auf der Haut, welcher den Geruchssinn der Angreifer stört und diese fernhält. Man unterscheidet synthetische und biologische Repellentien.
Wirksam aber giftig?
Die Ansprüche, die ein gutes Repellent erfüllen muss, sind hoch: Es sollte ein breites Wirkspektrum besitzen, lange wirken, jedoch weder Hautirritationen hervorrufen noch sonstige Nebenwirkungen besitzen. Die Stoffe, die diesen Anforderungen am nächsten kommen und daher entsprechend oft in Repellentien eingesetzt werden, sind DEET, Icaridin und EBAAP.
Diethyltoluamid
DEET (= Diethyltoluamid) ist das am besten untersuchte Repellent und hat sich zum Goldstandard entwickelt. Zum Wirkspektrum gehören Bremsen, Fliegen, Milben, Stechmücken und Zecken, wobei die Wirkung gegen Zecken von reduzierter Dauer ist. Die auf dem Markt verfügbaren Produkte enthalten unterschiedlich hohe Konzentrationen an DEET. Produkte mit einem Gehalt von mindestens 20 % gewähren lange Schutzzeiten von bis zu 12 Stunden, niedrigere Konzentrationen schützen nur bis zu drei Stunden.
Negative Presse erhielt DEET, weil in sehr seltenen Fällen neurotoxische Nebenwirkungen auftraten. Studien ergaben jedoch, dass diese Störungen des ZNS vor allem bei unsachgemäßer topischer Anwendung (zu hohe Konzentration, zu häufige Wiederholung pro Zeiteinheit, Anwendung über längere Zeit – Wochen bis Monate) auftraten. Werden die Herstellerangaben zur Anwendung beachtet, ist die Verträglichkeit – auch bei Kindern – sehr gut. Icaridin ist annähernd gleich gut wirksam wie DEET und ebenfalls genau untersucht. In 20 %-igen Zubereitungen wehrt es nicht nur Bremsen, Fliegen und Stechmücken, sondern auch Zecken effektiv ab – gegen letztere ist es sogar wirksamer als DEET. Geruch und Hautgefühl nach dem Einreiben werden oft als angenehmer im Vergleich zu DEET empfunden, zudem sind Nebenwirkungen nicht bekannt. Daher ist das Mittel nicht nur für Kinder ab 2 Jahren, sondern auch für Schwangere und Stillende geeignet, die sich mangels Erkenntnissen bei DEET lieber zurückhalten sollten.
EBAAP (Ethyl-Butylacetylaminopropionat) wirkt gegen Bienen, Bremsen, Fliegen, Stechmücken, Wespen und Zecken, ist aber im Vergleich zu DEET und Icaridin jedoch deutlich schwächer wirksam. Die Wirkdauer beträgt nur ein Viertel der Zeit von DEET-haltigen Präparaten, die Benutzung EBAAP-haltiger Präparate in den Tropen ist daher definitiv nicht empfehlenswert.
Positiv: Auch nach vielen Jahren der Anwendung liegen kaum Meldungen zu Nebenwirkungen vor.
Pflanzliche Wirkstoffe
Pflanzliche Wirkstoffe sind sehr beliebt. Vor allem wenn es um den Schutz von Kindern geht, sind Eltern synthetischen Stoffen gegenüber oft sehr kritisch. Leider erreicht kein natürlicher Stoff auch nur annähernd die Wirksamkeit von DEET und Icaridin. Dennoch finden vor allem Zubereitungen mit ätherischen Ölen Anwendung. Die beste Wirksamkeit scheint Zitronellöl zu haben, es fand sich beispielsweise in der inzwischen nicht mehr vertriebenen Zanzarin® Mückenschutz Bio Lotion. Zu beachten ist, dass ätherische Öle im Vergleich zu synthetischen Repellentien weitaus weniger auf Wirksamkeit und Risiken untersucht sind. Bitte denken Sie daher bei der Beratung daran, dass Repellentien pflanzlicher Herkunft nicht zwangsweise besser verträglich sind als synthetische Wirkstoffe; oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Ätherische Öle besitzen ein nicht zu vernachlässigendes allergenes Potenzial, das durch Sonnenexposition verstärkt werden kann. Für Reisen in tropische Länder sind pflanzliche Repellentien keinesfalls geeignet. Immer wieder mal fragen Kunden auch nach Vitamin-B1-Präparaten oder Knoblauch- bzw. Petersilienölkapseln, die sie zur Prophylaxe von Insektenstichen einnehmen möchten. Die Unwirksamkeit von Vitamin B1 ist inzwischen nachgewiesen worden; für Knoblauch- und Petersilienpräparate konnte bisher zumindest keinerlei Wirksamkeit belegt werden. Um das Einsprühen bzw. -schmieren kommt also niemand, der gut geschützt sein möchte, herum.
Praktische Hinweise
Wichtig zur optimalen Wirksamkeit ist der richtige Gebrauch der Repellentien.
Beim Auftragen des Schutzes gilt: möglichst lückenlos auf die nicht abgedeckten Hautstellen, jedoch ohne Kontakt mit Augen, Lippen, Nasenöffnungen, Schleimhäuten oder Hautläsionen wie Wunden oder Sonnenbrand. Auch Hautpartien unter luftiger Kleidung sollten nicht vergessen werden, da Insekten dünne Stoffe durchstechen.
Imprägnierte Kleidung
Auf die Kleidung aufgebrachte Repellentien verdunsten langsamer und schützen dadurch länger. Weisen Sie aber darauf hin, dass DEET Kunstfasern beschädigen kann! Nur auf Nylon kann es bedenkenlos angewendet werden, auch Sonnenbrillen, Uhrenbänder etc. sollten besser nicht damit in Kontakt kommen. Die Angaben der Hersteller zur Wirkdauer sind nur als Richtgröße zu verstehen: Sie wurden unter Laborbedingungen festgelegt, Faktoren wie Abrieb, Schwitzen, Wind, Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind dabei nur ungenügend berücksichtigt. In der Praxis ist die Wirkdauer daher kürzer als im Labor, für konstanten Schutz muss das Auftragen also rechtzeitig wiederholt werden.
Repellentien und Sonnenschutz
Erklären Sie Ihren Kunden auch, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Repellentien und Sonnenschutzmitteln die Wirkung des Sonnenschutzes stark abnimmt – er wird um bis zu 33 % reduziert. Verhindern kann man dies, indem man das Repellent erst 15 Minuten nach dem Sonnenschutz aufträgt.
Hauptsächlich werden Repellentien in Form von Sprays angeboten, die einfach und schnell am gesamten Körper angewendet werden können. Bei manchen Produkten finden sich raffinierte Details: Brandneu ist Autan® Tropical in einer praktischen Outdoor-Flasche mit festsitzendem Deckel und Loch zur einfachen Befestigung an Rucksack oder Gürtel. Neben den klassischen Sprays gibt es auch Sprühlotionen (z. B. Doctan® Classic und Doctan® Kinder), mit denen die Haut nicht nur geschützt, sondern auch gepflegt wird. Einige Hersteller bieten außerdem Gele an, die beim Auftragen einen angenehmen Kühleffekt besitzen – z. B. Autan® Family Care Gel. Daneben finden sich auch Besonderheiten wie den Jaico® Anti-Mücken-Milch Roll-on, der eine optimal gleichmäßige Dosierung verspricht. Zum Imprägnieren der Kleidung sind ebenfalls spezielle Produkte im Handel, unter anderem Nobite® Kleidung. Es besitzt eine Wirkdauer von ca. einem Monat, inklusive dreimaligem Waschen bei 40 °C und leistet damit deutlich mehr als ein normales auf die Kleidung aufgetragenes Insektenschutzmittel. Gerade für Reisen in tropische Gebiete ist ein solches Produkt sehr empfehlenswert.
Duschen hilft auch
Zum Schluss noch ein allgemeiner Tipp für Ihre Kunden: Zusätzlich vor Insektenstichen schützen eine abendliche Dusche, bei der Schweiß und Duftstoffe abgewaschen werden, sowie helle, dicht abschließende und nicht zu eng anliegende Kleidung.
Was ist wo drin? (Beispiele)
- DEET
Parazeet® tropische Gebiete, Azaron® before Tropengel
- Icaridin
Autan® Active, Parazeet® Zeckengebiete
- EBAAP
Parazeet® europäische Länder sensible Haut
Verfasserin
Leonie Hudetz,
Apothekerin,
Bretten, E-Mail:
leonie.hudetz@yahoo.de