Die Zeit der guten Vorsätze

Der Jahreswechsel ist für viele ein beliebter Zeitpunkt, um gute Vorsätze zu fassen. Da gibt es natürlich die Klassiker: mit dem Rauchen aufhören, Gewicht verlieren, mehr Zeit für die Familie haben, sich weniger stressen lassen. Manche Vorsätze lassen sich einigermaßen gut umsetzen (z.B. vegan leben, mehr Spenden, mehr Urlaub). Bei anderen sind die tatsächlichen Erfolge schwerer messbar (z.B. sich gegen die Erderwärmung einsetzen). Und bei der Umsetzung einiger Vorsätze wird sich wie jedes Jahr gerne der Rat bei uns geholt. Ganz großes Thema: Abnehmen.

Das Thema Abnehmen ist grob in zwei Saisons unterteilt: vor dem Sommer und nach Weihnachten/Silvester. Das Problem beim Neujahrs-Abnehmen: die Schlemmerei davor, die voll und ganz ausgekostet wurde. Ob Schmalzgebäck auf dem Weihnachtsmarkt, regelmäßig Gans oder Ente mit Klößen und Rotkohl, Plätzchen jeden Tag zum Kaffee und natürlich reichlich Glühwein. Der Dezember ist ein sündhaft leckerer Monat und lässt viele erschrecken, die für den Januar einen Strandurlaub gebucht haben, um der Kälte zu entkommen. Im Sommer zeigt sich dann, dass sich der Einsatz im Januar so gar nicht gelohnt hat. Die Leute finden sich immer noch zu dick.

Möglichst viel in kurzer Zeit - und natürlich dauerhaft

Man erlebt also immer wieder die Menschen vor dem Regal der Abnehm-Shakes. Sie beschweren sich über den Preis (also knapp 2 Euro pro Mahlzeit…), fragen sich, wie der Geschmack wohl ist und wollen wissen, ab wann Erfolge messbar sind. „Kilos, ich brauche messbare Kilos!“, scheinen sie einem verzweifelt entgegen zu rufen. Mein Problem mit diesen Produkten ist, dass die Kunden dadurch leider nicht lernen, sich kontinuierlich bewusst zu ernähren und zu bewegen. Natürlich verliere ich Gewicht, wenn ich dieses Diätsystem durchziehe. Dann ist man im März und April vielleicht 5-10 kg leichter. Dann kommt Ostern und der alte Trott und plötzlich passt der Bikini wieder nicht mehr oder verschwindet in den Hautfalten. Ein Teufelskreis, der sich mit Pulvern und Pillen allein nicht durchbrechen lässt. Eine der Firmen hat in einer Zeitung mal Werbung gemacht und ein Apothekenteam gezeigt, dass jedes Jahr die entsprechende Fastenkur zum Abnehmen macht, um die Kunden zu unterstützen. Wäre diese Methode so gut und nachhaltig, dann müsste sie nicht jährlich wiederholt werden. Eine Kundin kauft sich sehr regelmäßig ihren Abnehmshake und beschwert sich unterschwellig, dass der Effekt nicht so ausgeprägt ist. Ich bin der Sache auf den Grund gekommen. Wenn ich nachmittags Pause habe und mir einen Kaffee beim Coffee Shop hole, habe ich sie schon mehrmals beim Kuchenessen gesehen. Der klassische Trugschluss, dass man sich auch mal was gönnen muss, wenn man schon Diät hält. :-)

Gibt's da nicht eine Kapsel?

Auch bei vermeintlichen Abnehmkapseln muss man die Kunden ab und zu enttäuschen. Oder wie eine Kollegin immer gesagt hat: „Wenn es diese Wunder-Abnehmkapsel geben würde und sie würde funktionieren - dann wären alle Menschen ganz dünn und einer wäre ganz reich.“ Eine andere Kollegin hatte letztens eine Kundin, die sie fragte, ob wir Kohlsuppe in Kapseln verkaufen würde. Sie können sich eventuell die Fragezeichen vorstellen, die sich bei meiner Kollegin auftaten. Auf Nachfrage sagte die Kundin: „Ich mache diese Kohlsuppen-Diät. Aber ich finde die Kohlsuppe so widerlich. Da dachte ich, man könnte die doch in Kapseln abfüllen und schlucken.“ An sich keine schlechte Geschäftsidee. Damit die Kundin nicht verhungert, müsste sie nur ungefähr 200 Kohlsuppenkapseln pro Mahlzeit schlucken.

Ohne Disziplin geht es einfach nicht

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Hilfsmittelchen, die es gibt, um Gewicht zu verlieren. Ich glaube nur, dass das nicht allein die Lösung sein kann. Dazu gehört auch viel Disziplin und der Wille, etwas an seinem Leben zu verändern. Das ist am Anfang sicherlich nicht einfach, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Ich habe eine sehr gute Freundin, die seit ein paar Jahren richtig viel Spaß daran hat, sich und ihre Familie gesund zu ernähren. Wenn sie mir einen grünen Smoothie macht, dann habe ich gefühlt alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe für zwei Wochen aufgenommen. Ein paar Sachen habe ich mir bei ihr abgeguckt. Im Adventskalender meiner Mama bekomme ich seitdem z.B. Haferflocken und Chia-Samen statt Schokolade.

Und für die unter uns, die nicht anders können… Letztens habe ich folgenden Spruch gelesen: „Ich habe mir vorgenommen, diesen Sommer eine Bikinifigur zu haben und die Menschen mit meinem Körper zu beeindrucken. Was soll ich sagen? Ich mag Essen mehr als Menschen.“ Auch eine akzeptable Variante. :-)

Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
onlineredaktion@ptaheute.de