Privileg Privatpatient

Um das Thema Bürgerversicherung und die Diskussionen der verschiedenen Seiten kommt man kaum herum. Da frage ich mich, was denn eigentlich die Privatversicherten von einer Versicherung für alle halten. Immerhin gibt es viele Menschen, die sich - ausreichendes Gehalt vorausgesetzt - ganz bewusst für eine Privatversicherung und die dazugehörigen Privilegien entscheiden. Manche Patienten denken, dass diese Privilegien von der Arztpraxis bis zur Apotheke reichen. Ab und zu weist der ein oder andere Kunde dann auch gerne darauf hin, dass er als Privatpatient - seiner Meinung nach - eine andere Betreuung verdienen würde. Anbei die Top 3 der Kategorie „Privileg Privatpatient“.

Als Privatversicherter brauche ich kein Rezept

Ein Mann mittleren Alters stand vor mir und sagte: „Ich möchte gerne eine Packung Ramipril 1,25mg kaufen.“ „Sehr gerne. Wo ist denn Ihr Rezept oder Ihr Arztausweis?“ „Ich bin Privatpatient.“, entgegnete der Mann, als ob das ausreichen würde, um alles in der Apotheke kaufen zu können, was man gerne hätte. Ich erklärte ihm, dass das kein ausreichendes Kriterium sei, um eine Packung Ramipril zu bekommen. „Aber warum nicht? Ich bin doch Privatpatient.“ Fast empört schaute er mich an. Habe ihm dann erklärt, dass die Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel ohne Rezept auch an Privatpatienten gegen die Arzneimittelverschreibungsverordnung verstößt. „Also geben Sie mir keine Packung?“ Richtig!

Individuelle Rezepturen bekomme ich sofort

Ein PKV-Patient hatte ein Rezept für ein Präparat zur Hyposensibilisierung. Das Problem: dieses Arzneimittel stellt der Hersteller nur auf Anfrage individuell her. Das dauert ca. 4 Werktage, egal, zu welcher Krankenkasse man gehört. Es war Freitagabend, als der Kunde kam, um sein mehrere Wochen altes Rezept einzulösen. Als ihm mitgeteilt wurde, dass er sein Arzneimittel voraussichtlich am folgenden Donnerstag abholen kann, ist er fast über den HV-Tisch gesprungen. Er braucht es doch ganz dringend am Montag! Ob man das nicht alles beschleunigen könnte und was uns denn einfallen würde, so lange Bestellzeiten zu haben. Er sei doch schließlich Privatpatient, das muss doch einen Unterschied machen. Er lässt doch so viel Geld bei uns. Der Patient verlangte ein Gespräch mit der Filialleitung, pöbelte lautstark in der Apotheke herum, wie inkompetent wir doch wären, wurde nicht müde zu betonen, dass er uns viel Umsatz bringen würde und beschwerte sich im Nachhinein noch bei der Chefin persönlich. Was soll ich sagen? Ich denke, nur Chuck Norris hätte die eigens angefertigte Hyposensibilisierung am nächsten Tag bekommen.

Als Privatversicherter rollt der Rubel

Ein Privatpatient hat ein Rezept für knapp 3.500 Euro eingelöst und die Summe bei Abholung mit der Kreditkarte bezahlt. Eine solche Summe kommt nicht unbedingt jeden Tag vor und so war ich leicht erschrocken, als ich ihm diese Summe nannte. Und da erwiderte ganz abgeklärt: „Na, das ist bestimmt mehr als ihr doppeltes Monatsgehalt, oder?“ Nachdem er bezahlt hat, sagte ich freundlich lächelnd zu ihm: „Nein, ich verdiene weitaus mehr.“

Für uns macht es keinen Unterschied, ob das Rezept blau oder rosa ist. Bei uns wartet jeder gleich lang und bekommt den gleichen Service. Und das ab und zu mal einer aus der Reihe tanzt passiert bei Rezepten jeglicher Farbe. ;-)