Warum es sich lohnt, in Naturwissenschaften aufzupassen

Meine kleine Schwester hat sich sehr oft gefragt, warum sie eigentlich so viele „unsinnige“ Dinge in Chemie, Physik und Mathe lernen muss. „Wozu muss ich denn später bitte wissen, wie man integriert?“ Fairerweise muss ich gestehen, dass auch ich nach dem Mathe-LK nie wieder ein Integral bilden musste. Aber ein gewisses Grundverständnis für Naturwissenschaften ist dann doch recht hilfreich im Leben. Unsere Kunden zeigen immer mal wieder Schwächen in diesen Gebieten. Was uns dann doch ab und zu mal amüsiert.

Thema „Konzentrationsabhängigkeit“

„Hallo, ich suche N-A-C-L zum Desinfizieren des Inhalationsgerätes meiner Freundin.“ „Aha“, erwiderte meine Kollegin erstaunt. „Also Sie können mit Kochsalzlösung vieles anstellen, aber Desinfizieren gehört leider nicht dazu.“ „Doch, doch“, erwiderte die Kundin. „Ich habe mal gelernt, dass das von der Konzentration abhängt. In sehr hohen Konzentrationen hat N-A-C-L eine desinfizierende Wirkung. So bei 100%.“ Tiefes Durchatmen bei meiner Kollegin: „Also bei 100% haben Sie ein festes Salz. Damit kann man nichts Desinfizieren.“ Woraufhin die Kundin etwas beleidigt war, aber das hatte sie dann wohl im Chemieunterricht missverstanden…

Mathematik

Jedes Mal, wenn sich ein Kunde darüber aufregt, dass bestimmte Arzneimittel in höheren Dosierungen plötzlich rezeptpflichtig sind, denke ich mir, dass selbst Grundlagen des Mathematik-Unterrichts wohl im Laufe des Lebens verloren gehen können. Denn wer in der 1. Klasse in Mathe aufgepasst hat, den stört es nicht, dass man freiverkäuflich z.B. nur Ibuprofen Tabletten mit 400mg kaufen kann, obwohl man doch sonst die 800mg Tabletten vom Arzt verschrieben bekommt. Mathematisch anspruchsvoller sind natürlich die 600mg, hier muss immerhin eine 400mg Tablette geteilt werden (wenn möglich), um zum Ergebnis zu kommen. Und dann gibt es noch die Kunden, die vehement behaupten, dass zwei 400mg Tabletten bei ihnen einfach gar nichts bringen und nur 800mg wirksam wären. Das sollte man mal in einer doppelt verblindeten Studie testen…

Chemisches Grundwissen

Ein Kunde sagte mir, er solle auf Empfehlung ein Hautdesinfektionsmittel ohne Alkohol kaufen. So weit, so gut. Dann nannte er mir den Namen des Produktes und in dem Moment war ich mir sehr sicher, dass dieses Produkt auf jeden Fall Alkohol enthält. Zugegeben, war das Wort „Ethanol“ etwas versteckt. Für den Kunden war es dann letzten Endes weder schlimm noch von Bedeutung, denn bisher wurde das vermeintlich alkoholfreie Hautdesinfektionsmittel gut vertragen. Doch was lernen wir daraus? Nicht jeder erinnert sich an die verschiedenen Namen für Alkohol aus dem Chemieunterricht. Und nicht jeder weiß, dass es chemisch gesehen mehr Alkohole als nur Ethanol gibt. Das erinnert mich an eine Szene einer amerikanischen Fernsehserie, in der eine Frau in einer Bar ein Glas Ethylalkohol bestellen wollte und die Kellnerin erwiderte, dass es in der Bar keinen Ethylalkohol geben würde. Der Erfolg einer Bar, die keinen Ethylalkohol verkauft, wäre vermutlich begrenzt.

Ein bisschen Klugscheißen muss sein

Zum Leidwesen meines Umfelds – der „Nicht-Apothekenmitarbeiter“ – teile ich mein naturwissenschaftliches Wissen gerne, wenn es sich anbietet. Meine Oma sagt dann immer nur „Aha“ und verschwindet in die Küche, weil die Kartoffeln abgegossen werden müssen oder der Ofen ausgeschaltet werden muss. Das finde ich dann meist ein bisschen gemein, weil ich ihr bei ihren Geschichten ja auch zuhöre… Eigentlich wäre das für die Kunden und mich ein fairer Deal: Für jede Geschichte, die ich mir am HV-Tisch anhöre, darf ich eine kleine Runde Klugscheißen. :-)

Lustige Geschichten aus Ihrer Apotheke

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Marie Dietzsch
Apothekerin, Berlin
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