Warum ich mir keine Sorgen um die Zukunft mache

Jeden Morgen fahre ich an einer Werbung für eine Internet-Apotheke vorbei. „Die Apotheke für mich und mein Rezept“ heißt es da. OTC Arzneimittel und Kosmetika, so behaupten böse Zungen, gäbe es hier immer viel, viel günstiger als in fast (jeder) normalen Apotheke. Beratung wohl auf Wunsch aber ebenso ausführlich. Dass ein Kollege einmal mehrere Packungen Paracetamol, Herpes-Lippencreme und Pantoprazol auf einmal gekauft hat und das bei allen Versandapotheken einwandfrei funktionierte schadete dem Image kaum. Und dass sich eine Anzeige für eine Internet-Apotheke in eine Zeitung verirrte, die Vor-Ort-Apotheker bezahlen und an ihre Kunden verschenken: Bereits vergessen!

Noch ist der Anteil der Internet-Apotheken am kompletten Marktumsatz gering. Doch wieso glauben wir, dass die Digitalisierung vor der Apotheke einen Halt machen würde? Wenn der Mensch nicht akut leidet, dann nimmt er lieber die Wartezeit des Versands in Kauf statt mehr zu bezahlen. Wie die Mutter eines Bekannten, der ebenfalls Apotheker ist. Er brachte seiner Mutter ein OTC-Arzneimittel zu seinen Apotheken-Konditionen mit. Und sie - eine sicherlich nicht arme Frau - beschwerte sich über den Betrag. Im Internet hätte sie noch einmal deutlich gespart. Wie soll das gehen, fragt man sich? Wie kann man da noch einen Gewinn erwirtschaften?

Für den Erhalt der Apotheke vor Ort

Zurecht setzen sich viele Kollegen für den Erhalt der Apotheke vor Ort ein. Das ist richtig und wichtig. Es wird aber so sein, dass Apotheken, die sich weder über eine gute Beratung, noch über ein gutes Sortiment oder eine schöne Atmosphäre beim Einkaufen differenzieren, kaum halten werden. Und eine Apotheke zu übernehmen oder neu zu eröffnen, ist für viele junge Apotheker keine Option. Erstmals seit der Wiedervereinigung gibt es weniger als 20.000 Apotheken in Deutschland.

Ist die Beratung via Skype die Zukunft

Wenn man das Online-Konzept einmal ein bisschen überspitzt durchdenkt, dann kommt es mir doch recht attraktiv vor. Man stelle sich vor, dass der Großteil von uns in Zukunft statt hinter dem HV-Tisch an seinem Schreibtisch sitzt und mit den Patienten per Skype oder Facetime spricht. Und dass das zum Standard wird. So kann man den Patienten von Angesicht zu Angesicht oder „face to face“ wie es modern heißt, beraten, Rezepte bearbeiten und erstellt nebenbei eine Bestellung, die dann an den Patienten oder Kunden verschickt wird. Dazu muss man ja nicht zwingend in der Niederlassung sitzen. Diese Beratung würde auch aus dem Home-Office funktionieren. Mit Jogginghose. Die Stundenzeit kann man selbst bestimmen. Wenn man eine Pause machen möchte, drückt man auf „nicht verfügbar“. Es müsste nur sichergestellt werden, dass immer genug PTA und Apotheker online sind, damit der Patient oder Kunde nicht zu lange warten muss. Wenn man sich das einmal überlegt … Man wird nicht mehr angehustet oder angeniest! Wenn man zum x-ten Mal den Fußpilz von Herrn M. vors Gesicht gehalten bekommt, ist da ein Bildschirm als Schutz dazwischen. Man riecht die Kunden nicht … Auf dem Rezept fehlt das aut idem Kreuz? Oder das Ausrufezeichen hinter der 2. Packung? Es ist die falsche Stärke oder Menge ausgestellt? Nicht mehr unser Problem! Die Apotheke vor Ort bietet als Service die Rücksprache mit dem Arzt an und bringt das Rezept vorbei. Aber wenn ich in Berlin bin und mein Skype-Apotheken-Kunde kommt aus Bayern, kann ich das leider nicht für ihn erledigen. Die Verantwortung liegt beim Kunden. Ich werde deswegen von ihm angepöbelt? Kein Problem! Die Wahrscheinlichkeit, dass ich genau diesen Kunden noch einmal erwische, ist ja nun wirklich verschwindend gering. Wer nicht gerne alleine zuhause sitzt, der kann auch ins Office kommen zum Skypen. Und wer genug hat, geht einfach offline.

Ich glaube an die Zukunft

Ich glaube fest daran, dass sich die wirklich guten Apotheken auch auf Dauer vor Ort halten werden. Es wird immer Menschen geben, die akut krank sind oder dem Internet misstrauen. Denn jedes vertrauliche Gespräch, das im Internet stattfindet, ist irgendwo dokumentiert. Es wird die Menschen geben, die gerne zu „ihrer Apotheke“ mit ihren Lieblings-PTA und Lieblings-Apothekern gehen und diesen Kontakt sehr schätzen. Selbst wenn sie ein paar Euro mehr dafür bezahlen. Doch einigen dieser Menschen wird es weiterhin passieren, dass „ihre" Apotheke eines Tages vielleicht nicht mehr da ist.

Tschüss, Apoblog ...

Die Apotheke, in der ich arbeite, wurde verkauft. An einen neuen Besitzer. Und was soll ich sagen? Ich habe den Übernahmevertrag nicht unterschrieben. Ich wage etwas Neues. Und verabschiede mich auf diesem Weg auch von meinem Apoblog. Ich danke allen, die zwei Jahre lang mitgelesen haben, ganz herzlich! Es war eine wunderbare Zeit und wenn ich Ihnen ab und zu ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern konnte, dann freut mich das sehr! Bleiben Sie fröhlich und mutig, lassen Sie sich nicht unterkriegen! Und wenn Sie zu den Menschen gehören, die auch mal physischen Abstand vom Kunden gebrauchen können, dann freuen Sie sich auf die Skype-Zukunft! Irgendwo plant das sicherlich jemand …

Ihre Marie Dietzsch