Birke – Blätter, die durchspülen

Allergiker können sich derzeit wenig an diesem Baum erfreuen. Denn es herrscht Birkenpollenflug. Ein hübscher Anblick ist die Birke in dieser Jahreszeit aber allemal. Präsentiert sich der schlanke Baum mit der weißen Rinde doch jetzt mit frischem, hellgrünem Laub. Auch heilkundlich gebührt den Birkenblättern Aufmerksamkeit, vor allem wegen ihrer harntreibenden Wirkung.

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Bei Erkrankungen der Harnwege

Birkenblätter haben in der Heilkunde eine lange Tradition. Schon im Mittelalter wurden die dreieckigen bis rautenförmigen Blätter gegen Nieren- und Blasensteine, Gicht und Rheuma eingesetzt. Die moderne Phytotherapie konnte sich diesen Indikationen weitgehend anschließen. Die Droge Betulae folium zählt heute zu den pflanzlichen Aquaretika – also zu denjenigen Diuretika, welche die Wassermenge im Urin erhöhen, ohne zusätzlich Salze auszuscheiden. Damit erreicht man, dass die Harnwege besser durchspült werden. Das ist sinnvoll bei Harnwegsentzündungen und -infektionen. Übrigens kann man Birkenblätter-Zubereitungen auch begleitend zu einer Antibiotika-Therapie oder im Anschluss daran geben. Es trägt dazu bei, ein Rezidiv zu verhindern.

Harntreibende Begleittherapie

Eine Erhöhung der Harnmenge beugt auch der Bildung von Nierengrieß und Harnsteinen vor. Daneben sind Birkenblätter auch als harntreibende Begleittherapie bei rheumatischen Beschwerden indiziert. Sie sollen den Stoffwechsel im Bindegewebe ankurbeln. Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe von Birkenblättern gelten Flavonoidglykoside wie Hyperosid und Quercitrin.

Bevorzugt in Teeform

Bei einer Durchspülungstherapie ist es natürlich wichtig, ausreichend zu trinken. Daher sind Teezubereitungen eine geeignete Darreichungsform für Betulae folium (2 bis 3 g feingeschnittene Droge/Tasse, mehrmals täglich). Auch Fertigtees sind verfügbar (z.B. Birkenblätter Bombastus, Salus® Birkenblätter). Häufig sind Birkenblätter in mit anderen diuretisch wirksamen Drogen kombiniert, z.B. mit Schachtelhalmkraut, Goldrutenkraut und Hauhechelwurzel (z.B. Durchspülungstee Bombastus, Kneipp® Blasen- & Nieren Tee). Auch Kombinationen mit einem pflanzlichen Harnwegsdesinfizienz wie der Bärentraube sind bewährt (z.B. Blasen und Nierentee Bombastus, H&S® Blasen- und Nierentee). Einige andere Fertigpräparate zur Durchspülungstherapie setzen Birkenblätter in Extraktform ein (z.B. Harntee-Steiner®, Harntee 400 Tad® N Granulat, Nephroselect®). Daneben gibt es Birken-Frischpflanzensaft (z.B. Schoenenberger® Birke).

Für Haut und Haare

Auch die Kosmetik setzt auf die Birke. Haar- und Körperpflegeprodukte nutzen sowohl Birkenblattextrakte als auch Birkensaft, der aus den Stämmen gewonnen wird. Sie bauen auf die vitalisierenden, straffenden und adstringierenden Effekte der Birke (z.B. Retterspitz Shampoo, Weleda Birken Cellulite-Öl). Ein spezifischer Inhaltsstoff der Rinde – die Substanz Betulin – ist Bestandteil der medizinischen Hautpflegeserie Imlan®.

Hängebirke und Moorbirke

Fast jeder kennt die Birke – wegen ihrer weißen Rinde. Besonders hell ist sie bei jungen Exemplaren der Hängebirke (Betula pendula). Diese Art heißt auch „Sandbirke“, da sie trockene, nährstoffarme Sandböden verträgt. Sie besiedelt oft als erste Baumart Kahlschläge und Brachflächen. Pharmazeutisch verwendet wird neben Betula pendula auch Betula pubescens, die Moorbirke. Deren Blätter sind im Jugendstadium im Gegensatz zu denen der Hängebirke leicht behaart.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de