Brennnessel – bei Rheuma und Harnwegsbeschwerden

Brennnessel Bild: © M. Schuppich- Fotolia

Hautnahe Begegnungen hatte wohl jeder schon mit dieser Pflanze – mit unangenehmen Folgen. Eine Wohltat kann die Brennnessel dagegen bei therapeutischer Anwendung sein. Kraut und Blätter dieses „Unkrauts“ wirken diuretisch und antientzündlich. Von der Wurzeldroge können Männer mit Prostatavergrößerung profitieren.

Mit feiner Spritze

Auf ihren Blättern und Stängeln ist die Große Brennnessel (Urtica dioica) überall mit feinen Brennhaaren ausgestattet. Schon bei der leichtesten Berührung brechen die Köpfchen der Brennhaare ab und es entsteht eine scharfkantige Abbruchstelle. Damit dringt das Brennhaar wie eine Kanüle in die Haut ein und injiziert dem „Opfer“ seinen Zellsaft. Dieser enthält Acetylcholin, Ameisensäure und Histamin und sorgt damit für den brennenden Schmerz und die typische Quaddelbildung.

Unterstützend bei rheumatischen Beschwerden

Für die therapeutischen Effekte von Urtica dioica sind neben den Brennhaar-Inhaltsstoffen vor allem Flavonoide sowie Kaffeesäureester und Sitosterol verantwortlich, darüber hinaus Mineralsalze und Kieselsäure. Brennnesselkrautextrakte hemmen unter anderem das Enzym Cyclooxygenase, das in der Entzündungskaskade eine entscheidende Rolle spielt. Auch die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine wird unterdrückt. Brennnesselkraut/-blätter (Urticae herba/folium) ist daher unterstützend bei rheumatischen Beschwerden indiziert. Man kann Extraktpräparate (z.B. Hox alpha®, Natu lind® 600 mg, Rheuma-Hek®) auch mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) kombinieren. Deren Dosis lässt sich dadurch oftmals reduzieren.

Zur Durchspülung der Harnwege

Da Brennnesselkraut auch harntreibend (aquaretisch) wirkt, hat es ein zweites Einsatzgebiet: zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie bei Nierengrieß. Für die Teezubereitung werden zwei Teelöffel (1,5 g) fein geschnittenes Kraut pro Tasse verwendet (Tagesdosis 8 bis 12 g). Fertigteepräparate gibt es zum Beispiel von Bombastus, H&S und Sidroga. Außerdem steht ein Frischpflanzensaft (Schoenenberger® Brennnessel Naturreiner Heilpflanzensaft) zur Verfügung.

Wurzeldroge bei Prostatabeschwerden

Ein weiteres Einsatzgebiet bedient die Brennnessel-Wurzeldroge (Urticae radix): Miktionsbeschwerden bei benigner Prostatahyperplasie (BPH). Eine ganze Reihe von Trockenextrakt-Fertigpräparaten ist hierzu verfügbar (z.B. Natu prosta® 600 mg, Prostaforton® uno, Pro-Sabona® uno, Urol® pros, in Kombination mit Sägepalmenfrüchteextrakt: Prostagutt® forte). Für die Wirksamkeit von Urticae radix sind unter anderem Lektine, ein Gemisch von Polysacchariden, Sitosterol und Lignane verantwortlich. Wurzelextrakte scheinen die Bildung und die Bindungsfähigkeit von Dihydrotestosteron zu schwächen. Somit kann das Hormon seine wachstumsfördernde Wirkung auf die Prostata nicht voll entfalten.

Starker Ausbreitungsdrang

Urtica dioica ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt es gibt weibliche Exemplare (deren unscheinbare Blütenrispen nach unten hängen) und männliche (mit abstehenden Blütenständen). Das Brennnesselgewächs (Urticaceae) wächst fast überall, wo stickstoffhaltiger Boden vorhanden ist – an Wegen, Schuttplätzen, Gräben, Waldrändern und auf überdüngten Wiesen. Auch in Gärten siedelt sich die bis zu eineinhalb Meter hohe Staude mit den gegenständigen Blättern gerne an. Mit ihrem weitverzweigten unterirdischen Rhizom breitet sich die Brennnessel schnell aus. Wegen dieses Rhizoms ist sie auch schwer auszumerzen und daher recht unbeliebt. Bei aller Abneigung sollte man allerdings bedenken: Für zahlreiche Schmetterlingslarven stellt die Brennnessel eine wichtige Nahrungsquelle dar.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de