Eberesche – Vorbild fürs Chemielabor

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Ab August reifen die leuchtend orangeroten Früchte der Eberesche. Der Baum stellt dann nicht nur einen hübschen Blickfang dar, sondern auch eine begehrte Nahrungsquelle für Vögel. Auch der Mensch nutzt die kleinen kugeligen Früchte schon lange in Küche und Heilkunde.

Tisch für die Vögel gedeckt

Die Eberesche (Sorbus aucuparia) heißt im Volksmund auch Vogelbeerbaum. Dieser Bezeichnung macht der heimische Laubbaum alle Ehre. Denn er lockt mit seinen Früchten mehr als 60 verschiedene Vogelarten an. Doch genau genommen müsste der Baum eigentlich einen weniger schönen Namen tragen: „Vogelfangbeere“. So lautet jedenfalls die richtige Übersetzung des lateinischen Artnamens „aucuparia“ („au“ von „avis“ = Vogel, „capere“ = fangen). Tatsächlich lockte der Mensch früher mithilfe der leuchtend roten Früchte Vögel in Netze oder auf Leimruten. 

Lauter kleine Äpfelchen

Botanisch korrekt handelt es sich bei den „Vogelbeeren“ gar nicht um „Beeren“, sondern um Miniäpfelchen. Denn ebenso wie der Apfelbaum gehört auch die Eberesche zu den Kernobstgewächsen innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Mit der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ist die Eberesche übrigens nicht verwandt – auch wenn beide Bäume ähnlich gefiederte Blätter tragen.

Ursprung der Sorbinsäure

In früheren Zeiten nutzten nicht nur Vögel, sondern auch die Menschen Ebereschenfrüchte als Nahrung. Wegen ihres Vitamin-C-Reichtums waren sie zudem ein geschätztes Mittel gegen Skorbut. Später fanden die roten Früchtchen wegen anderer Inhaltsstoffe Beachtung. So kommt in ihnen der Bitterstoff Parasorbinsäure vor. Daraus wurde im Jahr 1895 erstmals freie Sorbinsäure hergestellt. Heute gewinnt man Sorbate synthetisch. Sie werden als Konservierungsstoffe in Lebensmitteln eingesetzt.

Hauptinhaltsstoff Sorbitol

Noch ein weiterer interessanter Inhaltsstoff steckt in den Vogelbeeren: der Zuckeralkohol Sorbitol (= Sorbit). Der inzwischen synthetisch hergestellte Zuckeraustauschstoff wurde früher aus Vogelbeeren gewonnen. Die Früchte enthalten Sorbitol in einer Menge von bis zu zehn Prozent, weshalb sie auch für Diabetiker geeignet sind. Sorbitol wirkt außerdem als osmotisches Abführmittel. Die Volksmedizin nutzt Sorbi aucupariae fructus daher einerseits als mildes Laxans, andererseits wegen adstringierender Effekte der Parasorbinsäure auch bei Durchfall. Darüber hinaus wird die Droge traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, unter anderem bei Diabetes, Nierenproblemen, Arthritis und Menstruationsbeschwerden. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirksamkeit hierbei allerdings nicht.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de