Efeu – anerkannt wirksames Hustenmittel

Efeu-Blattextrakte lösen festsitzenden Schleim, mildern den Hustenreiz und entkrampfen die Bronchialmuskulatur. / Bild: meryll - Fotolia.com

Efeupräparate werden jetzt in der Erkältungs- und Hustenzeit vermehrt abgegeben. Man kann sie aus gutem Grund empfehlen, denn Efeu-Blattextrakt hat eine umfassende Wirkung auf die Hustensymptomatik und gehört zu den wissenschaftlich bestuntersuchten Phytopharmaka. Die Karriere des Efeus als anerkanntes Atemwegstherapeutikum begann jedoch mit einer Zufallsentdeckung.

Gut beobachtet

Laut Überlieferung machte ein französischer Arzt im 19. Jahrhundert eine Beobachtung: Ihm war aufgefallen, dass Kinder, die ihre Milch aus Efeuholzschüsselchen tranken, seltener an Husten litten. Der Arzt folgerte, dass bronchialschützende Inhaltsstoffe aus dem Efeuholz herausgelöst wurden und in die Milch übergingen. Mit dieser Vermutung hatte er recht. 

Heute verwendet man allerdings nicht das Holz, sondern die Blätter des Efeus (Hederae folium) als Ausgangsmaterial für Arzneimittel. Sie haben einen höheren Wirkstoffgehalt. 

Krampf- und schleimlösend

Ein Efeu-Blatt / Bild: Weber-Fina - PTAheute.de

Efeu-Blattextrakte lösen festsitzenden Schleim, mildern den Hustenreiz und entkrampfen die Bronchialmuskulatur. Auch entzündungshemmende Effekte wurden festgestellt. Die antitussive Wirksamkeit ist vor allem den enthaltenen Saponinen wie Hederacosid C und α-Hederin zu verdanken. Ein Wirkmechanismus der Saponine besteht darin, dass sie die Anzahl von β-Rezeptoren auf der Oberfläche von Bronchialmuskelzellen erhöhen. Dadurch kann körpereigenes Adrenalin dort stärker wirken, wodurch sich die Verkrampfung löst. Außerdem bewirken die Saponine, dass sich zähflüssiges Bronchialsekret verflüssigt und dann leichter abgehustet werden kann. 

Wissenschaftlich gut untersucht

Die bronchospasmolytische und expektorierende Wirkung von standardisierten Efeu-Blattextrakten ist vielfach wissenschaftlich belegt. In einer Vergleichsstudie erwies sich das Phytotherapeutikum bei chronischer Bronchitis sogar als ebenso wirksam wie Ambroxol. Efeu-Blattextrakt ist indiziert bei akuten Atemwegskatarrhen, vor allem wenn produktiver Husten mit im Spiel ist, sowie zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen. Gängige Fertigpräparate sind zum Beispiel Bronchostad® Hustenlöser Sirup, Hedelix®, Prospan, Sinuc®. In Bronchipret® TE ist eine Extraktkombination aus Thymian und Efeublättern enthalten. Da die Tagesdosis der Droge Hederae folium auf 0,3 g beschränkt ist, stellen lediglich Fertigarzneimittel eine sinnvolle Anwendungsform dar. 

Botanische Besonderheiten

Die Blüten des Efeu mit ungelappten Blättern. / Bild: Maren Winter - Fotolia.com

Jetzt im Winter, wenn alles kahl ist, fällt der immergrüne Efeu besonders auf. Da man diesem Gewächs aber auf Schritt und Tritt begegnet, schenkt man ihm meist keine allzu große Aufmerksamkeit. Dabei hat der Efeu (Hedera helix) einige botanische Besonderheiten zu bieten. So ist dieses Araliengewächs (Araliaceae) der einzige Wurzelkletterer in Europa. Mit vielen kleinen Haftwurzeln hält er sich an Felsen, Mauern oder Baumstämmen fest. Ein Schmarotzer ist der Efeu übrigens nicht, denn er entzieht seinen Stützpflanzen keine Nährstoffe.

Efeubeeren / Bild: motivjaegerin1 - Fotolia.com

Eine Besonderheit zeigt der Efeu auch, was die Blüte- und Fruchtzeit angeht. So öffnen sich die unscheinbaren grünlichen Blüten erst im Herbst. Die Beeren, die in Dolden stehen und giftig sind, reifen über Winter und werden erst im Frühjahr schwarz. Der Efeu zeigt eine weitere, in der heimischen Pflanzenwelt einzigartige Besonderheit: eine Verschiedenheit der Blattformen. So bilden die blütentragenden Zweige große, ungeteilte, leicht rautenförmige Blätter aus. Die charakteristischen, dekorativen drei- bis fünflappigen Efeublätter sitzen dagegen an den sterilen, also nichtblühenden Trieben. Sie dienen der Arzneimittelherstellung. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de