Frauenmantel – Wunderkraut, Frauenheilmittel, Gerbstoffdroge

Die Blattform des Frauenmantels erinnert an einen mantelartigen Umhang. Daher kam dieses Rosengewächs zu seinem Namen. Und aus diesem Grund wurde Frauenmantelkraut als Frauenheilmittel eingesetzt. Diesen Zwecken dient das Kraut heute nur noch in der Volksmedizin. Phytotherapeutisch wird die Gerbstoffdroge Alchemillae herba bei leichten Durchfällen eingesetzt.

Die Blattform des Frauenmantels erinnert an einen mantelartigen Umhang | Bild: © H. Brauer - Fotolia.com

Charakteristische Blattform

Mit seinen kleinen, grünlich-gelben Blüten kann der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) nicht sehr imponieren. Für Aufmerksamkeit sorgt diese Rosacee dagegen mit ihren charakteristischen Blättern. Die sind ungefähr kreisförmig und mehrfach gelappt. Sie ähneln einem gefalteten Umhang, wie ihn die Frauen in früheren Zeiten trugen.

Etwas Alchemie

Streift man in den Morgenstunden durch die Wiesen, kann man an den Frauenmantelblättern eine faszinierende Beobachtung machen: An den gezähnten Blatträndern glitzern wie lauter Perlen viele kleine Tröpfchen. Später laufen sie in der Blattmitte zusammen. Bei ihnen handelt es sich um Wasser, welches die Pflanze bei höherer Luftfeuchtigkeit aktiv ausscheidet. Sie unterstützt damit den Transpirationssog. Diese sogenannten Guttations-Tröpfchen hielt man im Mittelalter für wundertätig. Die Alchemisten glaubten gar, mit ihrer Hilfe Gold herstellen zu können. Darauf nimmt der lateinische Pflanzenname Bezug: „Alchemilla“ bedeutet so viel wie „kleine Alchemistin“.

Bezug zum Weiblichen

Im Sinne der Signaturenlehre war es für die Menschen früher naheliegend, die wie ein weibliches Kleidungsstück aussehenden Blätter des Frauenmantels als Frauenheilmittel einzusetzen. Das Kraut kam beispielsweise bei Menstruationsstörungen und Wechseljahresbeschwerden zur Anwendung.

Bei leichtem Durchfall

Volksmedizinisch wird Frauenmantelkraut immer noch bei gynäkologischen Beschwerden eingesetzt. Die Phytotherapie orientiert sich dagegen an den pflanzlichen Inhaltsstoffen. Alchemillae herba enthält adstringierend wirkende Gerbstoffe (Ellagitannine). Die Droge ist deshalb bei leichten unspezifischen Durchfallerkrankungen indiziert. Üblich ist die Teezubereitung. Dazu verwendet man ein 1 bis 2 g Droge pro Tasse (mittlere Tagesdosis 5-10 g). Teefertigpräparate mit Frauenmantelkraut gibt es unter anderem von H&S®, Salus® und Sidroga®.

Lange Blütezeit

Geerntet wird der Frauenmantel zur Blütezeit. Sie dauert von circa Mai bis September. Die unscheinbaren kleinen Blüten stehen in lockeren, rispenartigen Blütenständen zusammen. Meist wird die ausdauernde Pflanze nur 10 bis 20 Zentimeter hoch. Im hohen Gras kann sie allerdings auch doppelt so hoch wachsen. Als Zuchtform ist der Frauenmantel auch eine beliebte Gartenpflanze.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de