Herbstzeitlose – wirksam bei Gicht

Entdeckt man Ende August/Anfang September die lila-rosa Blüten der Herbstzeitlose im Gras, schleicht sich ein Gefühl von Wehmut ein. Sind sie doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer bald vorbei ist. Nicht nur die Blühzeit des lilienartigen Gewächses ist ungewöhnlich. Auch als Heilpflanze zeigt die Herbstzeitlose Besonderheiten. Sie ist nämlich alles andere als eine sanfte Naturarznei.

Bild: © Rysi - Fotolia.com

Tödliches Gift

Schon seit der Antike ist die Giftwirkung der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) bekannt. Zahlreiche Morde und Selbstmorde gingen im Laufe der Jahrhunderte auf ihr Konto. Bereits fünf Gramm Colchicum-Samen können einen Erwachsenen töten. Aber auch alle anderen Teile des Zeitlosengewächses (Colchicaceae) sind giftig. Im Frühjahr sollten sich vor allem Bärlauchsammler vor einer Verwechslung ihres Sammelguts mit den leicht ähnlichen, langen schmalen Colchicum-Blättern hüten.

Bild: © Heike Rau - Fotolia.com

Pflanzliches Gichtmittel

Verantwortlich für die hoch toxische Wirkung ist das Alkaloid Colchicin. Die Wirkung dieses Zellgifts macht man sich bei der Gicht zunutze. Colchicin unterbricht die Entzündungsreaktion im betroffenen Gelenk. Zubereitungen aus Samen, Blüten oder Knollen der Herbstzeitlose (Colchici semen/flos/tuber) gehören daher zum therapeutischen Spektrum beim akuten Gichtanfall. 

Es handelt sich um standardisierte Extraktzubereitungen, die exakt auf Colchicin eingestellt sind (Colchicum Dispert®, Colchysat®). Diese Präparate sind verschreibungspflichtig. Die vorgegebene Dosierung muss genau eingehalten werden. Mit Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit ist jedoch schon bei therapeutischen Dosen zu rechnen. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de