Rosskastanie – Samen für die Beine

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Jedes Jahr aufs Neue locken sie Groß und Klein zum Bücken und Aufheben: die ersten Kastanien, die frisch und glänzend aus ihren stacheligen Fruchtkapseln gekullert sind. Die mahagonibraunen Handschmeichler begeistern aber nicht nur äußerlich. Sie haben es auch in sich – zumindest pharmazeutisch gesehen. Ihr Extrakt ist aus der Selbstmedikation von Venenerkrankungen nicht wegzudenken.

Pferd als Namensgeber

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gehört zu unseren bekanntesten und beliebtesten Zier-, Park- und Straßenbäumen. Allerdings kam dieses Seifenbaumgewächs (Sapindaceae) erst Ende des 16. Jahrhunderts nach Westeuropa. Der Überlieferung nach hatten die Osmanen auf ihren Eroberungsfeldzügen Kastanien als Futter und Arznei für ihre Pferde mit dabei. So erklärt man sich übrigens auch die Namensgebung „Ross“-kastanie.

Erfreut vom Frühjahr bis zum Herbst

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Mit ihren großen, charakteristisch gefingerten Blättern ist die Rosskastanie ein wirksamer Schattenspender. Die Bierbrauer pflanzten deshalb früher gerne Kastanienbäume über ihren Bierkellern. Das waren die Anfänge der heutigen Biergärten. Kastanienbäume sind aber nicht nur wegen ihres Blattwerks beliebt. Im späten Frühjahr stellen die bis zu 25 Meter hohen Bäume eine prächtige Zierde dar. Denn dann bilden sich die auffallenden weißen oder rosafarbenen Blütenkerzen. Im Herbst schließlich begeistern sich nicht nur Kinder für die glänzenden Samen.

Unverzichtbar für die Selbstmedikation

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In pharmazeutischer Hinsicht haben Hippocastani semen einen hohen Stellenwert. Fertigarzneimittel mit Spezialextrakten aus den trockenen Samen gelten als Phytopräparate der ersten Wahl bei Venenbeschwerden. Rosskastaniensamenextrakt (RKSE) ist indiziert bei chronischer Veneninsuffizienz. Bei oraler Einnahme wirkt RKSE nachweislich gefäßabdichtend und antiexsudativ. Er verhindert also den Flüssigkeitsaustritt aus den Venen ins umgebende Gewebe. So wird der Ödembildung vorgebeugt.

Wirkstoff Aescin

Die Wirkung von RKSE ist vor allem dem Aescin zuzuschreiben. Es handelt sich hierbei um ein Gemisch aus mehr als 30 Saponinglykosiden. Man nimmt an, dass Aescin die erhöhte Aktivität gefäßwandschädigender lysosomaler Enzyme hemmt. Die in der Samenschale enthaltenen Gerbstoffe wirken zudem antientzündlich. Bei der Wahl von RKSE-Präparaten sollten solche bevorzugt werden, die auf Aescin eingestellt sind. Als wirksam gilt eine Tagesdosis von 100 mg Aescin, in der Regel verteilt auf zwei Einzelgaben. Entsprechend standardisierte Phytotherapeutika sind zum Beispiel Aescusan® retard 50, Venoplant® retard S, Venostasin® retard.

Wichtig für die Beratung

Was Kunden unbedingt wissen sollten: Die RKSE-Einnahme muss regelmäßig und langfristig (mindestens drei Monate) erfolgen. Empfehlenswert ist sie in Kombination mit einer Kompressionstherapie. RKSE-Präparate sind meist gut verträglich. Vereinzelt können allerdings Magenbeschwerden auftreten. Zusätzlich kann man Kunden RKSE- oder Aescin-haltige Externa anbieten. Sie sind vor allem wegen ihrer kühlenden und hautpflegenden Effekte beliebt, auch wenn sie wissenschaftlichen Wirksamkeitsansprüchen nicht ganz gerecht werden (z.B. Venostasin®-Creme, Venostasin®-Gel Aescin).

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de