Schlehe – Gerbstoffhaltige Früchte

Schlehenfrüchte sind erst nach mehrmaligem Frost genießbar / Bild: © Berty - Fotolia.com

Sogar im Winter wirft die Schlehe (Prunus spinosa) ihre Früchte nicht ab. Vor allem für Vögel ist dieser Strauch daher eine wertvolle Futterquelle. Auch der Mensch nutzt die schwarzblauen Steinfrüchte der Schlehe, ebenfalls ihre weißen Blüten – als Nahrung und für Heilzwecke.

Schlehenfrüchte: Futterquelle für die Vogelwelt

Wenn die Schlehe in dieser Jahreszeit ihre kleinen ovalen Blätter verliert, stellt sie nicht gerade eine Augenweide dar: Der Strauch präsentiert sich sparrig verzweigt und erscheint wegen seiner dunklen Rinde richtig düster. Er wird deshalb auch „Schwarzdorn“ genannt. An den kahlen Zweigen werden nun auch die langen Dornen sichtbar, die dem Strauch auch den Namen „Schlehdorn“ eintrugen. Für nur geringfügige Farbakzente sorgen in dieser Jahreszeit die kleinen kugeligen, schwarzblauen Früchte. Doch aus ökologischer Sicht sticht das Rosengewächs Prunus spinosa umso mehr hervor. Denn etwa 20 Vogelarten ernähren sich von den Schlehenfrüchten. Wenn um diese Jahreszeit allmählich andere Nahrungsquellen versiegen, interessieren sich die Vögel zunehmend für die kugeligen, dunklen Früchte mit dem grünen Fruchtfleisch. 

Frost für mehr Wohlgeschmack

Als wohlschmeckend kann man die Schlehenfrüchte kaum bezeichnen. Sie sind für unseren Gaumen äußerst herb und adstringierend. Erst wenn die Früchte mehrmals dem Frost ausgesetzt waren, werden sie genießbar. Dann lassen sie sich zu Saft, Marmelade oder Likör verarbeiten. 

Adstringierende Wirkung

Seit langer Zeit werden Schlehenfrüchte (Pruni spinosae fructus) auch medizinisch genutzt – gerade wegen ihrer adstringierenden Eigenschaft. Früher verwendete man die Gerbstoff-reichen Früchte vor allem bei Magenbeschwerden. In der heutigen Phytotherapie sind sie bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut indiziert. Hierfür stellt man am besten einen Aufguss zum Gurgeln her (aus 2 bis 4 g getrockneten Früchten). Auch frischer Fruchtsaft eignet sich zum Gurgeln. 

Blütendroge für die Volksmedizin

Die Schlehen-Blüten können leicht mit denen des Weißdorns verwechselt werden. / Bild: © M. Schuppich

So abweisend ein Schlehenstrauch im Winter wirkt, so attraktiv stellt er sich im Frühlingskleid dar. Bereits im April, wenn die Landschaft noch recht kahl ist, sind seine dornigen Zweige über und über mit leuchtend weißen, zart duftenden Blüten bedeckt – eine willkommene Nektarquelle für Bienen, Hummeln und Co. 

Auch die Blüten werden therapeutisch genutzt, allerdings nur volksmedizinisch. Pruni spinosae flos werden unter anderem als mildes Laxans, Diuretikum und Expektorans eingesetzt (für Teeaufguss 1 bis 2 gehäufte Teelöffel, 1 bis 2 Tassen täglich). Die Blütendroge enthält vor allem Flavonoide, insbesondere Quercetin- und Kämpferolglykoside. Die Wirksamkeit gilt allerdings als nicht ausreichend belegt. 

Stärkungsmittel in der Anthroposophie

Auch in der anthroposophischen Medizin spielt Prunus spinosa eine Rolle, insbesondere als Stärkungsmittel. Es werden dazu sowohl Früchte wie auch Blüten eingesetzt (z.B. in Wala Skorodit Kreislauf Globuli velati, Wala Nasenbalsam, Weleda Schlehen Elixier, Venadoron® Lotion).  

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de