Wegwarte – Wurzel für Verdauung und Genuss

Aus der wilden Wegwarte entstand eine wichtige Kulturform: der Chicorée. / Bild: © maxandrew - Fotolia

Noch jetzt im Oktober trifft man auf die großen hellblauen Blütenkörbchen der Wegwarte (Cichorium intybus). Allerdings sind sie meist nur bis zum Mittag voll entfaltet. Danach „wartet“ die Pflanze auf den nächsten Tag – und das vor allem an Wegen. Deshalb der Name „Wegwarte“. Pharmazeutisch – wie übrigens auch kulinarisch – ist jedoch nicht die hübsche Blüte, sondern ein anderes Pflanzenteil von Interesse: die bitterstoffhaltige Wurzel. 

Sie wartet am Weg

An ihre meist kargen und trockenen Standorte an Wegen, Straßenrändern und auf Ödland ist die Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus) gut angepasst. So verdunstet über ihren festen gerieften Stängel und die wenigen rauen Blätter kaum Wasser. Ein weiterer, entscheidender Standortvorteil ist für diesen Korbblütler (Asteraceae) seine fleischige Pfahlwurzel. Diese kann bis zu 30 Zentimeter lang werden und eine große Menge Kohlenhydrate speichern, vor allem Inulin. Die Speicherstoffe ermöglichen es dem mehrjährigen Gewächs, im nächsten Jahr rasch heranzuwachsen. Die sparrig verzweigte Pflanze kann eine Wuchshöhe von über einem Meter erreichen. 

Wurzel für Kaffee

Auch die Menschen haben früh die nährstoffhaltige Wurzel für sich entdeckt. So verzehrten wohl schon die alten Griechen und Römer die Wegwartenwurzel als Gemüse. In unseren Breiten wurde die Wurzel richtig populär, als man eine besondere Verwendungsmöglichkeit entdeckt hatte: Man konnte sie rösten und daraus Kaffee-Ersatz herstellen. Das war der sogenannte Zichorien-Kaffee, in manchen Gegenden „Muckefuck“ genannt. Auch heute noch findet sich eine Kulturform der Wegwartenwurzel – die Wurzelzichorie – als Zusatz in manchen Getreidekaffees. 

Köstlicher Salat

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Aus der wilden Wegwarte entstand noch eine andere wichtige Kulturform: die Salatzichorie, besser bekannt unter dem Namen Chicorée. Was wir als Chicorée verspeisen, sind die aus Zichorien-Wurzeln getriebenen Blätter in Knospenanlage. Da sie in Dunkelheit gezogen werden, bleiben die Blätter bleich und zart. 

Gegen Appetitmangel und Verdauungsstörungen

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Wurzel- wie Salatzichorie zeichnen sich durch eine leichte Bitternote aus. Noch mehr Bitterstoffe enthält jedoch die Wurzel der Wildform, also der Wegwarte. Die Bitterstoffe sind zusammen mit weiteren Inhaltsstoffen wie Kaffeesäurederivaten, Cumarinen und Flavonoiden für die therapeutische Wirksamkeit von Wegwartenwurzel (Cichorii radix) verantwortlich. Die Droge kann bei Appetitlosigkeit und leichten Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Sie wird vorwiegend als Tee zubereitet (2 bis 4 g geschnittene Droge für 250 ml heißes Wasser oder als Dekokt verwenden).

Da Cichorii radix nicht so stark bitter schmeckt wie andere pflanzliche Amara, eignet sie sich auch für geschmacksempfindliche Personen. 

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de