Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 10: Verdauungsstörungen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Verdauungsstörungen

Eine Kundin hat vom Arzt die Empfehlung für ein Verdauungspräparat erhalten, weil sie seit Längerem unter Verdauungsstörungen leidet. Sie möchte wissen, ob es eine Möglichkeit zur Funktionsanregung von Magen und Darm gibt.

Ihre Nachfrage

Auf Nachfrage, welche Beschwerden die Kundin am meisten belasten, berichtet sie, dass oft unabhängig vom Essen Völlegefühl, Magendrücken und säuerliches Aufstoßen auftreten. Außerdem sei der Mundgeschmack oft pappig und die Zunge weiß-gelblich belegt. Ihr Stuhlgang sei häufig weich wie Brei mit Abgang von Blähungen, dann neige sie wieder zur Verstopfung.

Auf die Frage, seit wann die Beschwerden bestehen, antwortet die Kundin: "Das weiß ich nicht mehr genau. Auch Antibiotika habe ich seit Langem nicht mehr benötigt. Der Hausarzt hat verschiedene Untersuchungen durchgeführt und geäußert, dass möglicherweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit eine Rolle spielt. Der Allergietest war negativ."

Ihre Empfehlung

Um die normale Verdauungsfunktion wiederherzustellen und generell eine Stabilisierung von Magen und Darm zu erreichen, eignet sich am besten eine Kur für die Magen-Darm-Gesundheit. Dazu bieten sich in der Homöopathie zwei sich ergänzende Arzneimittel an, von denen jeweils 3-mal täglich 5 Globuli eingenommen werden:
Nux vomica D6 etwa 10 Minuten vor dem Essen und Okoubaka D3 etwa 10 Minuten nach dem Essen.

Nux vomica, die Brechnuss, ist eines der wichtigsten Arzneimittel der Homöopathie zur Behandlung des Magen-Darmtrakts. Auslöser sind Stress, Anspannung, üppige Ernährungsweise, aber auch die Einnahme chemisch-synthetischer Pharmaka.

Hinweisende Leitsymptome sind:

  • Schwere- und Völlegefühl im Magen
  • morgens oft Übelkeit und Brechreiz
  • saures, bitteres Aufstoßen
  • krampfartige Magenschmerzen
  • anhaltender Stuhldrang, ohne dass jedoch Stuhlgang kommt; Neigung zu Hämorrhoiden
  • innere Anspannung und Überforderung; gehetzte Lebensweise, völlig überarbeitet, fühlt sich gestresst

Nux vomica kann auch eingesetzt werden, um die Verdauung bei üppigem Essen anzuregen. Besonders zur jetzigen Jahreszeit mit „Martinsgansessen“ sowie in der Vorweihnachtszeit und während der Festtage ist Nux vomica ein gefragtes Mittel.

Nux vomica D6 ist ein Akut- und Langzeitmittel:

  • bei akuten Beschwerden kann es „im Stoß“ zur unmittelbaren Anregung der Verdauung eingenommen werden: 3-mal im Abstand von circa 15 Minuten jeweils 5 Globuli im Mund zergehen lassen.
  • zur längerfristigen Behandlung wird Nux vomica D6 3-mal täglich 5 Globuli angewendet wie oben beschrieben

Nux vomica wird auch empfohlen, wenn man die Dosis von Protonenpumpenhemmern reduzieren möchte. Zudem wird das Mittel zum Ausscheiden und Entschlacken eingesetzt. Nux vomica ist bewährt, um die Eigenregulation in Gang zu setzen, was in der Homöopathie als Regulationswecker bezeichnet wird.

Okoubaka, der Schwarzafrikanische Rindenbaum, erfährt im Hinblick auf Erkenntnisse zum Mikrobiom eine noch größere Bedeutung als das Mittel ohnehin schon hat. Okoubaka wirkt auf die Darmflora und das Darm-assoziierte Immunsystem. Auslöser für Störungen der Darmflora sind Nahrungsmittelallergien sowie -unverträglichkeitsreaktionen, die sich auch als Hautausschläge zeigen können. Dazu gehören auch Fructose- und Laktoseintoleranz. Des Weiteren sind Antibiotika-assoziierte Darmstörungen (AAD) genauso wie rezidivierende Vaginalmykosen typische Ursachen (=Causa), bei denen eine Anwendung von Okoubaka Sinn macht.

Hinweisende Leitsymptome sind:

  • Aufstoßen mit Übelkeit
  • Durchfall im Wechsel mit Verstopfung
  • übelriechende Blähungen mit dem Gefühl kann nichts mehr vertragen
  • auffallend ist auch die belegte Zunge als Zeichen einer Darmkeimfehlbesiedelung

Okoubaka eignet sich zur Behandlung von Infektanfälligkeit. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist das Reizdarm-Syndrom, welches mit einer gestörten Darmflora verbunden ist, genauso wie die Anfälligkeit für Wurmbefall. Nach einer Entwurmung sollte zur Nachbehandlung Okoubaka angewendet werden – übrigens auch beim Tier.

Auch bei Verdauungsstörungen auf Reisen mit ungewohnter Ernährungsweise empfiehlt sich die Anwendung von Okoubaka. Die Einnahme kann bereits drei Tage vor Reiseantritt beginnen und während der Gesamtdauer der Reise fortgesetzt werden.

Zur Erläuterung

Gerade bei chronischen Beschwerden und Erkrankungen bewähren sich homöopathische Kuren. Dabei können Nux vomica D6 und Okoubaka D3 auch als Add-on Empfehlung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa angewendet werden, um die Dauer und Schwere akuter Schübe zu reduzieren. Gleichzeitig wird die Verträglichkeit der dabei notwendigen chemisch-synthetischen Medikation gesteigert, deren Dosis längerfristig oftmals reduziert werden kann. Denn unstrittig trägt die Homöopathie zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei.

Unser Tipp:

Noch mehr Hinweise zur Magen-Darm-Gesundheit finden Sie unter www.hvkompass.de  

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de