Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 11: Grippaler Infekt

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Grippaler Infekt
Eine sichtlich erkältete Patientin kommt mit der Rx-Verordnung eines Codein- und eines hoch dosierten Ibuprofen-Präparats in die Apotheke. Bei der Abgabe werden Sie nach „Globuli“ gefragt, um die Abwehrkräfte zu unterstützen.

Ihre Nachfrage

Da die erkrankte Kundin möglichst schnell nach Hause möchte, stellen Sie die Frage: "Welche Symptome plagen sie momentan am meisten?" Die Antwort führt Sie zum homöopathischen Einzelmittel, denn die Kundin sagt sofort: "Mir tut alles weh, der Kopf und sämtliche Glieder – deswegen auch die Ibuprofen-Verordnung."

Ihre Empfehlung

Die Homöopathie kann über die Anregung der Selbstheilungskräfte die Dauer und Schwere einer Erkältungskrankheit reduzieren. Geradezu ein Klassiker bei den genannten Leitsymptomen ist Eupatorium perfoliatum D6.
Eupatorium perfoliatum, der Wasserhanf, ist ein bewährtes homöopathisches Mittel bei Jugendlichen und Erwachsenen mit den typischen Erkältungssymptomen:  

  • ausgeprägte Gliederschmerzen („alles schmerzt“)
  • erhöhte Temperatur            
  • Fließschnupfen
  • Schluckbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • trockener Husten

Eupatorium perfoliatum D6 wird am ersten Krankheitstag stündlich, am zweiten Krankheitstag alle zwei Stunden und ab dem dritten Krankheitstag 3-mal täglich (jeweils 5 Globuli) bis zum Abklingen der Krankheitssymptome eingenommen. Eupatorium perfoliatum ist das klassische Add-on-Mittel zu einem chemisch-synthetischen „Grippemittel“; selbsterklärend kann Eupatorium perfoliatum auch als Monotherapie angewendet werden. 

Zur Unterscheidung

Ferrum phosphoricum, Eisenphosphat, ist aufgrund seiner Leitsymptome ein bewährtes Mittel für (Klein-)Kinder. Auf Ferrum phosphoricum hinweisende Leitsymptome sind:

  • anfangs oft Fließschnupfen, dann Ohrenschmerzen, oft nur mäßig hohes Fieber
  • häufig wechselnde Gesichtsfarbe rot/blass
  • kaum Schwitzen
  • wenig Durst
  • trotz Fieber ist das Allgemeinbefinden kaum beeinträchtigt: Das Kind ist kränker als es sich verhält, will nicht im Bett bleiben.

Ferrum phosphoricum D6 wird im Akutstadium 4- bis 5-mal täglich, jeweils 1 Tablette, angewendet, bei kleinen Kindern kann die Tablette auch zerdrückt gegeben werden. Ferrum phosphoricum D6 ist auch ein Add-on-Mittel zu einem Analgetikum, z.B. Ibuprofen-Saft.  

Ferrum phosphoricum D12, 2-mal täglich 3 Globuli, kann zur Behandlung einer Infektanfälligkeit und insbesondere bei Neigung zu Mittelohrentzündung angewendet werden. Nach einer dreiwöchigen Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt, um danach die Einnahme fortzusetzen.

Bryonia cretica, die Zaunrübe, ist das bewährte homöopathische Mittel beim „Grippehusten“. Die Leitsymptome sind:

  • trockener, extrem schmerzhafter Husten; der Patient muss sich vor Schmerzen den Brustkorb halten
  • der Patient hat das Gefühl, dass bei jedem Hustenstoß der Kopf zerplatzt; stechende Kopfschmerzen
  • oft gleichzeitig Rücken- und Muskelschmerzen

Bryonia cretica D6 Globuli (5 Globuli) werden im Akutfall am ersten Krankheitstag stündlich, am zweiten Krankheitstag alle zwei Stunden und ab dem dritten Krankheitstag 3-mal täglich bis zum Abklingen der Krankheitssymptome gegeben. Generell gilt Bryonia als ein rasch wirkendes und schmerzstillendes Mittel.

Zum Ausprobieren

Eigene Erfahrung sind immer am besten, um kompetent empfehlen zu können. Ein klassisches Beispiel ist Camphora, der Kampfer. Camphora kann bei einer beginnenden Erkältung bei Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt werden. Die typischen Leitsymptome sind:  

  • frösteln bzw. frieren
  • ständiges Nießen
  • zunehmendes flüssiges Nasensekret

Der Volksmund beschreibt diese Situation mit „es ist eine Erkältung im Anzug“.
In einem solchen Anfangsstadium wird in aller Regel niemand in die Apotheke kommen, geschweige denn zum Arzt gehen. Und doch gibt es eine typische HV-Situation: die genervte Mutter, die berichtet, dass ihr Kind jeden Infekt aus der Kita oder Schule nach Hause bringt. Ihr können Sie die frühzeitige Einnahme von Camphora D3 empfehlen.

Camphora D3 wird dreimal im Abstand von etwa 15 Minuten, jeweils fünf Tropfen, auf die Zunge gegeben – quasi als Einmalbehandlung. Das Mittel kann am Tag jedoch mehrfach angewendet werden.

Zur Erläuterung

Bei Erkältungskrankheiten und akuten Infekten handelt es sich typischerweise um Virusinfekte. Deshalb ist die Homöopathie über die Anregung der Selbstheilungskräfte eine ideale Behandlungsmöglichkeit. Das gilt auch für die Halsschmerzen, wie Sie im Homöopathie-Fallbeispiel 7 nachlesen können.

Unser Tipp:

Wenn Sie zur Bestätigung Ihrer Arzneimittelwahl eine Patienteninfo mit dem Logo Ihrer Apotheke ausdrucken möchten, dann klicken Sie das gewählte Mittel auf www.hvkompass.de an. Um ein homöopathisches Arzneimittel – Mono oder Kombi – zum Grippe- und Hustenmittel auszuwählen, gehen Sie auf die Add-on-Funktion im hvkompass: So optimieren Sie Ihre Beratung.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de