Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 12: Lippenherpes

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Lippenherpes

Eine Ihrer Kundinnen leidet unübersehbar an einem Lippenherpes: Sie hat ein größeres und ein kleineres Bläschen an der unteren Lippe. Sie möchte gern eine Aciclovir-Creme kaufen.

Ihre Nachfrage

Auf Ihre Nachfrage schildert die Patientin, dass sie jedes Mal in Stresssituationen oder bei einer Erkältung unter einem Lippenherpes leidet. Gibt es sonst noch eine Behandlungsmöglichkeit, werden Sie gefragt?

Ihre Empfehlung

"Nehmen Sie zusätzlich zur Aciclovir-Creme ein homöopathisches Arzneimittel. Das stärkt die Immunabwehr und hilft, dass der Herpes nicht mehr so häufig auftritt. Ich empfehle Ihnen Rhus toxicodendron D12. Nehmen Sie 3-mal täglich 5 Globuli bis die Bläschen vollständig abgeklungen sind, dann setzten Sie das Mittel ab. Sie können es zusätzlich zur gewünschten Creme anwenden. Sollten Sie wieder einen Lippenherpes entwickeln, dann nehmen Sie so frühzeitig wie möglich Rhus toxicodendron ein – am besten schon, wenn Sie spüren, dass es in der Lippe „bitzelt und arbeitet“. In dieser Situation können Sie 4- bis 5-mal täglich 5 Globuli einnehmen: Sie haben eine große Chance, dass der Herpes nicht zum Ausbruch kommt oder aber sich nur ein kleines Bläschen entwickelt. Auch werden Sie feststellen, dass durch eine solche konsequente Anwendung die Häufigkeit des Auftretens zurückgeht."

Rhus toxicodendron, der Giftsumach, ist eine nordamerikanische Pflanze und bewährt sich bei bläschenartigem Hautausschlag. Die Causa (=Auslöser) weist auf eine vorübergehende Abwehrschwäche hin, in deren Folge die Bläschen an der Lippe bzw. auf der Haut auftreten; damit ist gleichzeitig Lokalisation und Leitsymptom beschrieben:

  • Rhus toxicodendron D12 wird sowohl bei entstehenden Herpesbläschen wie auch im weiteren Krankheitsverlauf zur beschleunigten Abheilung eingesetzt, auch wenn sich bereits Krusten bilden.
  • Das Mittel bewährt sich auch bei der Gürtelrose als Add-on zu einem Virustatikum, um die Entwicklung einer Post-Zoster-Neuralgie zu verhindern, was alleine mit einem Virustatikum oftmals nicht gelingt.
  • Rhus toxicodendron wird zudem in der Kinderheilkunde eingesetzt: bei der häufigen Hand-Mund-Fuß-Krankheit sowie bei Windpocken. Beide Kinderkrankheiten werden vom Kinderarzt diagnostiziert und behandelt, meist mit Ibuprofen-Saft und Schwefel-Lotion. Wird dem Kind zusätzlich Rhus toxicodendron D12, 3-mal täglich 3 Globuli gegeben, wird der Krankheitsverlauf eindeutig abgemildert und verkürzt.

Zur Unterscheidung

Wenn auch Rhus toxicodendron als das Mittel der Wahl bei Lippenherpes gilt, so kommen vor allem zwei weitere Mittel in Frage, die sich wiederum durch die Causa (= Auslöser) punktgenau unterscheiden lassen: Sepia, der Inhalt des Tintenfischbeutels, wird auch bei Lippenherpes eingesetzt. Und wo ist der Unterschied zu Rhus toxicodendron?

  • Sepia wird immer dann ausgewählt, wenn ein Ekelgefühl oder eine Abneigung den Lippenherpes auslösen.
  • Sepia D12 ist ein sehr bewährtes Mittel bei Herpes ausgelöst durch Essen von Fisch oder Meeresfrüchten.

Ein weiteres Mittel ist deshalb so spannend, weil wir den Ausgangsstoff in nicht potenzierter, d.h. in nicht verarbeiteter Form tagtäglich zu uns nehmen: Natrium chloratum, das Kochsalz.

  • Natrium chloratum wird immer dann bei Herpes labialis eingesetzt, wenn dieser durch Sonne oder Meer ausgelöst wird.
  • Insofern ist Natrium chloratum D12 auch ein bewährtes Mittel bei Sonnenallergie bzw. der „Mallorca-Akne“ und kann bereits zwei bis drei Tage vor Reisebeginn eingenommen werden: 2-mal täglich 5 Globuli.

Zur Erläuterung

In der Homöopathie stellt sich nicht die Frage, welches Mittel „besser“ ist: Am Beispiel des Lippenherpes kann das gut nachvollzogen werden. Rhus toxicodendron kommt generell in Frage, weil seine Anwendung durch einen Bläschen-Ausschlag charakterisiert ist. Ähnliches mit Ähnlichem zu behandeln, ist der Leitsatz der Homöopathie, wozu auch die Frage der Causa gehört. Sie ist ganz häufig der punktgenaue Schlüssel für die Auswahl des Arzneimittels was die oben gezeigte Unterscheidung verdeutlicht. Und wenn der Auslöser nicht bekannt ist? Dann sind Sie wieder bei der Lokalisation und den Leitsymptomen: Bläschen auf der Haut mit Brennen und Juckreiz: Rhus toxicodendron.  
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Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de