Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 13: Schmerzhafter Husten

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Schmerzhafter Husten

Eine Patientin mit einer sichtbar akuten Erkältung präsentiert Ihnen ein Rezept für ein Ibuprofen-Präparat, das der Arzt ihr verordnet hat. Sie berichtet von einem schmerzhaften Husten. Eine Selbstbehandlung mit Acetylcystein hat sie nach dreitägiger Einnahme abgebrochen, weil sich keine Besserung einstellte. Zusätzlich möchte Sie wissen, ob es auch „etwas Natürliches“ gibt, was sie einnehmen kann, am besten Globuli.

Ihre Nachfrage

Auf Ihre Nachfrage schildert die Patientin, dass der Husten sehr hart ist und sich kein Schleim löst. Bei jedem Hustenstoß schmerzen der Kopf, der Brustkorb und die Bauchmuskulatur. Zudem hat sie erhöhte Temperatur, weshalb sie auch schnell nach Hause ins Bett möchte. 

Ihre Empfehlung

Bryonia cretica, die Zaunrübe, ist das bewährte Mittel bei den sehr typisch geschilderten Leitsymptomen, die man auch als „Grippehusten“ bezeichnet:

  • trockener, extrem schmerzhafter Husten ohne Schleimauswurf
  • muss sich beim Husten vor Schmerzen den Brustkorb halten
  • hat das Gefühl, dass bei jedem Hustenstoß der Kopf zerplatzt
  • stechende Kopfschmerzen
  • oft gleichzeitig Rücken- und Muskelschmerzen

Bryonia cretica D6 Globuli werden in der Akutdosierung eingesetzt: am 1. Krankheitstag stündlich, am 2. Krankheitstag alle 2 Stunden und ab dem dritten Krankheitstag 3-mal täglich 5 Globuli.

Bryonia ist ein rasch wirkendes Mittel, sodass innerhalb von Stunden von einer spürbaren Besserung ausgegangen werden kann. Es wirkt hustenreizstillend und schmerzlindernd. Wie lässt sich Bryonia am besten beschreiben? Die geringste Bewegung schmerzt. Dieses charakteristische Leitsymptom verweist darauf, dass das Mittel auch bei akuten Schmerzen am Bewegungsapparat eingesetzt werden kann: Bryonia ist der Add-on Klassiker zu einem Analgetikum, um dessen Dosis und Dauer der Einnahme zu reduzieren.

Zur Unterscheidung

Lesen Sie zunächst nochmals das Homöopathie-Fallbeispiel Nr.11 durch, um Bryonia von Eupatorium, dem Wasserhanf, zu unterscheiden.
Bei trockenem Husten, d.h. Husten ohne Schleimauswurf, ist auch Rumex zu berücksichtigen:

Rumex crispus, der Ampfer, wird bei sehr prägnanten Leitsymptomen eingesetzt, die der Patient oft wörtlich schildert:

  • Sobald ich spreche oder tiefer einatme, muss ich anhaltend husten.
  • Hinter dem Brustbein verspüre ständig ein Kitzeln, was zum Husten reizt.

Die Causa, der Auslöser, dieses Hustens ist entweder eine akute Erkältung, meist im Anfangsstadium, oder ein abklingender Infekt, bei dem sich trotz Einnahme eines Schleimlösers kein Schleim abhusten lässt. Die Dosierung ist wie unter Bryonia beschrieben.

Ein am HV-Tisch ebenfalls sehr einfach zu erkennendes, weil sehr charakteristisch zu beschreibendes Mittel ist Hyoscyamus niger, das Bilsenkraut:

  • Sobald ich mich abends ins Bett lege, beginnt der Husten.
  • Meist kommt nur wenig Schleim, aber die Hustenanfälle sind anhaltend.
  • Wenn ich aufstehe, klingt der Husten ab.

Die Dosierung von Hyoscyamus D6 erfolgt folgendermaßen: Abends eine halbe Stunde vor und beim Zubettgehen jeweils eine Tablette lutschen (oder 5 Globuli), bei Bedarf nachts erneut eine oder zwei Gaben nehmen. Hyoscyamus wird auch als das „Codein der Homöopathie“ bezeichnet, was zugleich auf seine zuverlässige Wirkung hinweist.

Tritt der Husten vor allem morgens beim Aufwachen auf, besteht häufig ein Zusammenhang mit den Nasennebenhöhlen, wobei Schleim sich im Rachen ansammelt. Bei einer abklingenden Nasennebenhöhlenentzündung kann Luffa operculata, das Luffaschwämmchen, eingesetzt werden.  Typische Leitsymptome sind:

  • morgendliches Abhusten
  • Räuspern
  • Nasenschleim mit eher zähem, oftmals auch weißlich gelblichem Schleim
  • tagsüber besteht oft eine eingeschränkte Nasenatmung, was immer wieder zum Naseputzen führt

Luffa D6, 3-mal täglich 5 Globuli, wird kurmäßig angewendet, d.h. nach einer dreiwöchigen Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt. Diese Anwendung sollte über längere Zeit durchgeführt werden, erfahrungsgemäß drei Monate lang. Die Causa, die auf Luffa hinweist, ist der Infekt. Das Mittel wird auch bei Allergien, z.B. Hausstaubmilben- oder Pollenallergie, eingesetzt. Ihr Merksatz am HV-Tisch: Luffa macht Luft.

Unser Tipp

Mit dem HVKompass Homöopathie können Sie Ihre Kunden schnell und kompetent beraten. Anhand der geschilderten Beschwerden können Sie das passende Einzelmittel auswählen und gleich noch eine mit dem individuellen Apothekenlogo versehene Patienteninformation ausdrucken.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de