Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 14: Trockene Nasenschleimhäute

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Trockene Nasenschleimhäute

Eine Patientin möchte eine Nasensalbe, weil sie unter einer trockenen Nasenschleimhaut leidet. Sie legt Ihnen einen Zeitungsausschnitt vor, in dem eine allgemein bekannte Nasensalbe zur Behandlung empfohlen wird.

Ihre Nachfrage

Vor der Abgabe des gewünschten Präparates erfragen Sie, ob die Patientin ihre Beschwerden bereits mit einem Arzt besprochen hat. Sie antwortet mit Ja. Vor zwei Wochen sei sie in einer HNO-Praxis gewesen und habe in der darunter liegenden Apotheke eine speziell hergestellte Salbe erhalten, die sie nur kurze Zeit anwenden sollte, da ein Cortison enthalten war. Weiteres wurde ihr vom Arzt nicht gesagt; im Übrigen sind die Beschwerden nicht wesentlich besser geworden.

Ihre Empfehlung

Luffa operculata, das Luffaschwämmchen, ist ein bewährtes Mittel für die Nasengesundheit: Luffa macht Luft (siehe Fallbeispiel Nr. 13). 
Leitsymptome sind:

  • trockene Nasenschleimhäute
  • es lösen sich im wieder trockene Krusten beim Naseputzen, manchmal auch vermengt mit Blutspuren

Eine spürbare Verschlimmerung tritt häufig in geheizten Räumen mit trockener Raumluft auf. Deshalb kann Luffa auch bei einem Langstreckenflug eingenommen werden. Dabei werden 5 Globuli Luffa D6 etwa alle 1 bis 2 Stunden gelutscht. Ein Behandlungsbeginn kann bereits zwei Tage vor Reisestart erfolgen (3-mal täglich 5 Globuli).

Luffa wird auch eingesetzt bei zähem Nasenschleim mit erschwerter Nasenatmung sowie Schleim im Rachenraum als Folge eines Infekts oder einer Allergie.
Zudem kann Luffa D6, 3-mal täglich 5 Globuli, auch bei Hausstaubmilbenallergie angewendet werden. Die Einnahme erfolgt dann kurmäßig über längere Zeit: einer dreiwöchigen Einnahme folgt eine einwöchige Pause, anschließend beginnt wieder die Einnahme für drei Wochen, gefolgt von einer einwöchigen Pause usw. – insgesamt drei bis vier Monate lang.

Luffa gibt es übrigens auch als Luffa-Nasenspray. Diese Darreichungsform können Sie beispielsweise empfehlen, wenn Patienten von einem Nasentropfen-Abusus loskommen möchten, wofür eine langfristige Anwendung notwendig ist.

Das Besondere

Luffa gehört zu den Arzneimitteln, bei denen in Abhängigkeit der Potenz unterschiedliche Wirkungen erzielt werden können.

Luffa D6 wird angewendet, wenn:

  • die Nasenschleimhäute trocken sind und sich ständig Krusten bilden
  • sich zäher Schleim in der Nase ansammelt als Folge einer abklingenden oder chronischen Nasennebenhöhlenentzündung oder als Folge einer Allergie

Luffa D12 wird angewendet, wenn:

  • bedingt durch eine Allergie ein dünnflüssiger Schleim ständig den Griff zum Taschentuch erfordert, oftmals verbunden mit Jucken und Niesen - eine typische Anwendung ist die Tierhaarallergie

Je nach Symptomatik können Luffa D6 oder D12 auch bei der Pollenallergie eingesetzt werden (lesen Sie dazu das Homöopathie-Fallbeispiel 3).

Zur Unterscheidung

Wenn sich der Schleim, bedingt durch eine Erkältung im Bereich der Nasennebenhöhlen, auch in den Bronchien ansammelt, dann ist Hepar sulfuris, die Kalkschwefelleber, ein bewährtes Mittel. Die Leitsymptome sind:

  • anhaltender Husten mit Schleimauswurf und „Herausziehen“ von Schleim aus dem Rachen
  • weißlich-gelblicher oder gelblich verfärbter Schleim aus der Nase, der sehr zäh ist und – wie der Patient oft sagt – trotz Naseputzen nicht aufhört
  • belegte Stimme mit  ständigem Räuspern („Frosch im Hals“)

Je eine Tablette Hepar sulfuris D6 wird 3-mal täglich gelutscht - wenigstens drei Wochen lang. Der Merksatz zu Hepar sulfuris D6 lautet: löst den „alten Dreck“ heraus

Unser Tipp

Möchten Sie wissen, welche weiteren Anwendungsmöglichkeiten es für Hepar sulfuris gibt? Dann testen Sie den HVKompass Homöopathie. Dort erfahren Sie alles zu dem gesuchten Mittel. Alternativ können Sie anhand der vom Patienten geschilderten Beschwerden ein passendes Einzelmittel auswählen und gleich noch eine mit dem individuellen Apothekenlogo versehene Patienteninformation ausdrucken.

Und welches Mittel kann beim medikamentös bedingten Reizhusten empfohlen werden? Wyethia, ein südamerikanischer Korbblütler (eine deutsche Bezeichnung ist nicht bekannt). Typisches Leitsymptom ist:

  • der Zwang immer wieder zu husten und sich zu räuspern, ohne dass sich eine nachhaltige Besserung einstellt

Das Phänomen, wonach bestimmte Medikamente, insbesondere die Gruppe der ACE-Hemmer, bei manchen Menschen schon kurze Zeit nach Neueinstellung auf das Medikament oder aber erst nach einer unterschiedlich langen Einnahmedauer einen solchen Husten auslösen, ist hinlänglich bekannt. Die eigentliche Ursache, d.h. warum nicht jeder Patient mit dieser Nebenwirkung reagiert, ist bislang unbekannt.

Wyethia D6, 3-mal täglich 5 Globuli oder 1 Tablette, sollte vergleichbar Luffa angewendet werden. Bei Besserung ist das Mittel abzusetzen, um bei erneutem Auftreten der Symptome die Behandlung fortzusetzen.
Wyethia bewährt sich auch bei Menschen, die sich ständig räuspern und hüsteln müssen und oft eine belegte Stimme haben. Ursache ist oftmals ein vorausgegangener Atemwegsinfekt.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de