Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 15: Add-on bei Inhalation mit Salbutamol

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Add-on bei Inhalation mit Salbutamol

Eine Kundin legt Ihnen das Rezept eines Kinderarztes auf den HV-Tisch. Verschrieben wurde Salbutamol zur Inhalation. Bei der Abgabe der Inhalationslösung für das 5-jährige Kind fragt die Mutter, ob sie sonst noch etwas geben kann.

Ihre Nachfrage

Die Mutter berichtet in wenigen Sätzen, dass sich ihr Sohn immer sofort ansteckt, wenn in der Kita andere Kinder schnupfen und husten. Dann entwickelt er selbst innerhalb kurzer Zeit einen starken Husten. Während der Hustenanfälle ringt er nach Luft und spuckt dabei zähen Schleim aus. Das Inhalieren hilft, aber wenn er inhaliert ist er tagsüber wie aufgedreht, hippelig und nachts schläft er schlecht.

Ihre Empfehlung

Die Homöopathie kennt einen Add-on-Klassiker für den Salbutamol inhalierenden Patienten, egal ob (Klein-) Kind oder Erwachsener: Ipecacuanha
Ipecacuanha mit den botanischen Bezeichnungen Cephaelis ipecacuanha oder Uragoga ipecacuanha ist in Südamerika heimisch und trägt die deutsche Bezeichnung „Brechwurzel“, was auf die Anwendung hinweist. Das Mittel ist nicht zu verwechseln mit der „Brechnuss“, die Sie unter Nux vomica als unverzichtbares Magen-Darm-Mittel im Homöopathie Fallbeispiel 10 „Verdauungsstörungen“ nachlesen können.

Wie so oft bei pflanzlichen Homöopathika lassen sich auch bei Ipecacuanha die Anwendungsgebiete von der deutschen Bezeichnung ableiten. Die typischen Leitsymptome sind:

  • schleimige Bronchitis, die zum anhaltenden Husten zwingt
  • Verkrampfungen der Bronchien 
  • Atemnot („ringt nach Luft“)
  • da insbesondere (Klein-) Kinder den zähen Schleim oftmals nicht ausspucken, sondern schlucken, entwickelt sich nach kurzer Zeit zusätzlich zum Husten eine Übelkeit, die zum Erbrechen führt

Aus diesem Grund ist Ipecacuanha auch bei einem durch einen akuten Virus bedingten Brechdurchfall angezeigt, wenn Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen sowie wässriger Durchfall den Patienten – Kind oder Erwachsener – besonders belasten.
Für das fünfjährige Kind lautet die Dosierung: Zusätzlich (!) zur Salbutamol-Inhalation erhält das Kind höchstens 6-mal täglich 3 Globuli. Sobald sich der Husten bessert, kann die Dosis auf 3-mal täglich 3 Globuli reduziert werden. Wenn die Beschwerden abgeklungen sind und das Kind nicht weiter inhalieren muss, wird das Mittel abgesetzt. Schulkinder und Erwachsene erhalten 5 Globuli pro Dosis (entspricht 1 Tablette).

Unser Tipp

Sind Sie sich nicht ganz sicher mit Ihrer Empfehlung? Dann kann Ihnen der HVKompass Homöopathie weiterhelfen: Geben Sie entweder den Begriff „schleimiger Husten“ ins Suchfeld ein, wo als erstes und damit empfohlenes Mittel Ipecacuanha erscheint. Oder Sie geben gleich „Ipecacuanha“ ein und können sofort nachlesen, dass das Mittel bei „sekretreicher Bronchitis bei Kindern“ angezeigt ist. Desweiteren zeigt Ihnen der HVKompass bei einem Klick auf "verfügbare Einzelmittel“ die PZN von Ipecacuanha D6 mit der in der Kinderheilkunde meist empfohlenen Darreichungsform Globuli an. Da Sie im HVKompass auch markieren können, welche Einzelmittel in der Apotheke vorrätig sind, lässt sich Ihre Add-on-Empfehlung ohne Zeitaufwand sofort umsetzen. Den HVKompass können Sie übrigens 30 Tage kostenlos testen.

Zur Erläuterung

Nein, Ipecacuanha ersetzt nicht das Salbutamol oder ein vergleichbares Broncho-Spasmolytikum. Aber warum gibt man das homöopathische Arzneimittel add-on, also begleitend und zusätzlich?  „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“, ist ein Sprichwort, was ideal auf die Situation am HV-Tisch zutrifft. Denn unstrittig muss das Rx-Präparat angewendet werden. Die zusätzliche Behandlung mit einem homöopathischen, anthroposophischen oder pflanzlichen Arzneimittel soll jedoch reproduzierbar dazu beitragen, dass Nebenwirkungen reduziert und Krankheitssymptome nachhaltig gebessert werden. In unserem Beispiel soll die zusätzliche Gabe von Ipecacuanha dazu führen, dass das Kind die Anwendungsdauer und die Salbutamol-Dosis verringern kann. Gerade beim Kind mit seiner Anfälligkeit für Bronchitis ist eine Empfehlung für eine Add-on-Therapie mit einem Naturstoffpräparat eine unverzichtbare Maßnahme. Und: Es gibt keine Wechselwirkungen zwischen dem chemisch-synthetischen und dem homöopathischen Arzneimittel.

Zusätzlich zu meiner ärztlichen Praxiserfahrung kann ich Ihnen unzählige Beispiele schildern, bei denen mich Seminarteilnehmerinnen in der Pause auf ihr eigenes Kind angesprochen haben, weil dieses genau unter der geschilderten Problematik leidet. Und beim Folgeseminar berichteten diese Teilnehmerinnen von ihrer eigenen positiven Erfahrung: Damit sind wir beim „Aha-Effekt“, was ich immer als „learning by doing“ bezeichne. 

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de