Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 16: Schwangerschaftsübelkeit

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Schwangerschaftsübelkeit

Eine Schwangere möchte gern Ipecacuanha D6 Globuli kaufen, die ihr ihre Hebamme empfohlen hat. Bei der Abgabe fragt sie nach der Anwendung des Mittels.

Ihre Nachfrage

Die Schwangere berichtet Ihnen, dass sie von ihrer Frauenärztin regelmäßig untersucht wird. Gegen die anhaltende Übelkeit möchte sie jedoch kein chemisch-synthetisches Arzneimittel einnehmen. Deshalb hat sie sich an ihre Hebamme gewandt, die sie bereits während der ersten Schwangerschaft sehr gut betreut hat. Dank Homöopathie habe sie ihr erstes Kind auf natürlichem Weg zur Welt gebracht, obwohl ihr zunächst gesagt wurde, dass sehr wahrscheinlich ein Kaiserschnitt notwendig werde. Wegen der seit Tagen zunehmenden Schwangerschaftsübelkeit hat ihre Hebamme das homöopathische Arzneimittel Ipecacuanha empfohlen.

Ihre Empfehlung

Wenn Sie sich nochmals das Homöopathie-Fallbeispiel 15 anschauen, dann erkennen Sie sofort das Schlüsselwort für die Anwendung von Ipecacuanha: die Übelkeit – und bekanntlich lautet die deutsche Pflanzenbezeichnung „Brechwurzel“.

Mit der Diagnose „Schwangerschaftsübelkeit“ wird zugleich die Causa (=Auslöser) und die Lokalisation erklärt. Und damit sind auch die Leitsymptome selbsterklärend:

  • starke Übelkeit, trotz Erbrechen anhaltend
  • kann kaum noch etwas Essen oder Trinken
  • starke Speichelbildung, würgt ständig Schleim heraus.

Ipecacuanha D12 (oder D6) nimmt die Schwangere 4- bis 5-mal täglich, jeweils 5 Globuli, ein und sobald die Übelkeit nachlässt, wird die Einnahmehäufigkeit reduziert bzw. ausschleichend dosiert. Warum übrigens viele Schwangere nicht unter Übelkeit leiden, andere wiederum davon betroffen sind, ist medizinisch bis heute ungeklärt.

Zur Unterscheidung

Ein weiteres Mittel zur Behandlung der Schwangerschaftsübelkeit ist Sepia, das aus dem Inhalt des Tintenfischbeutels hergestellt wird. Vielen ist Sepia als ein Mittel zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden bekannt. Und damit sind wir bereits bei der Causa: Was haben die Wechseljahre mit der Schwangerschaft zu tun? Ganz einfach – beides sind Lebensphasen der Frau, während denen es zu einer hormonellen Umstellung kommt.

Die durch die Hormonumstellung ausgelösten Beschwerden (=Leitsymptome) können sehr unterschiedlicher Art sein – logischerweise sind es während der Schwangerschaft die Magen-Darm-Beschwerden:

  • morgens stark ausgeprägte Übelkeit
  • Würgen und Erbrechen, Bauchkrämpfe       
  • Ekel bei Essensgeruch und Anblick von Speisen
  • ausgeprägtes Verlangen nach Saurem
  • harter Stuhlgang, viele Blähungen

Sepia D12 wird genauso dosiert wie oben unter Ipecacuanha beschrieben.

Und Nux vomica? Auch die „Brechnuss“ ist ein Mittel zur Behandlung der Schwangerschaftsübelkeit, was sich aus den typischen Leitsymptomen ableiten lässt, wobei die Causa für die heutige Zeit geradezu typisch ist, wenn Sie mal an die berufstätige Schwangere vor Beginn des Mutterschutzes denken:

  • Auslöser sind Stress, Anspannung, üppige Ernährungsweise, aber auch die Einnahme chemisch-synthetischer Pharmaka wie z.B. Eisen-Präparate;
  • Leitsymptome sind Schwere- und Völlegefühl im Magen
  • morgens oft Übelkeit und Brechreiz, saures, bitteres Aufstoßen, krampfartige Magenschmerzen
  • anhaltender Stuhldrang ohne dass jedoch Stuhlgang kommt, Neigung zu Hämorrhoiden
  • innere Anspannung und Überforderung
  • gehetzte Lebensweise, völlig überarbeitet, fühlt sich gestresst

 Auch Nux vomica D12 wird vergleichbar Ipecacuanha dosiert.

Zur Erläuterung

Homöopathie bei Hebammen ist ein etabliertes Thema. Warum? Weil homöopathische Arzneimittel generell als risikoarm eingestuft werden. Da es sich jedoch um Arzneimittel handelt, findet sich im Beipackzettel zwangsläufig der Hinweis: „In Schwangerschaft und Stillzeit ist Rücksprache mit dem Arzt zu nehmen“.

Mein Tipp

Sie wollen mehr zum Thema Homöopathie in der Schwangerschaft erfahren? Auf der diesjährigen Interpharm in Berlin können Sie mich beim PTAheute-Kongress am 16. März live erleben. Mein Vortrag „Beliebter denn je: Erkrankungen in der Schwangerschaft homöopathisch behandeln“ findet von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr statt. Zur Einstimmung können Sie nochmals das Homöopathie-Fallbeispiel 8 nachlesen.
Und wenn Sie einer Schwangeren eine Lektüre zum Nachlesen empfehlen wollen: In meinem Buch „Homöopathie in Schwangerschaft und Babyzeit“, das im Hirzel-Verlag Stuttgart erschienen ist, habe ich zusammen mit einer Journalistin die vielfältigen Möglichkeiten der Homöopathie für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit sowie für das Neugeborene beschrieben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de