Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 17: Unterstützende Therapie bei Knochenbrüchen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Unterstützende Therapie bei Knochenbrüchen

Eine 48-jährige Patientin, deren Unterarm bis zu den Fingerspitzen eingegipst ist, präsentiert Ihnen ein Rezept für Diclofenac und Omeprazol, das von der chirurgischen Notfallambulanz ausgestellt wurde. Die Kundin möchte zusätzlich Arnika-Kügelchen.

Ihre Nachfrage

Bei einem eingegipsten Arm liegt sehr wahrscheinlich ein Knochenbruch vor. Dennoch fragen Sie nach der Ursache: Die Patientin berichtet, dass Sie heute ausgerutscht und gestürzt ist. Wegen der starken Schmerzen und weil sie das Handgelenk nicht mehr bewegen konnte, stellte sie sich in der Chirurgie vor. Nach dem Röntgen war die Diagnose eindeutig: Knochenbruch an der Speiche, weshalb ein Gips angelegt und ein Analgetikum verordnet wurde, vorsichtshalber mit zusätzlichem Magenschutz. Sie sei sich nicht ganz sicher, ob sie noch Arnika-Kügelchen zu Hause hat, so die Patientin weiter, denn die seien doch bewährt zur Wundheilung.

Ihre Empfehlung

Arnica als homöopathisches Arzneimittel kann die Patientin auf jeden Fall zusätzlich zu den verordneten Medikamenten einnehmen  ob in der Potenz D6 oder D12 ist nicht entscheidend. Des Weiteren können Sie Symphytum D6 und als Folgemittel Calcium phosphoricum D12 empfehlen.

Symphytum D6: Bei einem Knochenbruch kann zur Anregung der Knochenheilung insbesondere Symphytum, der Beinwell, eingenommen werden. Symphytum D6 ist allein schon durch die deutsche Bezeichnung selbsterklärend: Die Causa (= Auslöser, Ursache) ist ein Unfall, Sturz oder Schlag, weshalb der Knochen (= Lokalisation) verletzt ist. Dabei ist es unerheblich, wo beim Menschen der Knochenbruch vorliegt.

Wichtig!

Dass ein Knochenbruch nur vom Arzt diagnostiziert und behandelt werden kann, ist zwar selbstverständlich, sollte aber dennoch betont werden: denn die Homöopathie kann logischerweise nicht die Chirurgie ersetzen!

Symphytum wird unterstützend (add on) zur Anregung der Knochenheilung eingesetzt, auch wenn der Knochenbruch operativ behandelt wurde, also mit einer Platte oder mit Schrauben. Die Ruhigstellung der Bruchstelle mittels Gips führt dazu, dass die beiden Bruchenden sich nicht verschieben.
Die Einnahme von Symphytum D6 erfolgt fol­gen­der­ma­ßen: In den ersten Tagen nach dem Unfall 4- bis 5-mal täglich 5 Globuli (oder 1 Tablette) lutschen, danach 3-mal täglich. Die Einnahme sollte wenigstens drei Wochen lang erfolgen.

Das Zusammenwachsen der beiden Knochenstücke, die sogenannte Ossifikation, beruht im wesentlichen auf der Wundheilung und damit auf den Selbstheilungskräften. Das lässt sich nachvollziehen, wenn insbesondere ältere Menschen nicht nur wegen einer geringeren Knochendichte, sondern aufgrund des Nachlassens der Selbstheilungskräfte oftmals längere Zeit den Gips tragen müssen als jüngere Menschen oder Kinder. Insofern macht es Sinn, mit Symphytum die Knochenheilung, sprich die Selbstheilungskräfte, anzuregen. Und aus meiner Erfahrung lässt sich sagen: Durch die Add-on-Homöopathie, also Symphytum zusätzlich zum Analgetikum, ist ein beschleunigter Schmerzrückgang festzustellen.

Calcium phosphoricum D12: Als sogenanntes Folgemittel kann im Anschluss Calcium phosphoricum, Kalziumphosphat, empfohlen werden. Calcium phosphoricum D12 ist als homöopathisches Arzneimittel für den Knochenaufbau bekannt. Das Mittel ist immer dann angezeigt, wenn der Knochen (= Lokalisation) in seiner Funktion gestärkt werden soll.  
Dabei werden 2-mal täglich 5 Globuli (oder 1 Tablette) Calcium phosphoricum D12 drei Wochen lang eingenommen, dann folgt eine mehrtägige Pause. Nach der Pause wird das Mittel erneut drei Wochen lang eingenommen (= Intervall- bzw. Langzeittherapie).
Da Calcium phosphoricum auch unterstützend während der Pubertät, in der Schwangerschaft wie auch bei älteren Menschen mit nachlassender Knochendichte eingesetzt werden kann, ist diese Intervalltherapie auch über Monate durchzuführen.

Zur Unterscheidung

Grundsätzlich kann auch Arnica bei einem Knochenbruch empfohlen werden, denn Arnica heilt Wunden. Arnica montana hat die deutsche, etwas altertümlich klingende Bezeichnung Bergwohlverleih. Mit etwas Phantasie wird sofort deutlich, dass diese Gebirgspflanze „Wohl verleiht“, d.h. bei Anwendung zur Gesundung beiträgt. Arnica ist das klassische Mittel bei Wundverletzungen, nach Operationen sowie bei Muskelverletzungen: Denken Sie mal an den Muskelfaserriss, zu dessen Behandlung keine andere Möglichkeit zur Verfügung steht. Arnica D6 oder D12 wird im Akutfall angewendet wie unter Symphytum beschrieben. Arnica auch zusätzlich zu Symphytum geben warden. Dabei wird das eine Mittel vor und das andere Mittel nach dem Essen eingenommen. In der Homöopathie kennt man den Begriff der Wechselmittel, was im Grunde genommen zum Thema der homöopathischen Kuren führt.

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Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de