Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 19: Menstruationsbeschwerden

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Menstruationsbeschwerden

Eine Kundin kommt schon seit Längerem regelmäßig etwa alle vier Wochen zu Ihnen in die Apotheke, um Ibuprofen 400 mg Tabletten zu kaufen. In der Kundendatei können Sie sehen, dass sie auch einmalig ein Kontrazeptivum erhalten hat –  die Verordnung der Drei-Monats-Packung liegt jedoch schon länger als sieben Monate zurück.

Ihre Nachfrage

Bereits bei der Begrüßung sehen Sie, dass es Ihrer Kundin heute nicht gut geht. Und nachdem sie erneut das oben genannte Analgetikum wünscht, fragen Sie nach, wegen welcher Beschwerden das Präparat eingenommen wird. "Ich habe jeden Monat so starke Periodenschmerzen, dass ich mich kaum auf den Beinen halten kann", sagt Ihnen die Patientin. "Und damit verbunden sind auch sehr unangenehme Kreislaufbeschwerden: Mir ist schwindelig und ich bin völlig nassgeschwitzt. Ich war natürlich auch schon bei der Frauenärztin, die mir die Pille vorgeschlagen hat. Ich habe sie drei Monate lang eingenommen, hatte zwar weniger Periodenschmerzen, habe mich aber allgemein nicht wohlgefühlt. Deshalb habe ich die Pille wieder abgesetzt."

Ihre Empfehlung

Unabhängig von der Einnahme des Analgetikums empfiehlt sich die zusätzliche Anwendung der Homöopathie. Insbesondere können auf diese Weise die belastenden Begleitsymptome behandelt werden, die die Kundin nachvollziehbar schildert.

Veratrum album, der weiße Germer, ist ein sogenanntes Akutmittel, weil es eine unmittelbar spürbare Wirkung zeigt, wenn eine hochakute Kreislaufschwäche besteht (=Causa). Typische Leitsymptome sind:

  • schmerzhafte Periodenblutung mit Bauchkrämpfen,
  • kalter Schweiß,
  • starker Schwindel,
  • Erschöpfungsgefühl,
  • blasses Gesicht,
  • Kältegefühl am ganzen Körper.

Die schmerzhafte Monatsblutung kann auch einhergehen mit Erbrechen und wässrigen Durchfällen, wobei nicht alle Leitsymptome vorhanden sein müssen, um Veratrum album anzuwenden. Veratrum album ist generell angezeigt bei kollaptischen Zuständen. Auch bewährt es sich bei Brechdurchfall, der mit den genannten Leitsymptomen verbunden ist. Dies schließt selbstverständlich die zusätzliche Anwendung eines Antidiarrhoikums nicht aus.
Die Dosierung von Veratrum album D6 erfolgt folgendermaßen: alle 1 bis 2 Minuten werden mehrfach nacheinander 5 Globuli eingenommen. Bei Besserung kann die Anwendung stündlich erfolgen. Veratrum album kann bedarfsweise weiter eingenommen werden. 

Zur Unterscheidung

Veratrum album ist ein den Kreislauf stabilisierendes Mittel für hochakute Situationen und wird dabei nicht zur Langzeitbehandlung eingesetzt. Zur längerfristigen Behandlung des niederen Blutdrucks (orthostatische Dysregulation) und der Kreislaufschwäche stehen unterschiedliche homöopathische Arzneimittel zur Verfügung.
Nicht nur, aber insbesondere für Frauen, die ständig unter zu niedrigem Blutdruck leiden, ist Ferrum metallicum, das metallische Eisen, ein bewährtes Langzeitmittel. Es sollte wenigstens über drei Zyklen angewendet werden, während der Monatsblutung wird jeweils eine Behandlungspause eingelegt, um gegebenenfalls auf Veratrum album zu wechseln.
Ferrum metallicum wird bei der Causa (= Auslöser, Ursache) starke Periodenblutung und rasches Wachstum (= Pubertät) angewendet. Die für Ferrum metallicum typischen Leitsymptome sind:

  • rasch nervös, reagiert gereizt, hat wenig Ausdauer,
  • friert schnell, wechselt oft die Gesichtsfarbe von rot nach blass, wirkt „durchsichtig“,
  • neigt zu pulsierenden Kopfschmerzen mit Hitzegefühl und Schwindel,
  • wenig Appetit, neigt zu wässrigem Durchfall, auch mit Übelkeit und Erbrechen,
  • häufiges Wasserlassen, Gefühl der vollen Harnblase (Reizblase).

Ferrum metallicum D12, 2-mal täglich 5 Globuli, bewährt sich insbesondere bei jungen Mädchen und Frauen.

Ist unabhängig von Alter und Geschlecht generell der zu niedere Blutdruck eine belastende Ursache, dann rückt Haplopappus in den Mittelpunkt. Die in den südamerikanischen Anden wachsende Asteraceae wird bei den typischen Leitsymptomen der Hypotonie angewendet:

  • anhaltende Kreislaufschwäche mit heftigem Herzklopfen,
  • immer wieder Kopfweh, auch Kopfdruck mit Benommenheitsgefühl,
  • Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen bei längerem Stehen,
  • kann sich schlecht konzentrieren: gedrückte Stimmung, ständige Müdigkeit,
  • ist nicht leistungsfähig, fühlt sich erschöpft.

Haplopappus ist auch bewährt, wenn die Beschwerden sich bei einem Wetterumschwung verstärken, im Frühjahr und im Herbst vermehrt belastend sind, weshalb das Mittel auch bei Frühjahrsmüdigkeit und Herbstdepression angewendet werden kann.
Von Haplopappus D6 werden 3-mal täglich 5 Globuli eingenommen. Nach einer dreiwöchigen Anwendung wird eine einwöchige Behandlungspause eingelegt, um danach die Einnahme fortzusetzen. Erfahrungsgemäß kann nach etwa drei Monaten die Behandlung beendet werden, um bei erneutem Auftreten von Beschwerden die Therapie fortzusetzen. Zu Haplopappus gibt es übrigens auch eine Doppelblindstudie im Vergleich zu Etilefrin, die sie auf der Homepage des Datenbank-Projektes CAM-QUEST® finden.  

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen zu diesen homöopathischen Mitteln. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de