Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 2: Wiederkehrende Verdauungsstörungen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de ab sofort jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische
(Add-on)-Behandlung vor.

Wiederkehrende Verdauungsstörungen

Eine Ihnen bekannte 37-jährige Kundin kaufte bislang relativ oft Präparate, die bei Blähungen und Verdauungsstörungen eingesetzt werden, so genannte „Entschäumer“. Heute verlangt die Kundin Momordica balsamina D6. Ihre Freundin hatte ihr den Tipp gegeben. Was ist das für ein Mittel, werden Sie gefragt.

Ihre Nachfrage

Natürlich sei sie wegen der Blähungen, dem Völlegefühl, dem Aufstoßen bereits mehrfach beim Arzt gewesen. Auch habe sie die bislang eingenommenen Präparate auf Basis der ärztlichen Empfehlung gekauft, die aber allesamt „nicht wirklich“ halfen, berichtet Ihnen die Kundin. Im übrigen ist bei mir vor vier Monaten eine Magen- und eine Darmspiegelung durchgeführt worden. "Zum Ergebnis hat mir mein Arzt gratuliert, denn ich sei absolut gesund. Und die Verdauungsbeschwerden sind halt nervös bedingt, weshalb der Arzt von einem Reiz-Magen gesprochen hat.", erzählt die 37-Jährige.

Momordica balsamina – ein die Verdauung anregendes Mittel

Momordica balsamina, der Balsamapfel, gehört zu den in Asien heimischen Kürbisgewächsen. Es ist eines der bewährten Homöopathika, wenn die Ursache der Beschwerden eine mangelnde Produktion von Verdauungsstoffen ist. Auch wird Momordica balsamina bei Gallenblasenbeschwerden und dadurch verursachter mangelnder Fettverdauung eingesetzt.

Typische Leitsymptome sind

  • ständiges Aufstoßen, starke Blähungen, der Bauch ist prall aufgetrieben, was zu einem ausgeprägten Völlegefühl und allgemeinem Unwohlsein führt,
  • die krampfartigen Schmerzen treten oft verstärkt im linken Bauchbereich auf,
  • nach dem Essen liegen die Speisen „schwer im Magen“.
  • Häufig berichten Betroffene, dass Milch und Weizenmehl die Verdauungsbeschwerden verstärken
  • Momordica balsamina D6, 3-mal tägl. 1 Tabl. vor dem Essen lutschen, ggf. zwischendurch bei anhaltenden Beschwerden 1-2mal zusätzlich 1 Tabl. lutschen. Das Mittel ist vor allem für eine längerfristige Behandlung geeignet.
  • Weitere Hinweise zu Momordica balsamina finden sich unter www.hvkompass.de 

Zur Unterscheidung

Natürlich denken Sie bei den geschilderten Verdauungsstörungen an eines der am HV-Tisch sehr häufig empfohlenen Arzneimittel: Okoubaka, der schwarzafrikanische Rindenbaum. Es ist der Klassiker vor allem beim Reiz-Darm, wenn – nach Klärung durch den Arzt – ständig ein Wechsel zwischen Durchfall, Verstopfung auftritt und dann der Stuhlgang wieder normal ist. Blähungen, Aufstoßen mit Übelkeit, trockener Mund und pappiger Geschmack sind weitere Hinweise auf Okoubaka.

Das Mittel wird auch eingesetzt bei Lactose- und Fructose-Intoleranz sowie bei Glutenunverträglichkeit; auch zur Behandlung von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten kann Okoubaka längerfristig eingesetzt werden. Die zusätzliche Anwendung zu Probiotika ist möglich.

  • Okoubaka D3, 3-mal tägl. 5 Glob. (Kleinkinder 3 Glob.) empfiehlt sich zur Begleit- und Nachbehandlung einer antibiotischen Therapie; nach Beendigung der Antibiose wird Okoubaka wenigstens noch drei Wochen lang eingenommen.
  • Das Mittel trägt auch dazu bei, dass sich unter der Antibiose keine Vaginalmykose entwickelt.
  • Okoubaka ist bewährt, wenn Menschen auf Auslandsreisen unter Verdauungsproblemen leiden; mit der Einnahme kann bereits drei Tage vor Reiseantritt begonnen werden (3-mal tägl. 5 Globuli). 

Lycopodium, der Bärlapp, ist ebenfalls ein bewährtes Mittel bei Verdauungsstörungen. Die Ursache (=Causa) sind Leber-Gallestörungen oder eine Divertikulose. Typische Leitsymptome sind eine Überempfindlichkeit gegen eng anliegende Kleidung, was Übelkeit, Blähungen, ausgeprägten Blähbauch und kolikartige Schmerzen hervorruft. Auffallend sind die oftmals am Spätnachmittag und Abend verstärkt auftretenden Verdauungsstörungen. Lycopodium D6, 3-mal tägl. 5 Glob. ist insbesondere zur längerfristigen Behandlung geeignet, wobei nach einer dreiwöchigen Einnahme eine etwa einwöchige Pause eingelegt wird, was im übrigen generell für eine Langzeitbehandlung mit Homöopathika gilt.

Lycopodium ist der Klassiker bei Verdauungsstörungen, die durch eine Divertikulose bedingt sind. 

Zur Erläuterung

Viele homöopathische Einzelmittel haben eine PZN, allerdings nicht in jeder Potenz und Darreichungsform. Da zwischen Dilution, Globuli und Tabletten kein Wirkungsunterschied besteht, sind sie untereinander austauschbar. Es entsprechen sich 5 Tropfen, 5 Globuli und 1 Tablette. Im Hinblick auf den Ethanol-Gehalt der Dilutionen kann auf die Darreichungsform Tabletten ausgewichen werden, falls das Mittel als Globuli keine PZN hat.

Ein Beispiel dafür ist Momordica balsamina D6, das als Dilution und Tabletten jeweils eine PZN hat; aktuell verfügt Momordica balsamina D6 Globuli über keine PZN und würde per Sonderanfertigung hergestellt werden müssen, sodass für unser oben genanntes Beispiel die Empfehlung lautet: Momordica balsamina D6, 3-mal tägl. 1 Tabl. etwa 10 Minuten vor dem Essen im Munde zergehen lassen.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de