Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 20: Heuschnupfen

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Heuschnupfen

Eine 32-jährige Kundin, die regelmäßig in die Apotheke kommt, verlangt mit Hinweis auf die Werbung ein mometasonhaltiges Nasenspray wegen ihrer allergisch bedingten Nasensymptome. Zusätzlich fragt sie nach einem Antiallergikum wegen heftigem Juckreiz im Mund und in den Gehörgängen.

Ihre Nachfrage

Bei der Abgabe des rezeptfreien Glucocorticoid-Nasensprays weisen Sie darauf hin, dass ein Wirkungseintritt bis zu zwei Tagen dauern kann. Deshalb empfehlen Sie zur Sofort-Behandlung zusätzlich Loratadin. Die Patientin schüttelt verneinend den Kopf: das Präparat hatte ihr der Hausarzt im letzten Jahr wegen Pollenallergie verordnet. Weil sie unter der Einnahme unter Müdigkeit litt, hatte sie das Medikament abgesetzt. Aus diesem Grund fragt sie jetzt nach einer anderen Möglichkeit. Ihre Antwort könnte lauten: "Ja – die gibt es, in Form von Globuli und damit als homöopathisches Arzneimittel."

Ihre Empfehlung

Zusätzlich zum Glucocorticoid-Nasenspray können Sie die Homöopathie empfehlen – das eine tun, ohne das andere zu lassen. Denn nur die Heuschnupfen-Symptome auszuhalten, ist sicherlich keine Alternative, zumal dann die Gefahr einer verstärkten oder erweiterten Symptomatik im Folgejahr besteht. Und dass die nachstehend genannten homöopathischen Arzneimittel grundsätzlich auch Schwangere und Stillende einnehmen können, sollte ebenfalls betont werden.

Arundo mauritanica, das Grasrohr, als D6 bewährt sich zur Akutbehandlung bei einer 4- bis 6-mal täglichen Anwendung von 1 Tablette (oder 5 Globuli). Eine Besserung tritt erfahrungsgemäß innerhalb von wenigen Stunden (nicht Tagen!) ein. Ist dies der Fall, kann die Einnahme auf 2- bis 3-mal täglich reduziert werden. Die Einnahmedauer begrenzt sich auf die Zeit der akuten Beschwerden und nicht auf eine bestimmte Wochenzahl.
Anwender bezeichnen die Wirksamkeit von Arundo D6 vergleichbar oder besser als ein chemisch-synthetisches Antiallergikum mit dem zusätzlichen Vorteil, dass es keinerlei müde machende Nebenwirkungen zeigt.
Arundo mauritanica wird eingesetzt bei Leitsymptomen, die Betroffene oft spontan am HV-Tisch äußern, wie unser Beispiel zeigt:

  • extremer Juckreiz in den Gehörgängen („im Ohr“) und im Mundraum
  • der gesamte Gaumenbereich juckt unerträglich
  • Juckreiz auch am äußeren Halsbereich
  • Juckreiz an Nase und Augen
  • tränende Augen  
  • triefende Nase

Zur Unterscheidung

Galphimia glauca, eine in Mittelamerika beheimatete Pflanze, ist ein gutes Beispiel für die Forschung im Bereich der Homöopathie: Zu diesem homöopathischen Arzneimittel liegen über 10 Jahre lang durchgeführte Doppelblindstudien vor, die von der Carstens-Stiftung finanziell gefördert wurden.

Die typischen Leitsymptome, die auf Galphimia glauca hinweisen, sind dem Pollenallergiker anzusehen:

  • tränende, juckende Augen mit geröteter Augenbindehaut
  • Niesen, Fließschnupfen, Jucken an der Nase
  • erschwertes Atmen bei starkem Pollenflug

Gerade beim zuletzt genannten Leitsymptom kann Galphimia glauca auch add-on zu einem antiasthmatisch wirkenden Spray oder Inhalator verwendet werden – und zwar ohne Gefahr von Wechselwirkungen. Als Akutmittel kann Galphimia D6, 4- bis 6-mal täglich 1 Tablette (oder 5 Globuli), eingenommen werden. Bei nachlassenden Beschwerden wird die Einnahmehäufigkeit auf 2- bis 3-mal täglich reduziert.  

Eine Alternative ist das homöopathische Arzneimittel, welches „Luft macht“:  Luffa operculata, das Luffaschwämmchen aus Südamerika, ist ein bewährtes Mittel für die Nasengesundheit. Der krankheitsbedingte Auslöser (=Causa), der auf Luffa hinweist, sind Atemwegsallergien, z.B. auf Pollen oder Hausstaubmilben. Auch ein Infekt kann Auslöser für die Beschwerden sein. Typische Leitsymptome sind:

  • Nasenschleim mit eher zähem, oftmals auch weißlich gelblichem Schleim
  • tagsüber besteht oft eine eingeschränkte Nasenatmung, was immer wieder zum Naseputzen zwingt
  • morgendliches Abhusten, Räuspern mit Schleim im Rachenraum

Luffa operculata D6 wird bei der Pollenallergie vergleichbar den beiden oben genannten homöopathischen Arzneimitteln dosiert.

Gut zu wissen

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Luffa operculata D6 sind trockene Nasenschleimhäute mit den Leitsymptomen:

  • es lösen sich im wieder trockene Krusten beim Naseputzen, manchmal auch vermengt mit Blutspuren
  • Brenngefühl in der Nase

Diese Leitsymptome erinnern auch an die bekannten Nebenwirkungen von corticoidhaltigen Nasensprays. Hier steht Ihnen mit Luffa D6, 3-mal täglich 5 Globuli, eine an über 300 Patienten dokumentierte Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

Und wann wird eigentlich Luffa operculata in der Potenz D12 eingesetzt?

Luffa D12 wird angewendet, wenn bedingt durch eine Allergie ein dünnflüssiger Schleim ständig den Griff zum Taschentuch erfordert, oftmals verbunden mit Juckreiz und Niesen. Deshalb ist Luffa D12 ein typisches Mittel zur Behandlung einer Tierhaarallergie. 
Ihr Merksatz für den HV-Tisch: Luffa macht Luft.

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie Informationen zu weiteren homöopathischen Mitteln zur Behandlung einer Pollenallergie. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de