Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 21: Pollenallergie bei Schwangeren

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Pollenallergie bei Schwangeren

Eine Kundin, die sichtbar unter einer Pollenallergie leidet, hat von ihrer Frauenärztin antiallergisch wirkende Augentropfen verordnet bekommen. Sie fragt, ob sie zusätzlich etwas einnehmen kann, und weist von sich aus darauf hin, dass sie schwanger ist, was Sie mit einem Blick bereits festgestellt haben.

Ihre Nachfrage

Auf Nachfrage berichtet die Kundin, dass sie seit drei Jahren immer zu dieser Zeit an Heuschnupfen leidet. In den letzten beiden Jahren, als sie nicht schwanger war, habe sie ein Antiallergikum eingenommen. Das hätte sie zwar müde gemacht, aber wenigstens waren die Beschwerden geringer, wenn auch nicht vollständig abgeklungen. Solche Tabletten möchte sie jetzt in der Schwangerschaft nicht einnehmen, zumal ihre Frauenärztin ihr auch davon ausdrücklich abgeraten hat; deshalb auch nur die Verordnung von Augentropfen. Auf Ihren Hinweis zur Homöopathie reagiert die Patientin erstaunt: "Nein, damit habe ich mich noch nie beschäftigt."

Ihre Empfehlung

Wenn Sie auf dem diesjährigen PTAheute-Kongress auf der Interpharm in Berlin waren, dann haben Sie viel über die Behandlung von Schwangeren und Stillenden erfahren – auch über die Möglichkeiten der Homöopathie in der Schwangerschaft. Da gibt es zum einen schwangerschaftsbedingte Beschwerden und Erkrankungen, die homöopathisch behandelt werden können – das Homöopathie-Fallbeispiel 16 beschäftigt sich beispielsweise mit dem Thema Schwangerschaftsübelkeit.
Und dann gibt es die Beschwerden und Erkrankungen, unter denen eine Schwangere leidet, die aber nicht durch die Schwangerschaft bedingt sind. Ein Beispiel ist die Pollenallergie, die in diesem Jahr besonders heftig verläuft und verstärkt die Augen betrifft.

Euphrasia officinalis mit der zielführenden Bezeichnung Augentrost wird nicht nur in Form von Augentropfen eingesetzt, sondern auch als homöopathisches Arzneimittel zum Einnehmen.

Euphrasia D6 hat – im wahrsten Sinne des Wortes – „sichtbare“ Leitsymptome:

  • die Augen brennen, sind gerötet, anfangs mit Trockenheitsgefühl,
  • später zunehmender Tränenfluss,
  • wässriges Nasensekret, Niesreiz.

Bewährte Anwendungsgebiete von Euphrasia sind die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und Heuschnupfen (Allergische Rhinokonjunktivitis)

Memo für Euphrasia: entzündete, tränende Augen mit der Causa (=Auslöser): Allergie, Erkältung, Augenüberanstrengung

Da die Beschwerden akut sind und der Pollenflug oft längere Zeit anhält, wird das Mittel 4- bis 6-mal täglich, jeweils 5 Globuli, eingenommen.
Ganz generell kann die Homöopathie zusätzlich zu lokal oder systemisch wirkenden Antiallergika angewendet werden. Es empfiehlt sich der frühzeitige Behandlungsbeginn mit der Homöopathie. Das chemisch-synthetische Arzneimittel wird dann bedarfsweise eingesetzt. 

Zur Unterscheidung

Die durch den Pollenflug bedingten Augenbeschwerden können so ausgeprägt sein, dass eine augenärztliche Untersuchung notwendig wird, besonders, wenn es sich um eine Schwangere oder Stillende handelt:

  • Anschwellen der Augenlider mit Jucken und Brennen
  • die Augen sehen verquollen aus und tränen
  • die Augenbindehaut ist gerötet

Diese Leitsymptomatik weist auf Apis mellifica hin, ein Arzneimittel mit der Causa (=Auslöser) allergische Reaktion, akute Entzündung. Betrachtet man Apis im Hinblick auf seine Wirkung, dann lässt sich diese mit antiphlogistisch und antientzündlich beschreiben.
Insofern ist Apis mellifica generell ein bewährtes Mittel bei allergischen Reaktionen mit blass-roter ödematöser Schwellung der Haut mit Hitzegefühl und kann deshalb auch bei Quaddelbildung an der Haut und bei Urticaria eingesetzt werden.
Eine am HV-Tisch nicht selten nachgefragte Problematik ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf die Augenkosmetik. Dass diese nicht mehr angewendet werden darf, ist selbsterklärend. Und zusätzlich zu einer Lokalbehandlung – im einfachsten mit feucht-kalten Pads – kann Apis in der oben genannten Akutdosierung eingenommen werden.
Und bei einer ärztlich verordneten lokalen oder systemischen Corticoidtherapie? Die Homöopathie – in diesem Beispiel Apis mellifica – kann trotzdem angewendet werden mit dem Ziel, Dauer und Dosis des Cortisons reduzieren zu können.

Zum Nachlesen

Im Fallbeispiel Nr. 20 finden Sie weitere Arzneimittel zur Behandlung der Pollenallergie, die auch in der Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden können. Und wenn Sie mehr über über die Anwendung von Phytolacca in der Stillzeit sowie die unterschiedlichen Anwendungen in Abhängigkeit von der Potenz erfahren wollen, sollten Sie das Fallbeispiel Nr. 8 lesen. 
Auch unter www.hvkompass.de finden Sie Informationen zu homöopathischen Mitteln zur Behandlung einer Pollenallergie. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.
Zudem gibt es ein Buch von unserem Homöopathie-Experten Dr. med. Markus Wiesenauer: Homöopathie in Schwangerschaft und Babyzeit, erschienen im S. Hirzel-Verlag.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de