Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 23: Paloondo für die Mutter

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Paloondo für die Mutter

Eine Ihnen nicht bekannte Kundin fragt nach Paloondo D6. Sie benötigt das Arzneimittel für ihre Mutter und möchte sich vorab informieren.

Ihre Nachfrage

Auf Nachfrage berichtet die Kundin, dass ihre Mutter immer bei Ihnen die Medikamente holt und nennt auch den Namen. Sofort wissen Sie, dass ist die im Homöopathie Fallbeispiel Nr. 22 beschriebene Patientin, die unter Rückenschmerzen leidet. Die Kundin erzählt, dass es ihrer Mutter seit der längerfristigen Einnahme des zusätzlich empfohlenen Hekla lava e lava deutlich besser gehe, sie weniger unter Schmerzen leide und die Beweglichkeit zugenommen habe. Nun habe sie in einem Buch eine weitere Empfehlung gelesen: Paloondo.

Ihre Empfehlung

Paloondo ist eine in Mittelamerika wachsende Pflanze mit der botanischen Bezeichnung Larrea mexicana und gehört zu den Jochblattgewächsen. Diese Information haben Sie mit wenigen Klicks dem hvkompass Homöopathie entnommen, um gleichzeitig die mit Ihrem Apotheken-Logo versehene Patienteninfo der Kundin zu geben. Daraus geht die Anwendung des homöopathischen Arzneimittels bei Rücken- und Gelenkschmerzen hervor, einschließlich der Dosierung: Paloondo D6, 3-mal täglich 5 Globuli oder 1 Tablette im Mund zergehen lassen.

In der Fachinfo des hvkompass Homöopathie, der nur Ihnen zur Verfügung steht, erhalten Sie weitere Hinweise über das Arzneimittel und die Anwendung:

Paloondo wird bei der Causa (=Auslöser)

  • Rückenschmerzen bei Osteoporose und Bandscheibenabnutzung eingesetzt.

Typische Leitsymptome sind:

  • stark eingeschränkte Bewegung;
  • schmerzhafte Muskelverspannungen,
  • oft auch Nervenschmerzen in den Armen und Beinen.

Wenn Sie sich die Causa und Leitsymptome von Hekla lava e lava im Fallbeispiel Nr. 22 durchlesen, dann werden Sie sofort erkennen: Paloondo, das pflanzliche Mittel und Hekla lava, das mineralische Mittel, sind sich in der Anwendung sehr ähnlich.

Das führt zur Schlussfolgerung: Sie können beide Mittel im dreiwöchigen Wechsel als Kur bei Osteoporose bedingten Rückenschmerzen empfehlen – und zwar längerfristig, d.h. wenigstens drei bis vier Monate lang, danach wird eine einmonatige Behandlungspause eingelegt; bedarfsweise kann diese „Rückenkur“ wiederholt werden. 

Zur Unterscheidung

„DAWOS“ führt oft zum angezeigten Mittel: „Da wo es weh tut“ – also die Lokalisation. Während Paloondo auf den gesamten Rücken und die Wirbelsäule wirkt, gibt es zwei weitere Mittel, die bei der Causa Degeneration und Verschleiß der Wirbelsäule eingesetzt werden: Lachnanthes tinctoria, die Rotwurzel ist präzisiert durch die Lokalisation

  • Halswirbelsäule, wodurch es zu Nacken- und Schulterschmerzen kommt,
  • Kopfschmerzen und Migräne durch HWS-Beschwerden,
  • Gefühl wie verrenkt und verspannt;
  • Schmerzen strahlen bis in die Finger aus.

Lachnanthes D6, 3-mal täglich 5 Globuli; nach einer dreiwöchigen Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt. Das Mittel hat – wie alle in diesem Fallbeispiel genannten Mittel – keine Sofortwirkung. Auch Aesculus, die Roßkastanie wird in der Homöopathie eingesetzt. Durch die stufenweise Verarbeitung (=Potenzierung) erfährt das Arzneimittel ein typisches Wirkungsprofil mit der Lokalisation

  • Lendenwirbelsäule und Ileo-Sacral-Gelenk.

Typische Leitsymptome sind

  • Tief sitzende Kreuzschmerzen,
  • Schmerzen im Kreuz-Darmbein-Gelenk;
  • stark schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Ein weiteres Leitsymptom von Aesculus sind

  • Schweregefühl in den Beinen,
  • stark hervortretende Krampfadern mit Schmerzen, weshalb das Arzneimittel auch bei Schwangeren mit Kreuzschmerzen und Venenbeschwerden eingesetzt werden kann: Aesculus D6, 3-mal täglich 5 Globuli. Anstelle der Globuli können bei älteren Menschen auch die homöopathischen Arzneimittel als Tablette eingesetzt werden, wobei 1 Tablette 5 Globuli entspricht, was auch aus dem Beipackzettel hervorgeht, der dem homöopathischen Arzneimittel beiliegt. 

Der besondere Tipp

Gerade in der Beratung am HV-Tisch kann rasch und gezielt das in Frage kommende Arzneimittel ausgewählt werden, wenn sich die Lokalisation wie in diesem Fallbeispiel punktgenau beschreiben lässt. Die Homöopathie erweitert als Add-on Empfehlung sinnvoll das Beratungsspektrum – und genau dies will diese Serie vermitteln.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de