Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 24: Sabdariffa

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Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Sie werden von einer Patientin mittleren Alters nach der Anwendung von Sabdariffa gefragt. Sie möchte das Arzneimittel für sich selbst anwenden und fragt, ob Sabdariffa auch als Salbe angewendet werden kann.

Ihre Nachfrage

Ihr erster Blick fällt auf die sichtbaren Unterschenkel mit den deutlich hervortretenden Venen. Und da Sie sich nicht ganz sicher sind, was Sabdariffa ist, geben Sie das Stichwort in den hvkompass Homöopathie ein. Er bestätigt Ihnen, dass Sabdariffa ein Venenmittel ist und auch als Salbe zur Verfügung steht. Die Patientin berichtet Ihnen, dass sich insbesondere in der warmen Jahreszeit auf Grund des stehenden Berufes vor allem am Nachmittag und Abend ihre Beine schwer anfühlen mit Spannungsgefühl und leichter, jedoch sichtbarer Schwellung. Der Hausarzt hat eine Venenschwäche diagnostiziert mit dem Hinweis, wenn es noch schlimmer wird, kann man an eine Venenoperation denken. Im Klartext: derzeit sind die Venenbeschwerden nicht behandlungsbedürftig.

Ihre Beratung

Um den Verlauf der beginnenden Venenschwäche zu verlangsamen bzw. zum Stillstand zu bringen, stehen keine chemisch-synthetischen Arzneimittel zur Verfügung. Ist der Schweregrad mit Stadium ausgeprägter Krampfadern erreicht, besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffs oder einer Venenverödung. Aus dem Spektrum der Naturstoffpräparate ist vor allem der Roßkastanienextrakt als pflanzliches Arzneimittel etabliert.

In der homöopathischen Therapierichtung ist Sabdariffa, die afrikanische Malve ein bekanntes Venen- und Lymphmittel.

  • Die Causa ist eine angeborene (vererbte) und erworbene (Berufstätigkeit, Körpergewicht) Bindegewebsschwäche; hinzukommen als weitere, verstärkende Faktoren ein oder mehrere Schwangerschaften.
  • Die Leitsymptome von Sabdariffa sind sicht- und fühlbar, weil oft schmerzhaft:
  • Bildung von Besenreisern, sichtbare Venenzeichnung,
  • geschwollene Beine mit schmerzhaften Krampfadern,
  • die Knöchelregion schwillt beim längeren Stehen deutlich an.
  • Neigt zu Venenthrombose;
  • schmerzhafte Venenentzündung, auch durch Infusionen;
  • nach einer Venenentzündung: bräunliche Verfärbung der Haut, die trocken-rissig ist mit leichter Verletzungsgefahr

Sabdariffa D6, 3-mal tägl. 5 Globuli kurmäßig, d.h. nach einer dreiwöchigen Einnahme wird eine einwöchige Pause eingelegt; es empfiehlt sich eine Anwendungsdauer von wenigstens drei Monaten. Sabdariffa-Salbe kann unterstützend angewendet werden; damit können insbesondere die lokal begrenzten so genannten Besenreiser behandelt werden.

Sabdariffa kann auch bei Hand-Arm-Lymphödem als Folge einer Brustkrebsoperation oder bei einem Bein-Lymphödem unterstützend zu einer Lymphdrainage angewendet werden.

Zur Unterscheidung

Im Homöopathie-Fallbeispiel Nr. 23 wurde die Anwendung von Roßkastanie als homöopathisches Arzneimittel beschrieben:

Charakteristische Leitsymptome, die auf Aesculus hinweisen, sind

  • Schweregefühl in den Beinen,
  • stark hervortretende Krampfadern mit Schmerzen,

weshalb das Arzneimittel insbesondere bei Schwangeren mit Kreuzschmerzen und Venenbeschwerden eingesetzt werden kann: Aesculus D6, 3-mal tägl. 5 Globuli.

Ein weiteres homöopathisches Arzneimittel bei Venen- und Lympherkrankungen ist Calcium fluoratum D12, 2-mal tägl. 5 Glob. mit längerfristiger Anwendung.

  • Causa (Auslöser) sind Bindegewebsschwäche; Entzündungsneigung der Venen.
  • Leitsymptome sind:
  • Schmerzhafte, auch geschwollene Beine mit Hitze- und Schweregefühl;
  • Besenreiser, beginnende Krampfadern, die zu Entzündung neigen.
  • Unschöne Narbenheilung, 

weshalb Calcium fluoratum sich auch zur Nachbehandlung nach einer Venen-Operation bewährt.

Der besondere Tipp

Lesen Sie das Homöopathie-Fallbeispiel Nr. 22 nach. Dort finden Sie eine Erläuterung über die in der homöopathischen Therapierichtung bekannten Kuren, dargestellt am Beispiel der „homöopathischen Gelenkkur“, die sich in vielen Vor-Ort-Apotheken zu einer Standardempfehlung bei Arthrose und Osteoporose entwickelt hat.

Und es gibt auch eine Venenkur: Sabdariffa D6, 3-mal tägl. 5 Glob. im dreiwöchigen Wechsel mit Calcium fluoratum D12, 2-mal tägl. 5 Glob., wenigstens drei Monate lang.

Diese Venenkur ist gleichzeitig auch als Lymphkur einzusetzen wie sie beispielsweise beim onkologischen Patienten die Lymphdrainage unterstützen kann.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de