Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 25: Reiseübelkeit

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Reiseübelkeit

Eine Kundin fragt nach Cocculus D6. Das Mittel habe ihr eine Freundin empfohlen. Außerdem möchte sie wissen, welche Mittel sonst noch sinnvoll für ihre Reise ans Mittelmeer sind. 

Ihre Nachfrage

Sie fragen nach, für wen und zu welchem Zweck Cocculus eingesetzt werden soll. Daraufhin antwortet die Kundin: „Für meine beiden Kinder, eine 3 ½-jährige Tochter und ein 6 Jahre alter Sohn, denn die beiden leiden jedes Mal unter Reiseübelkeit. Und sagen Sie bitte“, fährt die Kundin fort, „kann ich Cocculus auch unserem Hund geben, denn der hat dasselbe Problem.“

Ihre Empfehlung

Homöopathische Arzneimittel können generell bei Mensch und Tier eingesetzt werden. Dafür ist die Behandlung der Reiseübelkeit mit Cocculus ein klassisches Beispiel. Der Vorteil: Das Arzneimittel macht nicht müde.
Cocculus, mit der Arzneibuchbezeichnung Anamirta cocculus, die Kokkelskörner, wird generell gegeben, wenn Fahren (Bus, Bahn, Schiff) oder Fliegen (= Causa) eine Reiseübelkeit hervorruft.
Die typischen Leitsymptome sind:

  • Übelkeit steigert sich bis zum Erbrechen
  • Schweißausbrüche, der Kopf ist wie leer
  • Schwindel und Ohrgeräusche

Cocculus D6 wird dabei wie folgt dosiert: Bei bekannter Reiseübelkeit, ob Kind oder Erwachsener, können bereits drei Tage vor Reiseantritt 2- bis 3-mal täglich 3 bzw. 5 Globuli gegeben werden, während der mehrstündigen Reise wird etwa alle Stunde eine Dosis eingenommen.
Und dass auch Tiere unter Reiseübelkeit leiden können, wissen Tierhalter nur zu gut: Kleine Hunde bekommen pro Dosis 5 Globuli, größere Hunde 10 Globuli pro Dosis in der oben beschriebenen Häufigkeit.

Am Beispiel von Cocculus lässt sich ein interessanter Ansatz der Homöopathie nachvollziehen: Wird Cocculus jedes Mal vor und während der Reise angewendet, baut sich die Neigung, an Reiseübelkeit zu leiden, immer mehr ab. Und das trifft für Mensch und Tier gleichermaßen zu. 

Cocculus kann auch bei Schlaflosigkeit eingesetzt werden, wenn der Schlaf durch äußere Umstände unterbrochen wird und dadurch der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist. Eine solche Situation betrifft beispielsweise Menschen, die in Schichten arbeiten und gerade bei der Umstellung von Nacht- auf Tagschicht unter Schlafstörungen leiden. Die Dosierung ist dabei abends 5 Globuli (oder 1 Tablette) jeweils eine halbe Stunde vor und unmittelbar beim Zubettgehen, bei nächtlichem Erwachen kann erneut eine Dosis eingenommen werden. Die Globuli bzw. die Tablette lässt man im Mund zergehen.
Daraus resultiert für Cocculus D6 eine weitere Anwendung: Jetlag, um sich an die Zeitumstellung besser gewöhnen zu können. Außerdem eignet sich Cocculus D6 in der oben genannten Dosierung auch für  stillende Mütter, die nachts mehrfach aufstehen müssen und danach erschwert einschlafen.

Zur Unterscheidung

Ein weiteres homöopathisches Arzneimittel, das im Zusammenhang mit Reiseübelkeit und Kreislaufbeschwerden eingesetzt werden kann, ist Tabacum D6. Dabei schildern Ihnen die Betroffenen eine klare Ursache als Auslöser (= Causa) für die Beschwerden: überwärmte, schlecht gelüftete Räume, z. B. im Flugzeug, Auto oder auf dem Schiff.
Die auf Tabacum hinweisenden Leitsymptome sind:

  • starker Schwindel, auch mit Sehstörungen und Ohrensausen
  • blasses Gesicht, der Körper fühlt sich eiskalt an mit kaltem, klebrigem Schweiß
  • extreme Übelkeit, fühlt sich „sterbenselend“
  • an Händen und Füßen treten Kribbeln und Kältegefühl auf
  • sobald sie wieder „festen Boden unter den Füßen haben“ und frische Luft einatmen, geht es den Betroffenen schlagartig besser

Tabacum D6 wird angewendet wie unter Cocculus beschrieben.

Der besondere Tipp

Eine homöopathische Reiseapotheke macht Sinn. Dabei reicht eine überschaubare Anzahl an Arzneimitteln aus. Welche? Einen Vorschlag dazu finden Sie im HVKompass Homöopathie unter dem Stichwort „Apotheken“.

Und welches Mittel darf auf einer Reise unter gar keinen Umständen fehlen? Okoubaka, der Schwarzafrikanische Rindenbaum. Okoubaka ist der Klassiker schlechthin für Menschen, die unter Verdauungsstörungen auf Reisen bei ungewohnter Ernährungsweise leiden. Es empfiehlt sich ein Einnahmebeginn bereits drei Tage vor Reiseantritt. In diesem Zeitraum und während der Gesamtdauer der Reise sollten 2- bis 3-mal täglich 5 Globuli (Kleinkinder
3 Globuli) Okoubaka D3 eingenommen werden.

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen zu diesen homöopathischen Mitteln. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de