Homöopathie-Fallbeispiele aus der Praxis

Teil 26: Insektenstiche

Bild: © Sonja Birkelbach - Fotolia.com

Wenn man einen Experten auf dem Gebiet der Homöopathie sucht, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Dr. med. Markus Wiesenauer. Als Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren in eigener Praxis stellt er für PTAheute.de jeden Monat ein Fallbeispiel und seine homöopathische (Add-on)-Behandlung vor.

Insektenstiche

Eine Patientin lässt sich wegen einer bevorstehenden Schweden-Reise in der Apotheke beraten. Unter anderem benötigt sie ein wirkungsvolles Mittel gegen Insektenstiche Zusätzlich zum Repellent empfiehlt die PTA ein homöopathisches Arzneimittel, was eine weitere Kundin mit erstaunter Aufmerksamkeit verfolgt. „Kügelchen“ gegen Insektenstiche?

Ihre Nachfrage

Die Kundin berichtet, dass sie im Sommer oft in Skandinavien unterwegs seien, was auch der ganzen Familie gut täte. Nur, so erzählt sie, haben sie jedes Mal ein Problem: die leidigen Insektenstiche. Dagegen haben sie bereits unterschiedliche Präparate zum Einreiben und Einsprühen mit mäßigem Erfolg ausprobiert. Denn vor allem der Juckreiz sei entsetzlich und es falle ihr schwer nicht zu Kratzen, da sich sonst das Jucken noch mehr verstärke. Auf die Nachfrage der PTA schildert sie, dass der extreme Juckreiz sie und ihre Familie am meisten plage; ihre beiden Kinder 5 und 7 Jahre alt verstünden nicht den Hinweis, das Kratzen sein zu lassen. Und nein – stark angeschwollen seien die Insektenstiche nicht.

Ihre Beratung

In der Homöopathie ist ein Arzneimittel bekannt, das als das „Cortison“ der Homöopathie bezeichnet wird: Cardiospermum, der Herzsame, ist eine südamerikanische Pflanze, die im übrigen auch in den beiden Externa Halicar® und Dermaplant® enthalten ist. In vielen Apotheken sind diese beiden Präparate für die Anwendung bei Juckreiz und stark entzündeter Haut wie beispielsweise einem akuten Schub einer Neurodermitis bekannt. Eine bewährte Anwendung als Creme sind auch stark juckende Insektenstiche. Cardiospermum mit der Causa (=Auslöser, Ursache)

  • allergisch entzündliche Reaktion an Haut und Schleimhäuten (Atemwege, Darm)

ist bewährt als D3, 4-5-6mal tägl. 3 Glob. (Kleinkinder) bzw. 5 Glob. (Schulkinder, Erwachsene), bei Besserung 2-3mal tägl. bei folgenden Leitsymptomen:

  • extrem juckende Insektenstiche,
  • akuter Hautausschlag,
  • stark entzündlich geröteter Haut,
  • Nesselsucht mit heftigem Juckreiz. 

Cardiospermum ist ein typisches Akutmittel der Homöopathie und wird wie oben beschrieben dosiert; zur Behandlung der juckenden Insektenstiche ist eine mehrtägige Behandlung ausreichend.

Zur Unterscheidung

Teilweise reagieren manche Menschen auf Insektenstiche mit einer deutlich sichtbaren Reaktion: die Hautstelle schwillt stark an, ist heiß und juckt: wie wenn man von einer Bienen oder Wespe gestochen worden wäre. Die Logik der Homöopathie – Ähnliches mit Ähnlichem zu behandeln - führt zur Anwendung von Apis mellifica, die Honigbiene, die vergleichbar einem Antiphlogistikum eingesetzt wird.

  • Apis mellifica D6 wirkt auf Schleimhäute und Haut beruhigend und abschwellend.
  • Klassische Leitsymptome sind
  • sichtbar angeschwollene Insektenstiche
  • mit Hitzegefühl, brennenden Schmerzen
  • und Spannungsgefühl. 

Und natürlich kann Apis mellifica auch mit einem äußerlich anzuwendenden Mittel kombiniert werden.

  • Für Betroffene, die kein corticoidhaltiges Externum anwenden möchten, ist Apis mellifica eine Option am HV-Tisch.

Eine weitere, nicht selten nachgefragte Problematik ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf die Augenkosmetik. Auch bei einer solchen Situation wirkt Apis mellifica antiphlogistisch und antientzündlich. Denn generell kann das Mittel bei

  • bei Quaddelbildung und bei Urticaria angewendet werden.
  • Apis mellifica wird dosiert wie unter Cardiospermum beschrieben. 

Beim Thema Insektenstiche ist auch Ledum palustre, der Sumpfporst zu berücksichtigen: Ledum gilt in der Homöopathie als Klassiker bei der Causa (=Auslöser)

  • „Folgen von Stichverletzungen“ wie z.B. durch Insekten wie Stechmücken oder dornige Pflanzen und Sträucher.

Die typischen Leitsymptome sind

  • juckende, jedoch kaum oder nur wenig angeschwollene Insektenstiche,
  • gerötete Hautstelle. 

Die Dosierung von Ledum erfolgt wie oben beschrieben. Und dass Ledum D6 auch bei den Folgen eines Bisses durch ein Tier angewendet werden kann – dieser Hinweis ist verbunden mit der Verpflichtung, wonach ein Arzt die Wunde und den Impfschutz überprüft hat. 

Der besondere Tipp

Eine homöopathische Reiseapotheke macht Sinn. Dabei reicht eine überschaubare Anzahl an Arzneimitteln aus. Welche? Einen Vorschlag dazu finden Sie im HVKompass Homöopathie unter dem Stichwort „Apotheken“.

Und welches Mittel darf auf einer Reise unter gar keinen Umständen fehlen? Okoubaka, der Schwarzafrikanische Rindenbaum. Okoubaka ist der Klassiker schlechthin für Menschen, die unter Verdauungsstörungen auf Reisen bei ungewohnter Ernährungsweise leiden. Es empfiehlt sich ein Einnahmebeginn bereits drei Tage vor Reiseantritt. In diesem Zeitraum und während der Gesamtdauer der Reise sollten 2- bis 3-mal täglich 5 Globuli (Kleinkinder
3 Globuli) Okoubaka D3 eingenommen werden.

Unser Tipp

Unter www.hvkompass.de finden Sie weitere Informationen zu diesen homöopathischen Mitteln. Mit dem Online-Programm können Sie zudem apothekenindividuell eine Patienteninformation ausdrucken und dem Kunden mitgeben.

Dr. med. Markus Wiesenauer
Apotheker, Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren
onlineredaktion@ptaheute.de